Börsenwoche im Schnelldurchlauf - Es riecht am Schweizer Aktienmarkt förmlich nach Kapitulation

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche unter anderem: SMI-Schwergewichte im alten Fahrwasser, Tecan mit einfachem Rezept, Aufatmen bei Lafarge - Und: Es riecht nach Kapitulation.
25.06.2021 12:30
cash Insider
Es riecht am Schweizer Aktienmarkt förmlich nach Kapitulation
Bild: © kasto/fotolia.com

Der cash Insider berichtet im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Schauen Sie sich doch auch das Tracker Zertifikat auf die Schweizer Aktienfavoriten des cash Insider an.

+++

Es kam, wie es kommen musste: Zu Wochenbeginn bescherte der grosse Derivatverfall vom Freitag den Valoren von Nestlé, Roche und Novartis zwar noch einmal steigende Kursnotierungen.

Doch die Freude sollte nicht von Dauer sein. In den darauffolgenden Tagen kehrten die Marktakteure den drei Indexschwergewichten dann zusehends wieder den Rücken zu. Stattdessen galt die Aufmerksamkeit wieder ganz den hiesigen Industrieperlen, etwa Schaffner, Rieter, Bossard oder Komax. Dies, nachdem sich gleich mehrere dieser Unternehmen optimistisch zum Tagesgeschäft geäussert hatten.

Dass die Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI) nach dem Hexensabbat wieder den Kopf hängenlassen, überrascht insofern auch, als dass Kepler Cheuvreux den europäischen Pharmasektor im Wochenverlauf von "Neutral" auf "Overweight" heraufstufte. Zumindest die Valoren von Roche und Novartis hätten davon eigentlich profitieren müssen.

Ich kommentierte diese doch ziemlich unterkühlte Börsenreaktion am Mittwoch wie folgt:

Grund hierfür dürfte mitunter sein, dass der Stratege dem Schweizer Aktienmarkt weiterhin nur ein neutrales Gewicht in den Kundenportefeuilles einräumt. Im Wissen, dass beim SMI alleine schon die Valoren der beiden Pharmagiganten aus Basel für fast 40 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich sind, kommen die neuen Branchenpräferenzen ziemlich halbherzig daher – und spät. Schliesslich haben die Genussscheine von Roche alleine in den vergangenen drei Wochen um fast 12 Prozent an Kurswert zugelegt. Aber besser späte Einsicht, als keine Einsicht.

Wo und wie laut die Musik momentan spielt, lässt sich eindrucksvoll an Tecan anschaulich machen. Gestern Donnerstag kündigte der Laborausrüster aus Männedorf an, für eine satte Milliarde Dollar die amerikanische Paramit übernehmen zu wollen. Und obwohl Analysten wie etwa die für Vontobel tätige Sibylle Bischofberger die Übernahme als keineswegs perfekt bezeichneten, schoss der Kurs der Aktien von Tecan am Tag der Bekanntgabe in der Spitze um bis zu 16 Prozent nach oben.

Bischofberger stösst sich daran, dass Tecan mit Paramit gleich in mehrere neue Geschäftsfelder vorrückt – sich quasi nur zusätzlichen Umsatz umschnallt. Auch die Synergien liegen ihres Erachtens nicht einfach so telquel auf der Hand.

Kursfeuerwerk bei den Aktien von Tecan (Quelle: www.cash.ch)

Ihr Berufskollege Daniel Buchta bei der Zürcher Kantonalbank geht hingegen davon aus, dass der Laborausrüster zwecks Teilfinanzierung eigene Aktien im Gegenwert von rund 200 Millionen Franken ausgeben wird.

Mir scheint das Rezept von Tecan denkbar einfach: Man kaufe einen Rivalen, teils finanziert über günstige Kredite und teils durch die Platzierung von hoch bewerteten eignen Aktien – et voilà. Die Politik des billigen Geldes macht's möglich.

Dass im Windschatten davon am Donnerstag auch die Aktien von Straumann neue Kursrekorde schrieben, erstaunt mich vor diesem Hintergrund nicht. Auch der Weltmarktführer aus Basel kann bei künftigen Übernahmen gegebenenfalls auf ziemlich hoch bewertete eigene Aktien zurückgreifen.

Den Möglichkeiten, die sich solchen Unternehmen daraus eröffnen, sind kaum Grenzen gesetzt – zumindest wenn es nach der Börse geht. Zur Erinnerung: Die Aktien von Tecan werden mit dem 38-fachen des für 2022 prognostizierten Gewinns bewertet, jene von Straumann gar locker mit dem 50-fachen. Wachstum hat eben seinen Preis...

Der Verlierer der Woche ist Panos Ellinas von der Berenberg Bank. Der Analyst sprach im Januar letzten Jahres bei Kursen von etwas mehr als 940 Franken eine Verkaufsempfehlung für die Aktien der Partners Group aus. Lautete das Kursziel zuerst 607 Franken, kürzte er es wenige Wochen später sogar auf 445 Franken.

