MIGROS: Bei Strommangel müsste jede fünfte Migros-Filiale schliessen, wie die "SonntagsZeitung "berichtete. Damit werde deutlich, was eine Strommangellage für die Schweiz bedeuten würde. Bei aktuell 658 Migros-Märkten müssten 130 Läden stillgelegt werden. Mit Geschäftsschliessungen sinke der Stromverbrauch, da Kühlregale, Beleuchtung, Lifte, Kassen abgestellt würden. Zwar würde es in den offenen Filialen enger werden, doch die Lebensmittelversorgung könnte gewährleistet werden. "Wenn wir nur noch 80 Prozent des Stroms bekommen, dann müssen wir uns einschränken", wird ein Sprecher der Migros in dem Artikel zitiert. Bei Coop hiesst es: "Wir beschäftigen uns mit der aktuellen Situation und entwickeln entsprechende Notfallpläne." Die Schweizer Grossverteiler stehen dem Zeitungsartikel zufolge in engem Kontakt zum federführenden Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). Dort habe ein Sprecher bestätigt, dass Unternehmen im Fall einer Strommangellage von "Bewirtschaftungsmassnahmen" betroffen sein könnten. Grossverbraucher mit mehreren Standorten könnten einen Standort "vollständig stilllegen" und einen anderen regulär weiterführen. Das BWL sei gemäss eigenen Aussagen daran, ein sogenanntes Bewirtschaftungskonzept auszuarbeiten. Dieses soll gemäss jetzigem Stand Ende August in den Bundesrat. "Bei dieser Gelegenheit wird dann auch die Öffentlichkeit informiert", so der BWL-Sprecher. (SoZ, S. 1, 31)

GLOBUS: Die Warenhauskette Globus will Online-Shop für Luxuswaren werden. Neu verkauft sie über ihre Website Produkte, welche man im Laden nicht findet, wie Globus-Chef Franco Savastano im Interview mit der "NZZ am Sonntag" erklärt. "Wir sind jetzt marktplatzfähig", so der CEO. Das bedeute, dass Globus im Laden teilweise nur eine kleine Auswahl einer Marke anbiete, dafür online das ganze Sortiment. "Wir sind gerade mit Christian Dior Beauty gestartet, die Verträge sind unterschrieben." Heute verschicke Globus 500'000 Pakete pro Jahr und macht 15 Prozent des Umsatzes mit dem Online-Geschäft. "Das wollen wir massiv steigern", so Savastano zur "NZZ am Sonntag" weiter. Weil die Kunden stark auf angesagte Marken abführen, investiere er einen pro Tag Woche, um die exklusivsten Brands zu akquirieren. "Wir leben nicht mehr in einer Produktewelt, sondern in einer Markenwelt." (NZZaS, S. 25; siehe auch separate Meldung)

ENERGIE/KONJUNKTUR: Die Sorge ist gross, dass Wladimir Putin die Gaslieferungen nach Deutschland ganz einstellt und die Nordsee-Pipeline nach den Wartungsarbeiten ihren Betrieb nicht wieder aufnimmt. Im Interview mit der "SonntagsZeitung" sagte Wirtschaftsexperte und Ex-Banker Konrad Hummler, dass auch die Schweiz die Folgen des Energiemangels zu spüren bekommen würde. "Die Rezessionsgefahr ist also real, auch für die Schweiz. Meine Hauptangst ist dabei, dass solch ein Energieschock die gesamte Konstruktion Europas in Frage stellen könnte." Hummler weiter: "Statt eines Fachkräftemangels hätten wir dann schnell einen Überschuss. Auch wir wären dann in diesem perfekten Sturm." Es sei dennoch richtig, dass die Schweizerische Nationalbank damit begonnen habe die Zinsen anzuheben. "Die Negativzinsen sollen möglichst bald verschwinden", so Hummler. Damit würde die Schweizer Geldpolitik von derjenigen der Europäischen Zentralbank unabhängiger. "Die Schweiz sollte sich meiner Meinung nach künftig auch weniger auf den Euro ausrichten, sondern stärker am Dollar orientieren." Das würde auch dazu führen, dass sich die Exportwirtschaft weniger stark auf den Euroraum ausrichtet und globaler werden würde. (SoZ, S. 34-35)

ENERGIE II: Der Bund verlangt von den Anbietern von sauberem Strom wie Solarkraftwerken Geld, statt sie zu fördern. Dies berichtete die "SonntagsZeitung" Daher rechne sich für einige Betreiber ihre Anlage nicht mehr und sie schalteten sie ab. Und das in Zeiten, in denen der Schweiz eine Strommangellage drohe, heisst es in dem Zeitungsartikel weiter. Im ersten Quartal hätte 450 Betreiber von Solaranlagen dem Bund 2,5 Millionen Franken zahlen müssen. Der Grund dafür liege in der Berechnung der Einspeisevergütung für grosse Anlagen. Die Höhe der Förderung berechne sich nach folgender Formel: Fördersatz minus Börsenpreis für Strom. Da der Marktpreis für Strom stark gestiegen sei, ergebe die Formel negative Beträge. Hansueli Flückiger, der im Emmental eine Solaranlage betreibe, habe im ersten Quartal dem Bund rund 4700 Franken zahlen müssen. "Wegen der Förderregeln lohnt sich der Betrieb derzeit nicht", wird er in dem Artikel zitiert. Deswegen nehme er seine Anlage vom Netz. (SoZ, S. 32)

