Kurszielanpassungen am Laufmeter - Schweizer «König der Aktienkursziele» greift nochmals zum Korrekturstift

Der unangefochtene «Schweizer König der Aktienkursziele» macht vor Jahresende noch einmal von sich reden. Der cash Insider mit den Einzelheiten. - Und: Analyst greift bei Zehnder auf altbewährtes Erfolgsrezept zurück.
28.12.2020 12:30
cash Insider
Schweizer «König der Aktienkursziele» greift nochmals zum Korrekturstift

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Während sich viele seiner Berufskollegen in den Bergen auf den Skipisten tummeln, kommentiert der für Vontobel tätige Stefan Schneider weiterhin fleissig die neusten Entwicklungen. Als Roche kurz vor Heiligabend von der europäischen Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Kombinationstherapie Phesgo erhielt, schrieb der Pharmaanalyst: Mit der Kombination von Perjeta und Herceptin zielt der Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel aus Patientensicht auf die Vereinfachung der Brustkrebsbehandlung ab.

Er beurteilt die Neuigkeiten deshalb zwar als positiv, räumt gleichzeitig jedoch ein, dass dies so erwartet wurde. Folglich hält Schneider an seinen bisherigen Schätzungen fest – genauso wie an seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 420 Franken für die Genussscheine von Roche.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Schneider das Kursziel keine 48 Stunden zuvor im Zuge ermutigender Studienergebnisse zum Augenmedikament Faricimab auf 420 (zuvor 418) Franken erhöht hatte.

Vor wenigen Wochen kürte ich den Pharmaanalysten zum unangefochtenen "König der Aktienkursziele". Und das aus gutem Grund. Nicht weniger als 18 Kurszielanpassungen hatte er bei den Genussscheinen von Roche zwischen Anfang Januar und Ende November vollzogen – sofern ich mich nicht verzählt habe. Das macht die erwähnte Kurszielerhöhung zur neunzehnten Anpassung in diesem Jahr.

Nicht weniger als 19 Mal nahm Vontobel in den letzten 12 Monaten bei Roche eine Kurszielanpassung vor (Quelle: www.cash.ch)

Ich bin neugierig, ob der Vontobel-Analyst seinen Korrekturstift beim Basler Pharma- und Diagnostikkonzern noch ein zwanzigstes Mal zückt, bevor an Silvester die Champagnerkorken knallen.

Und wenn schon nicht bei Roche, dann wenigstens bei Novartis. Waren es bei Novartis vor wenigen Wochen schon beinahe bescheiden anmutende neun Kurszielerhöhungen- oder –reduktionen aus der Feder Schneiders, so sind es mittlerweile deren zehn.

Als ich den Pharmaanalysten damals zum "König der Aktienkursziele" kürte, kommentierte ich:

Kein anderer Berufskollege war im bisherigen Jahresverlauf auch nur annähernd so fleissig. Wenn man ihm etwas nicht vorwerfen kann, dann dass er – anders als viele andere Analysten – der Kursentwicklung der von ihm abgedeckten Valoren von Roche und Novartis chronisch hinterher hinken würde. Manchmal ist weniger jedoch auch mehr.

Ich bin jetzt schon neugierig, ob sich Schneider im nächsten Jahr auf dem Thron halten kann. Meine Vermutung: Ja, er wird sich gegen seine Widersacher durchsetzen können.

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Seit Dienstag letzter Woche brechen die hiesigen Aktienumsätze regelrecht weg. Viele Grossinvestoren haben ihre Bücher feiertagsbedingt geschlossen und sich in die Berge verabschiedet. Im Wissen um die Achterbahnfahrt der Gefühle der vergangenen Monate kann man ihnen das nicht verübeln.

Der für Research Partners tätige Analyst Urs Emminger nutzt die feiertagsbedingte Flaute und stuft die Aktien von Zehnder von "Halten" auf "Kaufen" herauf. Neuerdings beziffert er das Kursziel auf 62 (zuvor 50) Franken.

Emminger reagiert damit auf die kürzlich vom Heizungs- und Lüftungsspezialisten zur Umsatz- und Margenentwicklung gemachten Aussagen. Trotz widrigem konjunkturellem Umfeld habe Zehnder das Magenziel vermutlich bereits erreicht, so der Analyst weiter. Mit wirklich neuen Erkenntnissen wartet er hingegen nicht auf.

Kursentwicklung der Zehnder-Aktien in den letzten Tagen (Quelle: www.cash.ch)

Dennoch verfehlte die Kaufempfehlung ihre Wirkung nicht, schoss der Aktienkurs bei Zehnder doch innerhalb von gerade mal 48 Stunden um fast sieben Prozent nach oben. So viel wie am vergangenen Mittwoch kosteten die Papiere letztmals Ende September 2012.

Mal schauen was geschieht, wenn die Grossinvestoren ab Januar an ihre Arbeitsplätze zurückkehren...

 

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