"Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die zu erwartende Entwicklung schlechter. Das Geschäftsklima trübte sich auch in allen betrachteten Sektoren ein, also in der Industrie, unter Dienstleistern, im Handel und im Baugewerbe. Im Einzelhandel seien die Geschäftserwartungen auf ein historisches Tief gefallen, erklärte das Ifo-Institut.

Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Vielzahl krisenhafter Entwicklungen. Allen voran steht der Krieg Russlands in der Ukraine, der die Unsicherheit stark erhöht hat. Hinzu kommen die Energiekrise, insbesondere im Erdgasbereich, anhaltende Probleme im Welthandel und die vielerorts stark steigenden Zinsen der Notenbanken. Nicht zu vergessen, dass die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist und Belastungen vornehmlich aus China aufgrund der strikten Anti-Virus-Politik der dortigen Führung kommen.

Bankvolkswirte äusserten sich pessimistisch. "Kurzfristig lässt sich wegen anhaltend hoher Gas- und Konsumentenpreise, der Versorgungsunsicherheit, der geopolitischen Risiken und der steigenden Zinsen nicht erkennen, dass die Stimmung der deutschen Wirtschaft schon bald auf Erholungskurs geht", sagte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. An dem Plan der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen weiter zu erhöhen, werde sich kaum etwas ändern. Ein konjunktureller Abschwung werde in Kauf genommen.

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator. Es basiert auf einer monatlichen Umfrage unter etwa 9000 Unternehmen./bgf/jsl/stk

(AWP)