ENERGIE III: Mitten in der Energie-Krise wird das zuständige Bundesamt zum Sanierungsfall. An der Spitze des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) droht mitten in der Energiekrise ein Vakuum, wie die "NZZ am Sonntag" schrieb. So geht der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Werner Meier, in wenigen Monaten in Pension. Ein Nachfolger für ihn sei aber noch nicht in Sicht, heisst es in dem Zeitungsartikel. Und eine Reihe von weiteren Personen erreiche demnächst das Rentenalter, wie das BWL bestätigt habe. Zudem sei die Stelle des Geschäftsleiters nur interimistisch besetzt, auch hier sei die Nachfolge unbekannt. Man liege mit all diesen Abgängen aber im "Rahmen der normalen Fluktuation". Zusätzlich belastet eine anstehende Reorganisation des Amts, wie die "NZZ am Sonntag" weiter berichtete. Eine Administrativuntersuchung sei 2020 zum Schluss gekommen, dass die Führungs- und Organisationsstrukturen im BWL ungenügend seien. Jetzt soll das nur 33 Vollzeitstellen zählende Amt ausgebaut werden. Das BWL bereitet gegenwärtig mit der Branche die Massnahmen vor, die in einer Strom- und Gasmangellage zum Tragen kämen: Sparappelle an die Bevölkerung, Kontingentierungen und weitere Einschränkungen. (NZZaS, S. 1, 8, 15)

NEUTRALITÄT: Bundespräsident Ignazio Cassis will Schweizer Neutralität neu ausrichten, wie die "SonntagsZeitung" berichtete. Nun werde klar, was Cassis gemeinte habe, als er am WEF in Davos die "kooperativen Neutralität" lancierte habe,  heisst es in dem Artikel. Im neuen Neutralitätsbericht von Cassis' Aussendepartement werde der Begriff nun erstmals mit Inhalt gefüllt und gleich als "die zielführendste Option" für die künftige Ausrichtung der Schweiz angepriesen, wie es im bisher unveröffentlichten Entwurf heisst. Der "SonntagsZeitung" liegt der Bericht den Angaben zufolge vor. Die kooperative Neutralität ist demnach eine moderate Weiterentwicklung der heutigen Praxis. So soll die Schweiz etwa die Regeln für Waffenlieferungen in Kriegsgebiete lockern und im Sicherheitsbereich enger mit der EU und Nato kooperieren. Ohne diese Zusammenarbeit sei die Sicherheit des Landes "kaum mehr zu bewerkstelligen". Zudem werde es in den kommenden Jahren eine Kernaufgabe der Schweizer Sicherheits- und Aussenpolitik sein, die liberalen Werte zu verteidigen. "Der Ukraine-Krieg beschleunigt den Übergang in eine neue Epoche." Keine Option ist für Cassis dem Zeitungsbericht zufolge eine Rückkehr zu einer integralen Neutralität, wie sie von Christoph Blocher und der SVP propagiert wird. Dies sei "nicht im Interesse der Schweiz", stehe im Bericht. Ein "Stillsitzen" würde bei wichtigen Partnern "auf Unverständnis" stossen. Ein Alleingang würde auch die Armee schwächen und immense Kosten für die Sicherheit verursachen. (SoZ, S. 5; siehe auch separate Meldung

 

GLEICHSTELLUNG: Bei der Gleichstellung liegen die Schweizer Firmen zurück. Doch jetzt geht es plötzlich vorwärts mit der Frauenförderung. Dies zeigen Daten aus dem jüngsten Schillingreport, welche die "NZZ am Sonntag" veröffentlicht hat. Demnach stellen Frauen erstmals die Mehrheit der neugewählten Verwaltungsräte. Innert Jahresfrist ist den Daten zufolge ihr Anteil von 33 auf 52 Prozent nach oben geschossen. Die Auswertung basiere auf den Generalversammlungen von 180 Firmen. "Der Wandel hat, wie so oft in der Schweiz, etwas länger gedauert. Dafür sind unsere Firmen umso gründlicher vorgegangen - mit einem Swiss Finish", sagte der Kadervermittler Guido Schilling gegenüber der "NZZ am Sonntag". Der Gesamtanteil der Frauen in den Verwaltungsräten erreicht damit 28 Prozent und liegt nur noch knapp unter dem Richtwert von 30 Prozent, welcher 2026 in Kraft tritt. Laut Schilling habe die Wirtschaft stark in den weiblichen Nachwuchs investiert und der Pool an qualifizierten Kandidatinnen sei enorm gewachsen. Auf Stufe der Geschäftsleitung ist der Frauenanteil noch etwas tiefer und beträgt gemäss Schillingreport 17 Prozent. Auch dort hat die Quote der Neugewählten aber deutlich zugenommen, auf zuletzt 36 Prozent. (NZZaS, S. 21)

jl

(AWP)