Jagd auf zurückgebliebene Aktien hat begonnen

Für Julius Bär tätige Charttechnikexperten setzen auch in der Schweiz auf zurückgebliebene Aktien - Und: Welches Schweizer Unternehmen punktet als nächstes mit einem klugen Firmenkauf?
23.12.2016 12:30
cash Insider
Jagd auf zurückgebliebene Aktien hat begonnen
Bild: fotolia.com

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Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest im Beisein ihrer Liebsten.

Die nächste Kolumne erscheint feiertagsbedingt am Dienstag, 27. Dezember 2017, wie gewohnt um 12:30 Uhr.

Herzlichst,

Der cash Insider

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Verhält es sich wie in früheren Jahren, werden die Karten auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt über die kommenden Wochen neu gemischt. Wer in dieser Phase eine gute Nase beweist und auf die richtigen Aktien setzt, kann sehr viel Geld verdienen. Schliesslich sagt die Kursentwicklung vergangener Tage nicht zwingend auch etwas über die zukünftige Kursentwicklung aus. Patentrezept gibt es allerdings keines.

Mut beweisen die Charttechnikexperten von Julius Bär. In ihrer wöchentlich erscheinenden "Technical Investment Strategie" blasen die Autoren zur Jagd auf zurückgebliebene Aktien. Ihres Erachtens bieten die auf den Jahreswechsel hin zu beobachtenden Bereinigungstransaktionen bei der einen oder anderen Aktie günstige Einstiegsgelegenheiten, ein etwas längerer Anlagehorizont vorausgesetzt.

Unter den 20 in diesem Zusammenhang von der Zürcher Traditionsbank genannten Aktien sind mit Novartis, Roche und UBS nur gerade drei Vertreter aus der Schweiz zu finden. Das überrascht, hatten ihre Charttechnikexperten den Swiss Market Index (SMI) doch erst kürzlich von  "Neutral" auf "Bullish" heraufgestuft.

Die Valoren von Novartis (grün), Roche (violett) und UBS (orange) hinken dem SPI (rot) hinterher; Quelle: www.cash.ch

Seit knapp zwei Wochen wird Novartis gerüchteweise ein Interesse an Stada nachgesagt. Kommen die Basler beim deutschen Arzneimittelhersteller zum Zug, könnte das weitere Veränderungen im Firmenportfolio nach sich ziehen. Ich denke da beispielsweise an die schon seit längerer Zeit zur Disposition stehende Roche-Beteiligung.

Sollte sich Novartis endlich davon trennen, würde das beim Platzrivalen vermutlich nur kurzfristig auf die Kursentwicklung drücken. Ausserdem ist immer noch denkbar, dass sich die Basler dem Vermächtnis aus der Ära des früheren Konzernchefs Daniel Vasella über eine Wandelanleihe entledigt. Die Vorzeichen stehen deshalb auch bei den Valoren von Roche auf Kurserholung.

Noch immer nicht so richtig in die Spur zurückgefunden haben auch die Aktien der UBS. Meines Erachtens werden die Dividendenaussichten der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken eher unterschätzt. Die für Julius Bär tätigen Charttechnikexperten könnten mit ihrer Empfehlung deshalb goldrichtig liegen.

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Was die Spatzen am Hauptsitz von dorma+kaba in Rümlang schon seit Wochen von den Dächern pfeifen (siehe Kolumne vom 21. Oktober), ist seit diesem Mittwoch endlich offiziell: Das Sicherheitstechnikunternehmen übernimmt für umgerechnet knapp 750 Millionen Franken Geschäftsaktivitäten der amerikanischen Stanley Black & Decker.

An der Börse kommt dieser von Analysten als Quantensprung bezeichneter Firmenkauf offensichtlich gut an, steht die Aktie von dorma+kaba zur Stunde doch um gut 7 Prozent höher als am Tag vor dessen Bekanntwerden.

Dass gerade kleinere und mittelgrosse Publikumsgesellschaften mit klugen Übernahmen für eine grundlegende Neubeurteilung ihrer Valoren sorgen können, ist bekannt. Allerdings muss neben strategischen Gesichtspunkten auch der Preis stimmen, ansonsten ist die Börse gnadenlos.

Viele der hiesigen Unternehmen verfügen heute schon über Nettobarmittel oder können zumindest auf nicht beanspruchte Kreditlimiten zurückgreifen. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, bis der nächste kluge Firmenkauf bekannt wird.

Eine günstige Gelegenheit könnte sich OC Oerlikon eröffnen (siehe Kolumne vom 18. August). Nach der Übernahme von Sulzer Metco wartet der Industriekonzern aus Zürich schon eine ganze Weile darauf, sein Kerngeschäft weiter verstärken zu können.

Kursentwicklung der Aktien von OC Oerlikon über die letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Nachdem sich die beiden Industriegashersteller Linde und Praxair nach monatelangen Verhandlungen endlich gefunden haben, rechnen Beobachter damit, dass das Oberflächentechnologiegeschäft von Praxair zum Verkauf kommt. Alleine schon der Synergien wegen gelten die Erfolgsaussichten von OC Oerlikon in Branchenkreisen als gut.

Ergänzende Übernahmen werden übrigens auch dem Milchverarbeiter Emmi, dem Baustoffhersteller Sika sowie dem Winterthurer Traditionsunternehmen Sulzer nachgesagt - allerdings nicht ganz solche in der Grössenordnung wie jüngst bei dorma+kaba.

 

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