Oerlikon, Clariant und Co. - Bei diesen Aktien winken Super-Dividenden

Firmen wie Oerlikon oder Clariant wollen satte Sonder-Dividenden entrichten. Durch das Kursfiasko sind die Renditemöglichkeiten sogar noch gestiegen. - Und: Credit Suisse versucht die Gemüter zu beruhigen.
17.03.2020 12:30
cash Insider
Bei diesen Aktien winken Super-Dividenden
Bild: fotolia.com

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Eine hohe Dividendenrendite verleiht einer Aktie im Normalfall so etwas wie einen natürlichen Schutz vor grösseren Kursrückschlägen. So lautet zumindest die gängige Meinung. Das wiederum erweist sich in diesen Tagen allerdings als fataler Irrglaube. Denn normal ist schon lange nichts mehr.

Selbst dividendenstarke Valoren wie jene von Zurich Insurance Group oder Swiss Life geraten immer stärker unter Verkaufsdruck. Während letztere mittlerweile fast 50 Prozent von den Jahreshöchstkursen trennen, werfen die der Zurich Insurance Group nahezu 8 Prozent Rendite ab. Das können jene der UBS sogar noch toppen. Sie rentieren sogar fast 10 Prozent - vorausgesetzt die grösste Schweizer Bank hält an ihrer Dividendenpolitik fest.

Dass die norwegische Finanzaufsicht FSA die dortigen Banken auffordert, die geplanten Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe zu überdenken, lässt aufhorchen. Wie die Behörde richtig zu bedenken gibt, haben sich die Rahmenbedingungen wegen der Coronavirus-Krise zuletzt spürbar eingetrübt. Vermutlich sieht man das hierzulande bei der Finma nicht viel anders.

Auf der Suche nach Super-Dividenden wird man bei OC Oerlikon und Clariant fündig. Der Industriekonzern OC Oerlikon will den Aktionären schon in wenigen Wochen einen Franken je Aktie ausschütten. Aus heutiger Sicht entspräche das einer Rendite von 18 Prozent. Clariant wiederum will aus dem Verkauf des Geschäfts mit Masterbatches rund 3 Franken je Aktie an die Anteilseigner ausschütten. Das sind satte 20 Prozent. Allerdings fliesst dieses Geld wohl erst im Spätsommer – sofern es sich der Baselbieter Spezialitätenchemiehersteller nicht doch noch anders überlegt.

Denn die aktuelle Nachrichtenlage zwingt erste Unternehmen dazu, ihre Dividendenpläne zu überdenken. Am gestrigen Montag kündigte der Flughafen Zürich an, man wolle die eigene Situation neu überdenken. Ob die Aktionäre noch mit der ursprünglich geplanten Sonderdividende rechnen dürfen, bleibt fraglich.

Kursentwicklung der Aktien von Clariant (rot) und OC Oerlikon (grün) über die letzten zwei Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Auch der Hörgerätehersteller Sonova legt das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm auf Eis. Schliesslich fordern ausserordentliche Situationen auch ausserordentliche Massnahmen.

Eigentlich sollte in wenigen Monaten auch über den Aktionären von ABB ein Geldregen herniederprasseln. Anlässlich der Jahresergebnisveröffentlichung liess der schweizerisch-schwedische Industriekonzern durchblicken, dass der Erlös aus dem Verkauf des Stromnetzgeschäfts - immerhin gut 7 Milliarden Dollar – zwar nicht in eine Sonderdividende, zumindest aber in ein Aktienrückkaufprogramm fliessen soll. Mit rund 3,40 Franken je Aktie entspräche das zu aktuellen Kursen einer rechnerischen Rendite von fast 23 Prozent.

Selbst wenn OC Oerlikon, ABB oder Clariant ihre Kapitalrückführungspläne noch einmal überdenken sollten, haben diese drei Unternehmen etwas gemeinsam: Sie alle verfügen über eine grundsolide Bilanz - und das ist in diesen Tagen sehr viel mehr als bloss ein nettes Nebenbei...

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In einem mir aus London zugespielten Kommentar ist der für die Credit Suisse tätige Chefstratege Andrew Garthwaite sichtlich versucht, die Gemüter zu beruhigen. Noch seien an den Aktienmärkten zwar nicht alle Voraussetzungen für eine baldige Bodenbildung erfüllt, so lässt er seine Anlagekunden wissen. Nichtsdestotrotz geht Garthwaite über die nächsten 12 Monate von höheren Kursen im Umfang von 15 bis 20 Prozent aus. Ob es sich dabei bloss um Zweckoptimismus handelt, bleibe jetzt mal dahingestellt.

Denn noch sind die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise nicht abschätzbar. Was sich sagen lässt ist, dass die Folgen für einige Unternehmen gegebenenfalls sogar zu einer existenziellen Frage werden könnten.

In zwei Punkten muss ich Garthwaite und seinen Mitautoren jedoch beipflichten: Zum einen erlitten die Aktienmärkte in den vergangenen drei Wochen einen etwas gar rasanten und vermutlich übertriebenen Rückschlag. Zum anderen dürfte die Entwicklung der Neuerkrankungen darüber entscheiden, ab wann die Aktienkurse sich wieder erholen. Das war schon bei früheren Pandemien - ich denke da an die Lungenkrankheit Sars oder die Schweinegrippe - so.

Anders als die Aktienstrategen der Credit Suisse gaben sich die Berufskollegen der Erzrivalin UBS in den vergangenen Monaten übrigens um einiges vorsichtiger für die Aktienmärkte. Ich bin deshalb jetzt schon neugierig darauf, wie die UBS-Strategen die momentane Situation einschätzen...

 

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