Clariant, Logitech und Co. - Die heissesten Übernahmeziele der Schweiz

Neben den «üblichen Verdächtigen» nennen die Strategen von Kepler Cheuvreux auch ungewöhnliche Schweizer Übernahmeziele - Und: Hat sich ein ChemChina-Geschäftsleitungsmitglied mit Syngenta-Aktien eingedeckt?
28.03.2017 12:30
cash Insider
Die heissesten Übernahmeziele der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Der Übernahmehunger des chinesischen Mischkonzerns HNA scheint noch immer nicht gestillt: Wie das Wall Street Journal in seiner heutigen Ausgabe meldet, sind die Chinesen für eine strategische Beteiligung an Dufry im Gespräch.

Das Interesse am führenden Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen an Flughäfen aus Basel kommt nicht von ungefähr, passt er doch bestens ins Beuteschema von HNA. Zuvor fiel dem Mischkonzern schon die einstige Swissair-Tochter Gategroup in die Hände.

Strategisch motivierte Käufer aus China werden bei uns in der Schweiz auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei Firmenübernahmen und –zusammenschlüssen spielen, so sind sich die für Kepler Cheuvreux tätigen Aktienanalysten sicher.

Ihres Erachtens versucht die Regierung in Peking dem Einkaufstourismus heimischer Unternehmen im Ausland zwar entgegenzuwirken, um dem Kapitalabfluss endlich Herr werden zu können. Das allerdings mit eher mässigem Erfolg.

Doch auch den für ihre aktive Einflussnahme bekannten Finanzinvestoren sagen die Experten hierzulande Übernahmegelüste nach, was angesichts der jüngsten Beteiligungsnahme des RBR Strategic Funds beim Vermögensverwalter GAM und des Einstiegs des ehemaligen UBS-Verwaltungsrats und Hedgefonds-Pioniers Rainer-Marc Frey beim Sorgenkind Leonteq nicht wirklich überrascht.

In einer mit GAM vergleichbaren Situation finden sich der Telekommunikationskonzern Ascom, der Unterwäschehersteller Calida, der Solarzulieferer Meyer Burger sowie der Luftfrachtspezialist Panalpina wieder.

Allerdings rechnen die Aktienanalysten von Kepler Cheuvreux bei keinem dieser Unternehmen letztendlich mit einem Verkauf ins Ausland.

Neben den "üblichen Verdächtigen" wie dem Spezialitätenchemiekonzern Clariant (grössere Bereichsverkäufe ein allgegenwärtiges Thema), dem Vermögensverwalter EFG International (hausgemachte Probleme, stark fragmentierte Branche), dem Peripheriegerätehersteller Logitech (technologisch überzeugende Produkte), dem Telekommunikationskonzern Sunrise Communications (industrieller Grossaktionär, möglicher Zusammenschluss mit Salt), dem Dentalimplantatehersteller Straumann oder dem Bankensoftwareanbieter Temenos (beide Marktführer in einem für grosse Konzerne attraktiven Bereich) nennen die Experten auch mehrere nicht alltägliche Übernahmeziele.

Temenos (rot), Logitech (grün) und Straumann (violett) wären für einen Käufer vor Jahresfrist günstiger zu haben gewesen (Quelle: www.cash.ch)

Dazu zählen etwa der Kolbenkompressorenhersteller Burckhardt Compression, der Edelstahlproduzent Schmolz+Bickenbach sowie der Halbleiterhersteller u-blox. Während Burckhardt Compression schon seit Monaten mit einer Nachfrageflaute in den Absatzmärkten kämpft, hätte bei Schmolz+Bickenbach wohl Viktor Vekselberg ein entscheidendes Wort mitzureden. Der russische Milliardär kontrolliert beim Edelstahlkocher mehr als 40 Prozent der Stimmen. u-blox trat zuletzt hingegen selber als Jäger in Erscheinung.

Ebenfalls auf der Liste möglicher Übernahmeziele sind der Baukonzern Implenia, die Reisesuchmaschine Lastminute.com und der Pharmahersteller Santhera zu finden.

Wer auf die richtigen Übernahmekandidaten setzt, kann viel Geld verdienen. Allerdings dauert es manchmal Jahre, bis ein gerne genanntes Unternehmen endlich verkauft wird. Frühere Aktionäre von Nobel Biocare oder Charles Vögele dürften wissen, wovon ich spreche. Darüber hinaus wird mit gezielt gestreuten Spekulationen gerne Schindluderei betrieben - was Wetten auf heisse Übernahmekandidaten auch nicht einfacher macht.

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Gestern Nachmittag winkte die europäische Wettbewerbsbehörde den Zusammenschluss der beiden amerikanischen Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont unter Auflagen durch. Auch den beiden Rivalen Syngenta und ChemChina werde die Behörde in den kommenden Tagen ihren Segen geben, so heisst es.

Erst vor wenigen Tagen hat ein Geschäftsleitungsmitglied einer nahestehenden juristischen Person 2'850 der in New York gehandelten Aktien von Syngenta im Gegenwert von umgerechnet knapp 250'000 Franken erworben. Das kann zumindest einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden.

Die Syngenta-Aktien (rot) im Vergleich mit den in New York gehandelten ADRs (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Diese Transaktion hat gleich in zweifacher Hinsicht Signalwirkung. Zum einen scheint der im Umfeld von ChemChina vermutete Käufer vom baldigen Zustandekommen des milliardenschweren Firmenkauf überzeugt und zum anderen nutzt er den leichten Bewertungsabschlag der in New York gehandelten Aktien. Die dortigen Leerverkäufer seien folglich gewarnt...

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