Apple-Zulieferer - AMS-Führung deckt sich mit Optionen ein

Die Geschäftsleitung des Sensorenherstellers AMS kauft im grossen Stil Optionen auf die eigene Aktie: der cash Insider mit den Hintergründen. - Und: Wird der Vermögensverwalter GAM zum heissen Übernahmekandidaten?
03.08.2018 12:30
cash Insider
AMS-Führung deckt sich mit Optionen ein
Bild: fotolia.com

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Seit Jahren macht die Führungsetage von AMS durch den Kauf und Verkauf von Mitarbeiteraktien und -optionen von sich Reden - als ob das üppige Jahressalär nicht genug wäre.

Erhebungen der "Finanz & Wirtschaft" zufolge haben Mitglieder der Geschäftsleitung so in anderthalb Jahren einen Gewinn in Höhe von 24 Millionen Franken eingefahren. Seit 2015 beläuft sich der Gewinn sogar auf mehr als 86 Millionen Franken.

In den letzten Tagen gingen bei der Schweizer Börse SIX seitens des Sensorenherstellers aus dem österreichischen Unterpremstätten nicht weniger als 11 Offenlegungsmeldungen ein.

Eine Meldung betrifft den Verkauf von 25'000 Inhaberaktien im Gegenwert von 1,7 Millionen Franken. Hinter den übrigen Meldungen verbergen sich Optionskäufe seitens eines oder mehrere Geschäftsleitungsmitgliedern.

Die Optionen - mehr als 1,1 Millionen an der Zahl - berechtigen zum Erwerb von Aktien zu Preisen zwischen 75 und 130 Franken.

Kursentwicklung der AMS-Aktien seit Januar 2017. (Quelle: www.cash.ch)

Die letzte Häufung solcher Optionskäufe aus der Geschäftsleitung von AMS geht in den Februar 2017 zurück. Damals notierten die Aktien des Sensorenherstellers und Apple-Zulieferers bei knapp 35 Franken. Sechs Monate später waren es bereits 70 Franken.

Verhält es sich wie damals, geht von den Offenlegungsmeldungen der letzten Tage eine positive Signalwirkung für die zukünftige Kursentwicklung aus. Mal schauen, ob die Geschäftsleitungsmitglieder einmal mehr eine gute Nase für die eigene Aktie unter Beweis stellen.

Neben der Geschäftsleitung von AMS sind in der Schweiz übrigens nur die Firmengründer von Ypsomed ähnlich aktiv in der eigenen Aktie. Ganz unproblematisch sind diese Transaktionen nicht (siehe Nicht ganz unproblematische Beteiligungsbewirtschaftung der Gründerfamilie bei Ypsomed vom 5. Juni)...

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Langjährige Aktionäre von GAM dürfte ein ungutes Déjà-Vu beschleichen: Obwohl der Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte den Erwartungen entsprach, gaben die Aktien des Vermögensverwalters aus Zürich innerhalb von gerade mal zwei Handelstagen um mehr als 20 Prozent nach.

Gegenüber dem Schlusskurs am Vorabend der überraschenden Gewinnwarnung von Mitte Juli errechnet sich gar ein Minus von 34 Prozent. Man fühlt sich in den Frühling vor zwei Jahren zurückversetzt, als das Unternehmen noch als "Grossbaustelle" galt.

Anders als damals reichte zuletzt alleine schon die Angst vor einem Abfluss von Kundenvermögen. Stein des Anstosses war die sofortige Suspendierung von Star-Fonds-Manager Tim Haywood, verantwortlich für die Absolut-Return-Bond-Strategien.

Die betroffenen Fonds - sie sind bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt - wiesen Ende Juli verwaltete Vermögen in Höhe von 7,3 Milliarden Franken auf. Das entspricht rund 9 Prozent der Kundenvermögen, die für Drittanbieter entwickelten Fonds nicht mit eingerechnet.

Dass GAM einige dieser Milliarden verlieren könnte und die damit verbundenen Gewinnbeiträge wegbrechen, ist wahrscheinlich.

Womöglich warf Analyst David Hart von Kepler Cheuvreux gestern nicht zuletzt auch aus diesem Grund das Handtuch und stufte die Aktien kurzum von "Buy" auf "Hold" herunter. Gleichzeitig kürzte er das Kursziel auf 10,80 (zuvor 19,50), was quasi einer Halbierung gleichkommt.

Jäher Absturz der Aktien von GAM in den letzten Tagen. (Quelle: www.cash.ch)

Mittlerweile steht den verwalteten Vermögen von 79,3 Milliarden Franken und Drittvermögen in ähnlicher Höhe ein Börsenwert von gerade mal noch 1,3 Milliarden Franken gegenüber.

Selbst als sich der Vermögensverwalter vor zwei Jahren in einem desolaten Zustand befand und kaum noch Gewinne schrieb, wies er einen höheren Börsenwert auf.

Das macht GAM meines Erachtens zum heissen Übernahmekandidaten. Ich wäre nicht überrascht, wenn sich wie vor zwei Jahren ein Finanzinvestor einnistet - mit nur einem Ziel: Den Vermögensverwalter möglichst gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen.
 

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