Uedas Äusserungen treffen auf ein Umfeld mit für Japan hoher Inflation, die Notenbank betrachtet diese jedoch nicht als nachhaltig. Wie aus Regierungszahlen vom Freitag hervorgeht, sind die Verbraucherpreise ohne frische Lebensmittel im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,2 Prozent gestiegen. Das ist der stärkste Zuwachs seit rund 41 Jahren. Die Rate wird von der japanischen Notenbank besonders beachtet.

Verglichen mit anderen grossen Volkswirtschaften ist die Teuerung in Japan zwar niedriger, für japanische Verhältnisse ist sie aber hoch. Die Regierung hat deshalb bereits Entlastungsmassnahmen auf den Weg gebracht, die die offiziellen Teuerungsraten bald dämpfen sollten. Dennoch dürfte die Inflation über dem Ziel der Bank of Japan von zwei Prozent verharren.

Ueda soll dem langjährigen Notenbankchef Haruhiko Kuroda nachfolgen, dessen Amtszeit im April endet. Der Führungswechsel ist nicht ohne Herausforderungen, da Kuroda die Geldpolitik Japans lange stark geprägt hat. Insbesondere hat er vor etwa zehn Jahren den geldpolitischen Ansatz des verstorbenen Ex-Premiers Shinzo Abe umgesetzt, der unter der Bezeichnung Abenomics eine extrem lockere Geldpolitik vorsieht. Auch steht Kuroda für die immer noch aktuelle Kontrolle der Kapitalmarktzinsen durch die Zentralbank.

Ueda kann sich Änderungen an dieser Politik, die konkrete Zielsätze für die kurz- und langfristigen Marktzinsen vorsieht, zwar grundsätzlich vorstellen. Mit konkreten Äusserungen hielt er sich jedoch eher bedeckt. Auch dämpfte er überhöhte Erwartungen an seine Person: "Wenn ich zum Gouverneur ernannt werde, besteht meine Mission nicht darin, eine Art magische, besondere Geldpolitik zu entwickeln." Es werde wohl noch einige Zeit dauern, bis das Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig erreicht sei.

Ueda war bereits einmal Mitglied im geldpolitischen Komitee der Notenbank, über seine aktuelle geldpolitische Haltung ist aber nicht allzu viel bekannt.

Nach der Feiertagspause am Vortag ging es in Tokio am Aktienmarkt am Freitag vergleichsweise deutlich nach oben. Die Marktstrategen der Deutschen Bank verwiesen auf die Aussagen von Ueda./bgf/jsl/jha/

(AWP)