Indische Goldnachfrage droht einzubrechen

Erhöhung des Importzolls spricht für tiefere Goldnachfrage aus Indien – US-Broker errechnet bei der UBS einen fairen Aktienkurs von 21 Franken - Und: Trennt sich Logitech von der US-Tochter LifeSize?
23.01.2013 14:00
cash Insider
Indische Goldnachfrage droht einzubrechen
Bild: cash

Eigentlich hätten die Rohstoffmärkte allen Grund in Jubelstimmung zu verfallen, läutete Japan gestern doch die nächste Runde im globalen Abwertungswettlauf ein. Die Bank of Japan erhöhte das mittelfristige Inflationsziel von 1 auf 2 Prozent und kündigte an, das Rückkaufprogramm für Staatsanleihen auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

Dennoch verlief das Handelsgeschehen zumindest bei den Edelmetallen in überraschend ruhigen Bahnen. Zumindest beim Gold lässt sich diese Beobachtung mit der jüngsten Erhöhung des Importzolls in Indien erklären. Überraschend hat sich das indische Handelsministerium zu einer Anhebung des Importzolls von 4 auf 6 Prozent durchgerungen. Darüber hinaus ist es den Anbietern von Exchange-Traded-Funds neu möglich, einen Teil des physischen Golds bei Banken zu verwahren.

Aufgrund von aggressiven Goldimporten hatte Indien in den letzten Jahren mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit zu kämpfen. Schon vor Jahresfrist wurde der Importzoll deshalb auf 4 Prozent verdoppelt. Die indische Regierung scheint sich diesem Problem nun aber noch intensiver anzunehmen.

Einem Kommentar der Commerzbank entnehme ich, dass die Verdoppelung des Importzolls im vergangenen Jahr zu einem Rückgang der Goldimporte um 25 Prozent geführt hat. Nach der jüngsten Erhöhung rechne der Verband der indischen Schmuckhersteller nun auch für dieses Jahr mit einem Rückgang der Goldnachfrage und damit der -importe um 15 bis 20 Prozent. Die Bombay Bullion Association hingegen erachte die Erhöhung für zu gering, um Auswirkungen auf die Goldimporte zu haben.

In den letzten Tagen kletterte das Gold vorübergehend in die Nähe von 1700 Dollar die Unze. Aus charttechnischer Sicht könnte schon in den nächsten Tagen eine erste Weiche gestellt werden. Bricht das Edelmetall über diese Widerstandsmarke aus, ist ein rascher Vorstoss in die Region von 1780 bis 1800 Dollar je Unze wahrscheinlich. Erweist sich die Marke hingegen als unüberwindbar, droht ein Rückschlag in die Region von 1650 Dollar die Unze.

Ich bleibe bei meiner Prognose, dass der Aufwärtstrend erst im Falle eines Ausbruchs über die psychologisch wichtige Marke von 1800 Dollar die Unze wieder aufgenommen wird. Bis dahin dürfte sich das Gold unverändert in einem Handelsband zwischen 1650 und 1800 Dollar je Unze bewegen.

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Schon seit Wochen stehen die Namenaktien der UBS hierzulande im Schatten jener der Credit Suisse. Die Gründe für den Favoritenwechsel liegen auf der Hand: Anders als die Erzrivalin profitiert die UBS nach der strategischen Abkehr vom Investment Banking weniger stark von den zuletzt deutlich freundlicheren Rahmenbedingungen im Bankensektor.

In einer Studie zum weltweiten Wealth Management zählt JP Morgan die Aktien der Schweizer Grossbank dennoch immer zu den Branchenfavoriten. Der Studienverfasser hält diesen Geschäftsbereich nicht nur bei der UBS für stark unterbewertet. Unter Miteinbezug des Wealth Management Americas sei das Unternehmen mit einem Anteil von 9,1 Prozent der verwalteten Vermögen allerdings unangefochtener Weltmarktführer in diesem stark fragmentierten Bereich.

Der fiel beachtete Experte von JP Morgan stuft die Aktien der UBS deshalb unverändert mit «Overweight» ein. Nach auf das Wealth Management bezogenen Anpassungen im Bewertungsmodell lautet das Kursziel neu 21 (16) Franken.

Nach einer anfänglichen Neubeurteilung und -bewertung nimmt der Markt seit wenigen Wochen eine eher abwartende Haltung ein. Die Schweizer Grossbank muss nun erst einmal beweisen, dass sie den strategischen Kurswechsel auch konsequent umsetzen kann. In meinen Augen sind die geplanten Massnahmen jedoch glaubwürdig, weshalb ich die Aktien der UBS Ende Dezember in meine diesjährigen Aktienfavoriten aufgenommen habe.

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Die Namenaktien von Logitech reagieren am frühen Mittwochnachmittag mit einem Kurssprung auf die am Vorabend angekündigten Wertberichtigungen auf dem für LifeSize aktivierten Goodwill.

Überraschend sind weder die Wertberichtigungen noch ihr Umfang von 211 Millionen Dollar als vielmehr der Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe. Denn morgen wird der Westschweizer Hersteller von Peripheriegeräten das Ergebnis für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2012/13 vorlegen. Für gewöhnlich sind solche Meldungen Bestandteil der Ergebnisveröffentlichung.

Dass Logitech den Markt nun aber schon einen Tag früher von den Wertberichtigungen in Kenntnis setzt, weckt Spekulationen, wonach die Westschweizer morgen zu einem strategischen Rundumschlag ausholen könnten. Neben einem Verkauf der beiden wenig profitablen Bereiche Video und Gaming zeichnet sich mittlerweile auch ein Ausstieg aus dem Diversifikationsabenteuer mit der US-Tochter LifeSize ab. Zumindest lassen dies die heute bekannt gegebenen Wertberichtigungen vermuten.

Ich rechne morgen mit einem eher enttäuschenden Ergebnisausweis für das zurückliegende Weihnachtsquartal. Ausserdem halte ich es für möglich, dass sich der neue CEO Bracken Darrell anlässlich der Analystenkonferenz eher zurückhaltend in Bezug auf die Erreichbarkeit der Gesamtjahresprognosen äussern wird. Mit einem noch einmal höheren Aktienkurs ist morgen wohl nur dann zu rechnen, wenn Logitech glaubwürdige strategische Massnahmen präsentieren kann.