Bank sucht Schutz in den Schweizer Aktien

Kepler Cheuvreux setzt neuerdings auf Schweizer Aktien - Und: Kündigt die Warnung eines AMS-Rivalen sogar einen Abschwung an?
14.10.2014 12:30
cash Insider
Bank sucht Schutz in den Schweizer Aktien

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In den letzten Tagen rollte eine Ausverkaufswelle rund um den Globus. Die Welle erfasste auch den heimischen Aktienmarkt. Mit einem Rückschlag von rund 6 Prozent kam der breit gefasste Swiss Performance Index im europäischen Vergleich allerdings noch glimpflich davon. Und das obschon Absicherungstransaktionen in den Index-Futures erstmals auch den Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis zusetzten.

Neuerdings sucht der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Stratege ausgerechnet Schutz in diesen Aktien. Aufgrund seiner defensiven Attribute stuft er den Schweizer Aktienmarkt von "Neutral" auf "Overweight" hoch.

Anders als man es vermuten könnte, rät der Experte der eigenen Anlagekundschaft bei den auf der Favoritenliste wiederzufindenden Aktien von Aryzta, Dufry, Actelion, Holcim, Clariant und Zehnder jedoch entschieden von einem Positionsauf- oder -ausbau ab. Er setzt vielmehr auf die Valoren von Givaudan, Roche, Swiss Re und der Zurich Insurance Group. Auch bei den Aktien von Nestlé und Novartis hält der Stratege eine überdurchschnittliche Kursentwicklung für möglich.

Seine Kernbotschaft bleibt zwar, die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Dieser Ratschlag beschränke sich auf die kommenden Wochen, so schreibt der Experte in seinem Kommentar. Im gleichen Atemzug empfiehlt er allerdings, jegliche Erholungsversuche zum Abbau von Engagements zu nutzen.

Dass den europäischen Aktienmärkten Gefahr drohe, sei den Marktakteuren mittlerweile bekannt. Neu sei, dass nun auch die Zuversicht in die amerikanische Leitbörse leide. Dem Strategen zufolge häufen sich in Übersee die Anhaltspunkte für eine bis weit ins kommende Frühjahr hinein reichende Korrektur. Mit einem traumatischen Rückschlag rechnet er nicht, viel eher mit einem kontinuierlichen Abbröckeln der Aktienkurse.

Die Angst vor einer längeren Korrektur hat bei Kepler Cheuvreux auch Auswirkungen auf die Branchenpräferenzen. So stuft der Stratege den europäischen Nahrungsmittelsektor von "Neutral" auf "Overweight" hoch. Im Gegenzug senkt er den europäischen Bau- und Baumaterialsektor von "Overweight" auf "Neutral". Darüber hinaus rät der Experte zum Ausbau des Untergewichts bei den Finanzwerten.

Ob Schweizer Aktien tatsächlich Zuflucht vor den Folgen einer Korrektur am amerikanischen Aktienmarkt bieten, wird sich zeigen müssen. Denn eine alte Börsenweisheit lautet: Beginnt die Börse in New York zu husten, verschlägt es die europäischen Börsen mit einer Grippe ins Bett. Mit anderen Worten: Für gewöhnlich wird auch unser Heimmarkt überdurchschnittlich harsch für Rückschläge in Übersee in Sippenhaft genommen und abgestraft.

Ausserdem hat am späten Freitag nun auch der Swiss Performance Index bei 8300 Punkten seinen seit Mitte Juni letzten Jahres entstandenen sekundären Aufwärtstrend verletzt. Noch besteht die Hoffnung, dass das Börsenbarometer das Anfang August markierte Zwischentief bei 8100 Zählern nicht unterschreitet. Falls doch, droht auch unserem Heimmarkt ein etwas substanzieller Rückschlag. Ich werde die weiteren Entwicklungen in Übersee jedenfalls genauestens im Auge behalten und dieses Thema zu gegebener Zeit wieder aufgreifen.

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Wenn es hierzulande eine "Aktie der Stunde" gibt, dann die des Börsenlieblings AMS. Das war jedenfalls bis vor wenigen Tagen noch so. Seither werden die Papiere des Halbleiterherstellers jedoch für eine Umsatz- und Gewinnwarnungen des Grosskunden Knowles in Sippenhaft genommen und abgestraft.

Auch heute haben sie wieder einen sehr schweren Stand. Und das, obwohl der Experte von Kepler Cheuvreux in einem Kommentar vehement verteidigende Töne anschlägt. Er hält Folgen der hausgemachten Probleme bei Knowles für vernachlässigbar und sieht darin keinen Grund sich Sorgen zu machen.

Auch die jüngste Umsatz- und Gewinnwarnung des Rivalen Microchip Technology spielt der Experte im Kommentar herunter. Die davon ausgelöste Angst vor übervollen Lagern sei übertrieben und betreffe die industriellen Absatzmärkte, insbesondere in China. Das Problem betreffe dortige unabhängige Händler. AMS erziele geschätzte 13 Prozent des Jahresumsatzes in diesem Geschäftsbereich und beliefere vorwiegend Abnehmer in Europa, so schreibt er weiter.

Rückenwind für die mit einem geradezu euphorisch anmutenden Kursziel von 43,90 Franken zum Kauf empfohlenen Aktien erhofft sich der Verfasser des Kommentars vom Siegeszug des iPhone 6. Anders als das Vorgängermodell sei die Nachfrage deutlich besser. Ein Hinweis dafür sei die Auftragslage asiatischer Zulieferer, welche sich bis weit ins erste Quartal nächsten Jahres hinein stark gestalte. Anders als es saisonale Verhaltensmuster erwarten lassen, sieht der Experte bei AMS sogar die Möglichkeit für ein starkes solches Quartal.

Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, dass ich schon seit langer Zeit positiv für die Aktien von AMS bin. Die Umsatz- und Gewinnwarnung von Microchip Technology darf aus Aktionärssicht allerdings nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn in der Vergangenheit warnte der deutlich grössere amerikanische Rivale oft als eines der ersten Halbleiterunternehmen und läutete damit oft eine grundlegende Nachfrageverschlechterung ein. Vermutlich eröffnen sich bei AMS über die kommenden Wochen und Monate noch einmal günstigere Einstiegsgelegenheiten, so brutal das auch klingen mag.