"Die Hauptsorge ist momentan die Sicherheit der Mannschaften", sagte der Geschäftsführer von Danica, ein auf die Bereitstellung von Schiffcrews spezialisiertes Unternehmen. Die Ukraine hat zur Verteidigung gegen die russische Invasion nahe gelegene Küstengebiete vermint.

Mehr als 1500 Seeleute wurden seit Anfang des Krieges in Sicherheit gebracht. Ukrainische Seeleute stehen kaum zur Verfügung, da sie ihr Land verteidigen sollen. Russisches Personal lehnt die Ukraine wegen Sicherheitsbedenken ab. Daher sind internationale Mannschaften gefragt, sie aber können ihrerseits den risikoreichen Einsatz ablehnen.

"Solange den ukrainischen Behörden nicht geholfen wird bei der Beseitigung der Minen und der Schaffung einen sicheren Korridors, setzen sich die Seefahrer erheblichen Risiken für ihr Leib und Wohl aus", sagte Stephen Cotton, Chef der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF). Nachdem die Gewerkschaft ITF die Gewässer vor der Ukraine als Hochrisikogebiet eingestuft hat, kann Personal aus dem Ausland einen Einsatz in den Gebieten verweigern. Aus Industriekreisen verlautete, dass die, die sich zu einem Einsatz bereiterklären, mehr Geld verlangen könnten.

450 Seeleute arbeiten auf feststeckenden Schiffen

Derzeit arbeiten der UN-Behörde für Seeschifffahrt zufolge nur noch 450 Seeleute auf in der Ukraine feststeckenden Schiffen. Zu Beginn des Krieges Ende Februar waren es noch rund 2000. Um den Personalmangel beheben zu können, fordert der ITF die Aussetzung der Wehrpflicht für ukrainische Seemänner. Gewerkschaften sind deshalb bereits bei der Regierung in Kiew vorstellig geworden.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stecken rund 25 Millionen Tonnen Getreide fest. Insbesondere afrikanische Länder sind aber auf die Lieferungen aus der Ukraine - einer der weltweit grössten Getreideexporteure - angewiesen. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten Russland, die Ukraine und die Türkei am Freitag ein Abkommen, das die Wiederaufnahme der Getreideexporte aus ukrainischen Schwarzmeerhäfen vorsieht.

Damit sollen die dringend benötigten Lieferungen an den Weltmarkt gesichert werden. Auf die Ukraine und Russland entfielen vor dem Krieg rund ein Drittel der weltweiten Getreide-Exporte. Mit der Wiederaufnahme der Lieferungen soll der weltweite Anstieg der Lebensmittelpreise gedämpft werden und eine Hungerkrise - die laut UN 47 Millionen Menschen vor allem im Nahen Osten und Afrika bedroht - vermieden werden.

(Reuters)