Gegen Martin Ebner wetten kann Geld kosten

Der cash Insider mit den Hintergründen zu den grossen Wetten ausländischer Baissiers gegen eine Schlüsselbeteiligung des bekannten Financiers Martin Ebner und weitere Schweizer Nebenwerte.
02.07.2015 12:30
cash Insider
Gegen Martin Ebner wetten kann Geld kosten

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Alleine schon der Name Martin Ebner liess Anfang der Neunzigerjahre selbst die Führungsetagen grosser Schweizer Weltkonzerne in Ehrfurcht erzittern. Über seine dem breiten Publikum zugänglichen "Visionen" scharte er zehntausende Kleinanleger hinter sich. Mit deren Milliarden im Rücken stieg der Financier zum gefürchteten Grossaktionär und Firmenschreck auf.

Wie das Leben so spielt: Ebner wollte immer mehr, weshalb in seinen Beteiligungsgefässen vermehrt Fremdkapital zum Einsatz kam. Das brach dem Financier letztendlich aber das Genick. Er musste seine "Visionen" an die kreditgebenden Banken zwangsverkaufen.

Nach einer längeren Pause meldete sich Ebner vor wenigen Jahren still und leise zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Rosmarie nistete er sich über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex gleich bei mehreren mittelständischen Unternehmen ein.

Obschon Ebner anders als in den Neunzigerjahren nicht mehr die Öffentlichkeit sucht, muss er sich der Schweizer Börse SIX gegenüber beim Durchschreiten meldepflichtiger Schwellenwerte zu erkennen geben. Und wie in alten Tagen wird der Financier von einer ganzen Herde von Trittbrettfahrern begleitet.

Die mit Abstand grösste Beteiligung von Patinex ist Galenica. Fast auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass Ebner mit damals 3,2 Prozent beim Berner Pharmaunternehmen eingestiegen ist. Seither haben der Financier und seine Frau das Aktienpaket kontinuierlich ausgebaut. Zuletzt kontrollierte das Ehepaar Ebner 18,4 Prozent der Stimmen, davon 16,4 Prozent direkt über die Namenaktien.

Was den Einstandskurs anbetrifft, so lässt sich nur spekulieren. Im Berufshandel wird hinter vorgehaltener Hand allerdings ein Betrag von 650 Franken herumgereicht. Gestern Nachmittag kletterten die Papiere erstmals in der Firmengeschichte auf über 1000 Franken. Mit anderen Worten: Anders als die vorwiegend ausländischen Baissiers haben die Ebners mit Galenica in den letzten Jahren gutes Geld verdient.

Das traditionsreiche Unternehmen ist bei Analysten allerdings nicht unumstritten. Gerade in angelsächsischen Bankenkreisen wird die Nachhaltigkeit der Ertragsentwicklung der letzten Jahre in Frage gestellt und die Aktie zum Verkauf empfohlen.

Deshalb überrascht nicht, dass Galenica die mir gestern zugespielte Rangliste der am häufigsten leerverkauften Schweizer Aktien unangefochten anführt. Den Statistiken zufolge laufen Wetten im Umfang von 34 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen Galenica. Zum Vergleich: Noch Mitte November waren es nur 9,7 Prozent. Die Baissiers müssten nicht weniger als zwanzig durchschnittliche Tagesvolumen aufkaufen, um diese Wetten einzudecken. Je höher der Aktienkurs klettert, desto stärker nimmt der Druck zu, das Handtuch zu werfen.

Auf die Papiere von Galenica folgen in den Statistiken jene von Meyer Burger. Spätestens nach dem Wiedereinstieg von Generation Investments, einer vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Core geführten Beteiligungsgesellschaft, haben die Baissiers einen schweren Stand. Auch die Hilfe der Banken und ihrer Aktienanalysten dürften sie sich nicht mehr länger sicher sein. Mittlerweile empfehlen nur noch Credit Suisse und Citigroup die Aktien zum Verkauf.

Im Zuge dessen sind die Wetten auf rückläufige Kurse seit Mitte November von 26,9 auf zuletzt 16,5 Prozent aller ausstehenden Aktien geschmolzen. Noch immer bräuchte es 18 durchschnittliche Tagesvolumen, um sämtliche Engagements wieder glattzustellen.

Noch bis vor wenigen Jahren wären Meyer Burger Aufträge im tiefen zweistelligen Millionenbereich keine Pressemitteilung wert gewesen. Dass das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen mittlerweile sogar Aufträge in einstelliger Millionenhöhe offenlegt, sagt einiges aus. Nicht ohne Grund befürchten Credit Suisse und Citigroup eine andauernde Auftragsflaute und eine weitere verwässernde Kapitalerhöhung.

Bei den Aktien von Dufry berichteten mir Händler in den letzten Wochen immer wieder von grösseren Deckungskäufen. Wie den Statistiken zu entnehmen ist, wurden die Baisseengagements innerhalb nur einer Woche von 17 auf 13,3 Prozent reduziert.

Nach zwei millardenschweren Firmenübernahmen in Folge ist der Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen an Flughäfen ziemlich gefordert. Die damit verbundenen Integrationsrisiken sind denn auch nicht von der Hand zu weisen. Darüber hinaus bläst dem Unternehmen in den Schlüsselmärkten Brasilien, Russland und Griechenland ein eiskalter Wind ins Gesicht.

Dennoch ist ermutigend zu sehen, dass die Wetten auf rückläufige Kurse zuletzt eingegrenzt wurden. Zu den gerne leerverkauften Schweizer Nebenwerten zählen der mir zugespielten Rangliste zufolge auch die Aktien von Evolva (11,4 Prozent), Bucher (10,6 Prozent), Sulzer 10,5 Prozent), Arbonia-Forster (9,8 Prozent), Barry Callebaut (9,7 Prozent), Logitech (9 Prozent) sowie jene von Basilea (7,8 Prozent).

 

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