Novartis, ABB und Co. - Das Gerüchte-Karussell dreht sich auch 2018 kräftig

Der cash Insider über eine verwirrende Studie zu Leonteq und Spekulationen zu Novartis, ABB, Temenos sowie Idorsia.
03.01.2018 12:30
cash Insider
Das Gerüchte-Karussell dreht sich auch 2018 kräftig
Bild: fotolia.com

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Ein Börsengerücht jagt das nächste. So geht es am Schweizer Aktienmarkt schon seit Wochen. Da macht der erste Handelstag im neuen Jahr keine Ausnahme. Nicht weniger als fünf Unternehmen rücken heute ins Zentrum unterschiedlichster Spekulationen.

Eines davon ist Leonteq. Beim Anbieter von strukturierten Produkten seien "bahnbrechende Neuigkeiten" zu erwarten, so verlautet aus dem hiesigen Handel. In welche Richtung diese Neuigkeiten gehen könnten, darüber lässt sich allerdings bloss mutmassen.

Seit dem überraschenden Rücktritt von Mitgründer Jan Schoch und seinem Rückzug aus dem Aktionariat ist Leonteq auf der Suche nach einem neuen Chef. Denn Finanzchef Marco Amato springt nur solange ein, bis ein würdiger Nachfolger gefunden wird.

Auffällige Kursstärke der Leonteq-Aktien rund um den Jahreswechsel (Quelle: www.cash.ch)

Unklar ist auch die zukünftige Rolle der Raiffeisen Gruppe als Ankeraktionärin, nachdem Raiffeisen-Chef Patrick Gisel und sein Vorgänger Pierin Vincenz aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden sind. Obwohl nur mit 7,5 Prozent der Stimmen vertreten, gilt der ehemalige Hedgefonds-Pionier und UBS-Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey als der neue starke Mann bei Leonteq. Grössere Veränderungen im Aktionariat sind alleine schon deshalb nicht auszuschliessen.

Auslöser der Spekulationen - so vermute ich zumindest - dürfte ausgerechnet eine Studie der UBS sein. Darin nimmt der Autor das "Neutral" lautende Anlageurteil sowie das 12-Monats-Kursziel von 52 Franken in Erwartung "eines Grossereignisses" in Überprüfung.

Allerdings lässt sich nicht abschliessend sagen, ob die Studie nun vom 27. Oktober oder vom 27. Dezember stammt. Genannt werden beide Daten, was mich doch etwas stutzig macht.

Auch um Temenos ranken sich Gerüchte. Vor wenigen Wochen wurde dem amerikanischen Softwarehersteller Microsoft und dem japanischen Beteiligungskoloss Softbank schon mal ein Interesse an der Softwareschmiede aus Genf nachgesagt (siehe "Übernahmegerüchte bei Temenos" vom 20. Dezember).

Bietet ein natürlicher Schutz vor ungewollten Übernahmeversuchen: das hohe Kursniveau der Aktien von Temenos (Quelle: www.cash.ch)

Diese Stimmen wollen nicht verstummen, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass sich Anfang Dezember jemand im grossen Stil mit Aktien und Derivaten eingedeckt hatte. Zwar konnte Temenos kurz darauf die brasilianische Itaú Unibanco als Kundin gewinnen. Es dürfte jedoch mehr hinter den damaligen Derivatkäufen stecken...

Ebenfalls hartnäckig halten sich Spekulationen, wonach Novartis sich das britische Partnerunternehmen Vectura einverleiben werde. Mit einem Börsenwert von umgerechnet etwas mehr als einer Milliarde Franken passen die Briten gut ins Beuteschema des Gesundheitskonzerns aus Basel.

Novartis stand in der Altjahreswoche selber im Zentrum von Spekulationen rund um eine geheimnisvolle Kursschwäche jeweils am Nachmittag (siehe "Mysteriöse Nachmittagsschwäche bei den Aktien von Novartis" vom 27. Dezember).

Dass der Grossaktionär Cevian Capital seine Beteiligung an ABB weiter ausbauen könnte, heisst es schon eine ganze Weile. Nun heizt die schwedische Beteiligungsgesellschaft selber diese Spekulationen an. Vertreter von Cevian Capital liessen gegenüber der "Financial Times" durchblicken, dass ein Teil des Erlöses von umgerechnet 2 Milliarden Franken aus dem kürzlich vollzogenen Verkauf des Volvo-Pakets in bestehende Beteiligungen fliessen könnte.

Nach Investor AB mit 10,5 Prozent der Stimmen gilt Cevian Capital mit 5,3 Prozent als der zweitgrösste Aktionär von ABB.

Die Gerüchteküche brodeln lässt auch die jüngste Rekordjagd bei Idorsia. Jean-Paul und Martine Clozel hätten das Aktienpaket zuletzt weiter ausgebaut, so wird gemunkelt. Wie sich der letzten Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnehmen lässt, hält das Ärzte-Ehepaar knapp 25 Prozent am Pharmahersteller aus dem Baselbiet. Die Meldung geht allerdings in den Sommer letzten Jahres zurück.

Einige Beobachter vermuten hinter dem angeblichen Beteiligungsausbau sogar die Errichtung eines Abwehrdispositivs gegen einen unerwünschten Übernahmeversuch aus dem Ausland. Gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Johnson & Johnson liesse sich ein solcher Versuch womöglich schon heute problemlos vereiteln.

Kommt dazu, dass Jean-Paul und Martine Clozel als Mitglieder der Geschäftsleitung unabhängig von den Bestimmungen für bedeutende Aktionäre als Käufer von Titeln zu erkennen geben müssen. Aber vielleicht konnte nach Rudolf Maag ja ein weiterer neuer Investor gewonnen werden...?!

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