Fällt die Gold-Unze auf 960 Dollar?

Kepler Cheuvreux sieht die Gold-Unze auf unter 1000 Dollar fallen - In diesem Sektor steigt die nächste Übernahme-Party - Und: Folgen des geplanten Börsengangs der Hörgerätesparte von Siemens für Sonova.
07.05.2014 12:30
cash Insider

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Nirgendwo sonst liefern sich Haussiers und Baissiers auch nur im Ansatz einen vergleichbaren Schlagabtausch wie an den Edelmetallmärkten. Besonders hart umkämpft ist derzeit vor allem das Gold.

Mit dem Entscheid, das Rückkaufprogramm für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken auf monatlich 45 Milliarden Dollar zu kürzen, versetzte die US-Notenbank die Haussiers mal schnell in Erklärungsnot. Ist er doch ein klares Bekenntnis der Entscheidungsträger, was die Verfassung der heimischen Wirtschaft anbetrifft. Von der Angst vor einer weiteren Eskalation in der Ukraine gestärkt, liess sich der Vorstoss der Baissiers allerdings ohne grössere Anstrengungen vereiteln.

Darf man den Aussagen des Charttechnikers von Kepler Cheuvreux Glauben schenken, dann sollten die Haussiers nicht voreilig die Korken knallen lassen. Das Edelmetall habe die jüngste Erholungsbewegung nahezu abgeschlossen und stehe unmittelbar vor der Wiederaufnahme des seit den Höchstständen vom August 2011 entstandenen Abwärtstrends. In einem ersten Schritt rechnet der Experte beim Gold mit einem Rückschlag in die Region von 1‘185 bis 1‘200 Dollar je Unze. Diese Schwächephase könne sich bis weit in den Mai hineinziehen.

Nach dem Aufwärtszyklus der Jahre 2000 bis und mit 2011 befinde sich das Edelmetall mittlerweile in einem Abwärtszyklus. Nach einer ersten Distributionsphase im vergangenen Jahr und einer weiteren solchen Periode in diesem Frühjahr fühle er sich in seiner negativen Haltung bestärkt, so der Experte. Er rechne auf längere Sicht erst in der Region von 960 bis 1‘000 Dollar je Unze mit einer Bodenbildung.

Weshalb der für Kepler Cheuvreux tätige Charttechniker dem Gold einen Rückschlag auf den Stand vor der Geburtsstunde des von der US-Notenbank ins Leben gerufenen Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken vorhersagt, liegt zwar auf der Hand. Noch scheinen die Baissiers den Kampf mit den Haussiers allerdings nicht für sich entschieden zu haben.

Zumindest sorgt der Einkaufsmanager-Index vom April für Wasser auf die Mühlen letzterer. Einem Kommentar aus dem Handel von Stifel Nicolaus entnehme ich nämlich, dass der Unterindex für die Erfassung der Rohstoffkosten gegenüber dem Vormonat stark gestiegen ist. Sollte sich diese Beobachtung im Rahmen der nächsten Erhebung erhärten, werden viele Experten bei ihren Inflationserwartungen über die Bücher gehen müssen.

Im Kommentar verweisen die Verfasser zudem auf die neusten Edelmetallstatistiken. Diesen zufolge sind die spekulativen Hausseengagements auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar gefallen. Für gewöhnlich eignen sich die Statistiken als zuverlässigen Gegenindikator. Und auch vom Aktienindex amerikanischer Gold- und Silberproduzenten gehen derzeit keine negativen Divergenzen aus.

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Es ist beeindruckend, mit was für einer Geschwindigkeit das Übernahmekarussell seit wenigen Wochen dreht. Beinahe täglich werden wieder neue Milliardentransaktionen bekanntgegeben. Mittlerweile übersteigt ihr Gegenwert seit Jahresbeginn weltweit 1‘000 Milliarden Dollar.

Ein Grossteil der Transaktionen ist dem Gesundheitssektor zurechenbar, wo weitere Grossübernahmen im Gespräch sind. Ähnliches ist übrigens auch in der Investitionsgüterindustrie zu beobachten.

Ruhig war es bisher im Chemiesektor. Das überrascht, gilt die Branche doch noch immer als stark fragmentiert. Ausserdem sorgen Anbieter aus den Schwellenländern für einen immer intensiveren Wettbewerb. Nicht zuletzt deshalb werden schon seit Jahren immer wieder Übernahmespekulationen wach.

In einer mir aus dem angelsächsischen Raum zugespielten Sektorenstudie sagt JP Morgan im weiteren Jahresverlauf eine deutliche Belebung der Übernahmetätigkeit vorher. Letztere werde sich voraussichtlich bis weit ins kommende Jahr hineinziehen.

Potenzielle Übernahmeziele seien Unternehmen mit attraktiven Technologien oder einer starken Stellung in Nischenmärkten wie Clariant, Croda, Johnson Matthey, Elementis, Umicore oder Victrex.

Kaufkräftige Interessenten gebe es genügend. In Europa verfüge vor allem BASF über Raum für Übernahmen von bis zu 25 Milliarden Euro, gefolgt von Evonik mit 9 Milliarden Euro und Yara mit umgerechnet 7 Milliarden Euro. In den USA nennt der Experte LyondellBasell mit 26 Milliarden Dollar und Dow Chemicals mit 14 Milliarden Dollar als potente Käufer.

Alle diese Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie haben ihre Hausaufgaben auf der Kostenseite bereits gemacht und können nur noch mittels einer transformatorischen Grossübernahme Aktionärswerte schaffen. An dieser Stelle sei allerdings gesagt, dass Grossübernahmen im Chemiesektor nicht selten die letzte Phase einer Aktienhausse einläuten.

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Die Namenaktien von Sonova liegen am Mittwoch über weite Strecken im Angebot. Dass sich das deutsche Industriekonglomerat Siemens der eigenen Hörgerätesparte mittels einer Publikumsöffnung entledigen will, wirft bisher weder im Berufshandel, noch in Analystenkreisen grössere Wellen.

In einem Kommentar nennt der für die Credit Suisse tätige Medizinaltechnikanalyst mögliche Folgen für die übrigen Hörgerätehersteller. Gelingt der Börsengang, rechnet der Experte mit einer leichten Verschärfung des Wettbewerbs. Gleichzeitig würden andere Mitbewerber allerdings deutlich tiefere Einblicke ins Innenleben der weltweiten Nummer drei erhalten.

Es sei allerdings nicht auszuschliessen, dass der Börsengang bei Siemens letztendlich in einen Verkauf der Hörgerätesparte an einen Rivalen münde. Ein Käufer könne sich so substanzielle Umsatz- und Kostensynergien sichern. Darüber hinaus verfüge die Siemens-Tochter über ein starkes Standbein in den Schwellenländern, insbesondere in China.

Welche Hörgerätehersteller an diesen Geschäftsaktivitäten interessiert sein könnten, schreibt der Experte allerdings nicht.