Eine straffere Geldpolitik der Notenbanken von Hongkong, England und ganz überraschend auch der Schweiz habe den Investoren am Donnerstag die Risiken der weltweiten Inflation und die damit verbundene Gefahr einer Rezession erneut deutlich vor Augen geführt, hiess es am Markt. Bereits am Mittwochabend hatte auch die US-Notenbank Fed weiter an der Zinsschraube gedreht. Die Nervosität an den Märkten blieb hoch. Der VSMI legte am Donnerstag um 11 Prozent auf 25,83 Punkte zu.

Der SMI verlor ganze 2,86 Prozent auf 10'475,37 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und die Schwergewichte stärker gekappt sind, sackte sogar um 3,61 Prozent auf 1613,42 Punkte ab. Der breite SPI gab 2,94 Prozent auf 13'462,99 Zähler ab. Sämtliche 30 SLI-Werte schlossen deutlich im Minus.

In einem Umfeld geldpolitischer Straffung vieler Notenbanken seien Aktien-Engagements nicht wirklich aussichtsreich, kommentierte ein Markexperte. "Zum einen führt die hohe Inflationsdynamik zu Konsumzurückhaltung und zum anderen zu sinkenden Margen bei den Unternehmen." Bestenfalls komme es dann zu einer Stagflation, andernfalls stehe eine faustdicke Rezession vor der Tür.

Mit dem Zinsentscheid legte auch der Franken deutlich zu, was für die Schweizer Exportindustrie schmerzhaft ist. Der Euro fiel zum Franken deutlich auf unter 1,02 Franken. Der Dollar rutschte auf unter 0,97 Franken ab.

Besonders stark verkauft wurden Wachstums- und Technologiewerte, bei denen sich höhere Zinsen am stärksten bemerkbar machten, hiess es im Handel. Und auch Unternehmen mit einer hohen Nettoverschuldung wurden überdurchschnittlich stark abgestraft. Grösste Verlierer waren etwa AMS Osram (-9,3%), Sonova (-8,9%) oder Straumann (-5,6%).

 

Auch die Finanzwerte, denen ansonsten nachgesagt wird, sie profitierten von höheren Zinsen, konnten sich dem Negativtrend am Donnerstag nicht entziehen. Die Aktien von Swiss Life (-6,4%), Swiss Re (-4,7%), Partners Group (-4,0%) und Zurich (-3,2%) fielen kräftig. Bei Swiss Re belastete den Kurs zusätzlich noch eine Verkaufsempfehlung der UBS.

Unter die Räder kamen auch die Aktien der Grossbanken UBS (-6,0%) und CS (-4,9%). Dabei dürfte der von der SNB veröffentlichte "Bericht zur Finanzstabilität" den Kurs kaum zusätzlich beeinflusst haben, hiess es. Die Kapitalposition der zwei Grossbanken hat sich der Notenbank zufolge zwar weiter verbessert, allerdings ist das Verlustpotenzial in einem Stressszenario weiterhin substanziell.

Die Aktien der Luxusgüterhersteller Richemont (-3,8%) und Swatch (-3,1%) standen ebenso stark unter Druck.

 

Am wenigsten schlecht schlugen sich derweil noch defensiv taxierte Aktien wie die Schwergewichte Nestlé (-1,2%), Roche (-1,4%) und Novartis (-2,3%) sowie Swisscom (-1,9%). "Die Anleger suchen sichere Werte", sagte ein Händler.

Am breiten Markt sackten Autoneum um weitere fast 15 Prozent ein. Der Autozulieferer hatte am Vortag eine Gewinnwarnung abgesetzt und in einem festeren Gesamtmarkt bereits am Mittwoch 3 Prozent verloren. Am Donnerstag reduzierte Kepler Cheuvreux im Nachgang der Gewinnwarnung das Kursziel. Auch Medacta (-7,8%) zeigten sich nach einer Kurszielreduktion durch die Credit Suisse besonders belastet.

Dufry (-8,8%) mussten ebenfalls deutlich Federn lassen. Händler verwiesen bei dem hochverschuldeten Reisedetailhandelskonzern auf eine Angst vor steigenden Fremdkapitalkosten im Zuge der steigenden Zinsen. Ausserdem zähle das Unternehmen nach dem überraschenden SNB-Zinsentscheid zu den Verlierern des erstarkten Frankens, hiess es.

Zu den sehr wenigen Gewinnern am Schweizer Aktienmarkt zählten hingegen etwa Hochdorf (+3,3%), Xlife Sciences (+1,6%) und Schlatter (+1,5%).

 

ys/kw

(AWP)