Vor wenigen Tagen meldete sich Ellinas kleinlaut zurück und stufte die Papiere des Risikokapitalspezialisten mit einem Kursziel von 1240 Franken von "Sell" auf "Hold" herauf.

Erst vor wenigen Monaten berichtete ich davon, dass der Leidensdruck pessimistischer Aktienanalysten ins Unerträgliche steige. Ich hielt in diesem Zusammenhang fest:

Doch auch der Analyst der Berenberg Bank wird sich unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Während viele seiner Berufskollegen bei anderen Banken die Aktien der Partners Group zum Kauf empfehlen, hält er mit "Sell" und einem Kursziel von gerade einmal 671 Franken dagegen. Ursprünglich argumentierte der Analyst nebst der hohen Bewertung auch mit den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie. Letzteres erweist sich als immer weniger haltbar.

Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn weitere pessimistisch gestimmte Analysten ebenfalls einknicken würden. Die Liste ist lang und umfasst etwa Patrick Rafaisz von der UBS mit seiner Verkaufsempfehlung für die Valoren von Komax mit einem 12-Monats-Kursziel von 129 Franken oder auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs, der jene von Temenos mit "Sell" und einem 12-Monats-Kursziel von 108 Franken einstuft – nur um ein paar wenige von vielen zu nennen.

Erfreuliches weiss hingegen Oddo-Analyst Sven Edelfelt bei den Aktien von Holcim zu berichten. Seines Erachtens dürfte der Ausstieg der beiden ehemaligen Lafarge-Ankeraktionäre und Pargesa-Gründer Albert Frère und Paul Desmarais endlich abgeschlossen sein. Wird auch langsam Zeit, ist man gewillt zu erwidern. Unnötig zu erwähnen, dass Edelfelt nun Raum für eine kräftige Gegenbewegung sieht. Um seiner "Outperform" lautenden Kaufempfehlung noch einmal den nötigen Nachdruck zu verleihen, erhöht er das Kursziel für die Valoren des weltgrössten Zementherstellers auf 76 (zuvor 72) Franken. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Aufwärtspotenzial von mehr als 30 Prozent.

Eine solche Aufholjagd – beispielsweise auf die Aktien des Börsenüberfliegers Sika – würde auch mich sehr freuen, zählt Holcim bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für 2021 neben Nestlé doch zu den grössten Titelpositionen.

Mit abenteuerlichen Spekulationen wartet heute Freitag die Nachrichtenagentur Reuters auf. Sie will in Erfahrung gebracht haben, dass in der Führungsetage der Credit Suisse die Angst vor einer unfreundlichen Übernahme durch einen Rivalen umgeht.

Angeblich will der Verwaltungsrat der Grossbank im September an einer Sitzung über ein mögliches Abwehrdispositiv entscheiden. Darf man dem Reuters-Bericht Glauben schenken, dann stehen eine Abspaltung der Universalbank Schweiz oder des Asset Managements sowie ein Schulterschluss mit der UBS zur Diskussion.

Kursentwicklung der Aktien der Credit Suisse (rot) mit jenen der UBS (grün) über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Bei allem Respekt, glaube ich allerdings nicht, dass letztere Hand für einen Schulterschluss bietet – alleine schon deshalb nicht, weil zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen würden. Kommen die immensen wettbewerbsrechtlichen und politischen Hürden hinzu, die ein solches Unterfangen mit sich bringen würde.

Und dennoch möchte ich einen unfreundlichen Übernahmeversuch aus dem Ausland bei der Credit Suisse nicht ausschliessen. Harren wir der Dinge, die da kommen mögen...

...auch was die Fussball-Europameisterschaft anbetrifft. Allen Unkenrufen zum Trotz konnten Teamkapitän Granit Xhaka das Ruder in letzter Minute noch herumreissen und sich für das Achtelfinale qualifizieren. Es war für einmal eine Riesenfreude, unsere Schweizer Nati gegen die Türkei spielen zu sehen. Nun geht es am Montag gegen Weltmeister Frankreich. Doch auch sonst stehen im Achtelfinal hochkarätige Partien an – beispielsweise wenn Belgien gegen Portugal spielt oder Deutschland gegen England antritt. Letztere Partie wird im Vorfeld wohl auch die britische Klatschpresse beschäftigen.

Mehr dazu nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

In die Schweizer Aktienfavoriten investieren?

Das Tracker-Zertifkat auf den cash Insider Aktienfavoriten Portfolio Index

banking by bank zweiplus



Fokus auf Unternehmen im Wandel



Professionell und aktiv verwaltet



Langjährige Expertise und Erfahrung des cash Insiders

In die Schweizer Aktienfavoriten investieren?

Das Tracker-Zertifkat auf den cash Insider Aktienfavoriten Portfolio Index

Fokus auf Unternehmen im Wandel

Professionell und aktiv verwaltet

Langjährige Expertise und Erfahrung des cash Insiders

banking by bank zweiplus