Heissbegehrte Aktien - Analyst sieht AMS auf 100 Franken steigen

Der cash Insider mit den Hintergründen einer aggressiven Kaufempfehlung für die Aktien von AMS - Und: Entgeht den Sika-Familienaktionären eben mal schnell eine Milliarde Franken?
06.04.2017 12:30
cash Insider
Analyst sieht AMS auf 100 Franken steigen
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Gestern war ein denkwürdiger Tag für die Aktionäre von AMS. Die Aktien des Sensorenherstellers kletterten kurzum bis auf 59,60 Franken und damit auf den höchsten Stand in der noch jungen Firmengeschichte. Die bisherige Bestmarke von 59,05 Franken geht in den Frühsommer 2015 zurück. Alleine seit Anfang dieses Jahres hat sich der Börsenwert des Unternehmens dank Produkthoffnungen bei den Grosskunden Samsung und Apple sowie optimistischeren Einschätzungen für die mit Heptagon übernommenen Geschäftsaktivitäten mehr als verdoppelt.

Schon seit Wochen bringt diese für Leerverkäufer toxische Mischung selbige an den Rand der Verzweiflung. Angeblich haben sich viele von ihnen aus den Aktien zurückgezogen. Die letzten verbleibenden Vertreter dieser vom Aussterben bedrohten Spezies versucht nun mit gezielt gestreuten Spekulationen rund um das iPhone 8 Gegensteuer zu geben. Angeblich verzögere sich der Markteintritt des Smartphones, so heisst es.

Die AMS-Aktien (rot) lassen den breiten Markt (grün) weit hinter sich (Quelle: www.cash.ch).

Weiterhin fest im Sattel wähnt sich der für die MainFirst Bank tätige Analyst. Im Hinblick auf die näherrückende Quartalsergebnispräsentation traut er AMS einen Umsatz am oberen Ende der firmeneigenen Zielbandbreite sowie einen vielversprechenden Ausblick zu.

In einem mir zugespielten Kommentar zieht der Analyst das offizielle Kursziel zwar auf gerade mal 57 (bisher 51) Franken nach (gestriger Schlusskurs: 58,55 Franken). Dass er die Aktien weiterhin mit "Outperform" zum Kauf empfiehlt, hat allerdings seinen Grund: Dank der starken Stellung im Bereich der 3D-Sensorenerfassung traut er diesen über die kommenden zwölf Monate gegebenenfalls sogar einen Vorstoss auf 100 Franken zu.

Die Geschäftsentwicklung des Sensorenherstellers dürfte die Talsohle im vergangenen ersten Quartal zweifelsohne durchschritten haben. Mir kommt auf die Schnelle an der Schweizer Börse SIX aber keine andere auch nur annähernd so heiss gelaufene Aktie wie jene von AMS in den Sinn. Noch ist das Unternehmen den Beweis schuldig, dass das Tagesgeschäft in einem die Kursverdoppelung der letzten Monate rechtfertigenden Ausmass angezogen hat.

***

Die französische Saint-Gobain macht von ihrem Recht Gebrauch und verlängert die Kaufvereinbarung für die Kontrollmehrheit der Schenker-Winkler-Holding (SWH) an Sika bis Ende Dezember. Das ist auch nötig, stemmen sich die Firmenvertreter aus der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat des Baustoffherstellers aus der Zentralschweiz doch mit aller Kraft gegen das Vorhaben. Die Unterstützung der Publikumsaktionäre ist ihnen gewiss. Denn auch sie haben bei dieser milliardenschweren Transaktion das Nachsehen.

Die Beharrlichkeit der Franzosen ist genauso beeindruckend wie verständlich. Heute müssten sie für das besagte Aktienpaket nämlich um einiges tiefer in die Tasche greifen. Ob sich Beharrlichkeit auch für Saint-Gobain bezahlt macht, wird sich zeigen müssen.

Kräftig Salz in die Wunden der Familienaktionäre bei SWH streut heute der für Alliance Bernstein tätige Analyst. Nachdem sich der Kurs der Inhaberaktien zuletzt der rechnerischen Parität des vorliegenden Barangebots für die stimmengewaltigeren Namenaktien bis auf wenige Prozent angenähert hat, hält er dieses zusehends für unattraktiv.

Für jede 100 Franken, um die die Inhaberpapiere über die Parität von 6313 Franken hinaus steige, entgehen den verkaufswilligen Familienaktionären seines Erachtens 50 Millionen Franken. Würde Sika heute mit einer Übernahmeprämie von 30 Prozent verkauft, entginge ihnen eben mal schnell eine Milliarde Franken.

Die Sika-Aktien versuchen sich bei Kursen über 6000 Franken einzupendeln (Quelle: www.cash.ch).

Ganz so uneigennützig wie es den Anschein macht, ist der Analyst allerdings nicht. Er empfiehlt die Aktien schon eine gefühlte Ewigkeit mit "Outperform" zum Kauf. Erst vor wenigen Wochen sagte er ihnen sogar einen Anstieg auf 10'000 Franken voraus (siehe Kolumnen vom 13. und vom 23. März).

Am kommenden Dienstag legt Sika die Umsatzzahlen für die ersten drei Monate vor. Analysten trauen dem Unternehmen ein hohes einstelliges Wachstum in Lokalwährungen zu. Von einem solchen Wachstumstempo können Saint-Gobain und andere Rivalen bloss träumen...
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.