Positiv für die Aktienmärkte insbesondere am Freitag war auch, dass sich die Inflation zuletzt in die gewünschte Richtung - nämlich nach unten - entwickelt hat, wie Zahlen sowohl aus Europa als aus den USA gezeigt haben. So werde das Dilemma der Notenbanken zumindest nicht grösser, meinte ein Marktbeobachter. Für die Inflationsbekämpfung müssten sie eigentlich die Zinsen noch weiter erhöhen, für die Bekämpfung der Probleme im Finanzsektor bräuchte es dagegen tiefere Zinsen. "Alles in allem war das jedenfalls eine sehr gute Woche aus Börsensicht", sagte ein Händler. Es gibt allerdings auch weniger optimistische Stimmen, die der jetzigen Ruhe im Finanzsektor noch nicht so richtig trauen wollen.

Der SMI schloss am Freitag 0,67 Prozent höher auf 11'106,24 Punkten. Seit dem Tief bei 10'395 Zählern am 20. März hat der wichtigste Schweizer Aktienindex damit fast 7 Prozent zugelegt, wobei sogar noch diverse Dividendenabgänge weggemacht werden mussten. Für die jetzt zu Ende gegangene Woche ergibt sich ein Plus von 4,4 Prozent, für das erste Quartal steht dieses bei 3,5 Prozent.

Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg am Freitag derweil um 0,76 Prozent auf 1755,95, wobei 27 seiner 30 Titel höher schlossen. Der breite Markt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) avancierte um 0,73 Prozent auf 14'547,08 Zähler.

Angeführt wurden die Gewinner von Aktien aus den verschiedensten Sektoren. Zuoberst bei den Blue Chips standen die PS des Liftherstellers Schindler (+2,6%). Sie dürften von einer bestätigten Kaufempfehlung der ZKB vom Vortag profitiert haben, hiess es, zudem war von einer Erholungsbewegung auf die jüngsten Verluste die Rede. Bei den grössten Gewinnern waren ausserdem die Techwerte Logitech (+2,6%) und VAT (+2,2%) sowie ABB (+1,8%) und Givaudan (+1,8%), ohne dass es fundamentale Gründe gab.

Auch die Papiere der Swisscom (+1,8%) legten deutlich zu. Hier half laut Händlern eine Kurszielerhöhung der UBS, zudem habe der Titel nach dem Dividendenabgang am Vortag auch optisch wieder etwas billiger ausgesehen.

Auch die beiden Grossbanken Credit Suisse (+1,3%) und UBS (+1,4%) schlossen am Ende höher. Sie setzten aber den seit einiger Zeit üblichen volatilen Kursverlauf fort und wechselten - zumindest am Morgen - auch immer wieder die Vorzeichen. Nach dem jüngsten Anstieg hätten kurzfristig orientierte Marktteilnehmer wohl bereits erste Gewinne eingestrichen, sagten Marktteilnehmer. Andere hätten wohl weiter gekauft, da sie der neuen "Superbank" eine rosige Zukunft zutrauten.

Den stärksten Abschlag verbuchten Temenos (-1,0%). Dabei dürfte es sich laut Händlern aber um Gewinnmitnahmen gehandelt haben, denn der Titel war am Vortag mehr als sechs Prozent gestiegen. Ein grosser Auftrag und einmal mehr aufgetretene Übernahme-Spekulationen hatten die Papiere des Bankensoftware-Herstellers angeschoben. Knapp im Minus schlossen ausserdem noch SGS und Alcon.

Die SMI-Schwergewichte entwickelten sich leicht unterdurchschnittlich: Novartis (+0,5%), Nestlé (+0,6%) und Roche (+0,1%). Novartis hatte am Nachmittag eine Empfehlung der EU für den Einsatz des Herzmittels Entresto bei Kindern erhalten. Und Nestlé-VRP Paul Bulcke sagte gegenüber der einheimischen Finanzpresse, dass der Preisdruck allmählich nachlasse.

Auf den hinteren Rängen fielen u.a. Klingelnberg (+12%) positiv auf. Der Maschinenbauer erwartet für das per Ende März abgeschlossene Geschäftsjahr 2022/23 neue Höchstwerte bei Umsatz und Auftragseingang. Implenia (+4,2%) profitierten von Anschlusskäufen. Der Kauf des Immobilienverwalters Wincasa werde weiter positiv aufgenommen, hiess es. Grössere Ausschläge gab es ausserdem bei Youngtimers (+27%), Highlight Event (+14%) oder Talenthouse (-16%).

uh/tp

(AWP)