Baissiers am Rande der Verzweiflung

Der cash Insider sagt, an welchen drei bekannten Schweizer Aktien sich die Baissiers in den letzten Wochen ganz ordentlich die Finger verbrannt haben.
20.05.2015 12:30
cash Insider
Baissiers am Rande der Verzweiflung

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Vor wenigen Wochen ist die Hausse am Schweizer Aktienmarkt ins sechste Jahr übergegangen. Grund genug für die Haussiers, die Champagnerkorken knallen zu lassen und ihren historischen Sieg über die Baissiers zu feiern.

Nun fallen hierzulande selbst die letzten Bastionen der Baissiers. Bei Clariant wurden die auf rückläufige Kurse wettenden Marktakteure in den letzten Wochen von Übernahmespekulationen in die Knie gezwungen.

Von einer 23 Franken je Aktie schweren Offerte durch den deutschen Rivalen Evonik und von angeblichem Interesse seitens von Johnson Matthey und Dow Chemicals war in Handelskreisen die Rede. Konkretisiert haben sich diese Spekulationen bislang nicht, was den Entscheidungsträgern am Hauptsitz in Basel vermutlich noch so recht sein dürfte. Schliesslich haben sie sich zuletzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit für einen Alleingang stark gemacht.

Dennoch haben falsch positionierte Marktakteure in den letzten Wochen ziemlich viel Geld mit den Aktien des Spezialitätenchemieherstellers verloren. Das erklärt mitunter auch, weshalb die Wetten auf rückläufige Kurse auf gerademal 1,1 Prozent der frei handelbaren Titel geschrumpft sind.

Am Rande der Verzweiflung sind die Baissiers auch bei Meyer Burger. Wie mir berichtet wird, werfen schon seit Tagen namhafte Vertreter dieses Marktlagers das Handtuch. Seit gestern haben sie auch allen Grund dazu: Mit einem Volumen von 38 Millionen Franken meldete das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen erstmals einen etwas grösseren Nachrüstungsauftrag.

Noch bis vor wenigen Jahren wäre ein Auftrag dieser Grössenordnung vermutlich keine Pressemitteilung wert gewesen. Damals gingen bei Meyer Burger regelmässig Bestellungen in dreistelliger Millionenhöhe ein. Wie der für Helvea tätige Experte gestern in einem Kommentar allerdings richtig anmerkte, entsprechen die 38 Millionen Franken immerhin knapp 10 Prozent des für dieses Jahr erwarteten Gesamtumsatzes.

Auch Kleinvieh gibt Mist, so ergänzt ein möglicherweise à la Hausse positionierter Händler mir gegenüber mit einer gesunden Portion Häme.

Wie dem auch immer sei: Die Baissiers haben beim in Ungnade gefallenen Börsenliebling mittlerweile ganz klar das Nachsehen. Was nur die wenigsten wissen: Mit offenen Engagements in der Grössenordnung von 18,6 Prozent aller ausstehenden Aktien laufen gegen kaum ein anderes börsenkotiertes Schweizer Unternehmen derart umfangreiche Wetten.

Dass der Börsenwert von Meyer Burger alleine in den vergangenen zwei Wochen um knapp einen Drittel gestiegen ist, dürfte in erster Linie denn auch auf panikartige Eindeckungstransaktionen zurückzuführen sein.

Bei den an der Schweizer Börse SIX gehandelten Namenaktien von Transocean zeichnete sich am Montag ein Angriff auf die psychologisch wichtige Marke von 20 Franken ab. Doch dann trat mit Goldman Sachs die wohl mächtigste Investmentbank der Welt mit einer negativen Studie zur amerikanischen Ölserviceindustrie aus dem Schatten.

Die Verfasser der mir zugespielten Studie haben es faustdick hinter den Ohren. Der weiterhin tiefe Ölpreis sorge dafür, dass die Förderung auf hoher See auf Jahre hinaus unattraktiv bleibe. Daran ändere auch die Flottenverschlankung von Anbietern wie Transocean nichts, so schreiben sie.

Und um dieser Meinung Nachdruck zu verleihen, streichen sie das 12-Monats-Kursziel für die in New York gehandelten und mit "Sell" eingestuften Aktien des Ölserviceunternehmens auf 7 (10) Dollar zusammen. Davon lässt sich ein rechnerisches Abwärtspotenzial von gut 60 Prozent ableiten.

Prompt gerieten die Aktien sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks unter starken Verkaufsdruck. Wie mir aus dem Handel berichtet wird, laufen an der Schweizer Börse SIX nur Wetten im Umfang von 12,3 Prozent aller Aktien gegen Transocean. In New York sind es Statistiken zufolge nicht weniger als 29,4 Prozent. Das wiederum macht den in Zug beheimateten Ölservicekonzern zum zweitmeisten gehassten Unternehmen des ganzen S&P-500-Index.

So ausgedünnt wie in diesen Tagen war das Lager der Baissiers bei uns am Schweizer Aktienmarkt schon eine ganze Weile nicht mehr. Kapitulierende Baissiers seien die besten Käufer, so sagt man an der Börse. Ich frage mich allerdings, wer in die Lücke springt, wenn auch dieses letzte Marktlager seine Deckungskäufe abgeschlossen hat.

 

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