Kurstaucher - Welche Schweizer Nebenwerte erwischt es als nächste?

Nach den Kurstauchern bei Kudelski, Emmi und Implenia begibt sich der cash Insider auf die Suche nach weiteren absturzgefährdeten Schweizer Nebenwerten.
25.08.2017 12:30
cash Insider
Welche Schweizer Nebenwerte erwischt es als nächste?
Bild: fotolia.com

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Obwohl die Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis hierzulande gut die Hälfte der Gesamtkapitalisierung beitragen, fristen sie kursmässig seit Jahren ein Mauerblümchen-Dasein. Noch immer spielt die Musik bei uns in den Nebenwerten. Kaum eine Aktie aus der zweiten und dritten Linie, mit welcher sich in den letzten Jahren nicht gutes Geld verdienen liess. Die Flut hebt alle Boote - auch an der Börse.

Mit den steigenden Kursen gehen allerdings auch höhere Erwartungen einher. Und die Börse reagiert nicht gerade zimperlich, wenn Unternehmen diese verfehlen.

Das mussten in den letzten Tagen etwa die Aktionäre von Kudelski, Emmi oder Implenia schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Am heftigsten erwischte es Kudelski. Nach einer enttäuschenden ersten Jahreshälfte sah sich der Cyber-Security-Anbieter aus Lausanne überraschend zu einer Reduktion seiner diesjährigen Zielvorgaben gezwungen. Mit weitreichenden Folgen: Innerhalb weniger Tage büsste das Unternehmen rund 20 Prozent seines Börsenwerts ein.

Auch der Innerschweizer Milchverarbeiter Emmi wartete mit vorsichtigeren Aussagen zur diesjährigen Umsatzentwicklung auf und wurde am Tag der Halbjahresergebnispräsentation zeitweise mit prozentual zweistelligen Kursverlusten abgestraft. Ähnlich erging es Implenia. Der in den letzten Jahren erfolgreiche Baukonzern verfehlte die Analystenerwartungen in der ersten Jahreshälfte um nicht weniger als 40 Prozent.

Die Kudelski-Aktien vor und nach der Halbjahresergebnispräsentation (Quelle: www.cash.ch)

Bei den Anlegern sorgt diese Häufung von Kurstauchern verständlicherweise für Nervosität. Viele Unternehmen aus der zweiten oder dritten Linie müssen in der zweiten Jahreshälfte unbedingt liefern. Ansonsten droht ihnen dasselbe Schicksal.

Da wäre beispielsweise der Halbleiterhersteller u-blox. Mit seinem heute veröffentlichten Zahlenkranz erfüllt er die Analystenerwartungen zwar knapp. Ausserdem halten die Firmenlenker allen Unkenrufen zum Trotz an ihren Zielvorgaben für dieses Jahr fest (siehe gestrige Kolumne).

Wie gewohnt liegt der Teufel jedoch im Detail. Fragen werfen insbesondere die im Jahresvergleich um 50 Prozent höheren aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten auf. Ohne diesen Bilanzierungs-Kniff wären die Analystenerwartungen wohl klar verfehlt worden - ein beängstigender Trend (siehe auch Kolumne vom 23. August).

Ausserdem liegt den beibehaltenen Jahreszielen ein Dollar-Kurs von 1,02 Franken zugrunde. Aktuell gilt letzterer weniger als 0,97 Franken. Mit anderen Worten: In der zweiten Jahreshälfte muss sich bei u-blox einiges tun. Ansonsten droht den noch immer stolz bewerteten Aktien des einzigen reinen Vertreters des "Internets-der-Dinge" aus der Schweiz Ungemach.

Vorschusslorbeeren erhielten in den letzten Wochen auch die Aktien von OC Oerlikon. Als treibende Kraft hinter dem Kursanstieg erwies sich eine Kaufempfehlung durch den für Vontobel tätigen Analysten. Dieser bezifferte die Summe der einzelnen Unternehmensteile, im Englischen Sum-of-the-Parts genannt, auf 17 Franken je Aktie.

Dem hält heute sein Berufskollege von der MainFirst Bank entgegen. Die Kursentwicklung habe sich vom Tagesgeschäft nach oben abgekoppelt, so lässt er in einer Unternehmensstudie durchblicken. Folglich stuft der Analyst die Valoren von OC Oerlikon von "Neutral" auf "Underperform" herunter und streicht gleichzeitig das Kursziel auf 12,60 (bisher 14) Franken zusammen.

Erst recht fernab der Realität bewegen sich die Aktien des Börsendebütanten Idorsia. Zwar sind die Valoren des Pharmaherstellers aus Allschwil bereits kräftig von ihren Höchstkursen bei 21,40 Franken zurückgefallen. Aufgrund der künstlichen Angebotsverknappung im Zusammenhang mit dem Beteiligungsausbau durch das Gründerehepaar Jean-Paul und Martine Clozel gelten sie aber noch immer als überbewertet.

Kandidaten für einen schmerzhaften Absturz - Thomas Jordan möge mir verzeihen - sind meines Erachtens aber vor allem die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Wer unser Nationalbankengesetz kennt, der weiss, dass dem von einem deutschen Börsenbrief mit aus der Luft gegriffenen Kursprognosen angeheizten und durch deutschsprachige Medien weiter angefachten Nachfragefeuer jegliche fundamentale Grundlage fehlt. In diesem Zusammenhang verweise ich wärmstens auf meine Kolumne vom 21. August.

Die Aktien der SNB sind schon seit Wochen ausser Rand und Band (Quelle: www.cash.ch)

Auch wenn die Börse von Erwartungen lebt - irgendwann müssen Fakten folgen. Ansonsten droht eine für die Anleger schmerzhafte Rückkehr auf den harten Boden der Realität. Im einen oder anderen Fall würde das dann aber wieder Kaufgelegenheiten bieten...

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