Rechtzeitig Kasse gemacht - Einige Firmenkapitäne haben gut Lachen

Bei einigen Schweizer Unternehmen haben Geschäftsleitungsmitglieder oder Verwaltungsräte bei den Aktien des Arbeitgebers noch vor den Börsenturbulenzen kräftig Kasse gemacht. Der cash Insider nennt die Firmen beim Namen.
27.12.2018 12:30
cash Insider
Einige Firmenkapitäne haben gut Lachen
Bild: fotolia.com

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Die Börsenturbulenzen haben in den vergangenen Monaten bei so manchem Anleger ein tiefes Loch ins Aktienportfolio gerissen. Und wer auf einen versöhnlichen Dezember hoffte, wurde in diesem Jahr bitter enttäuscht. Es ist, als hätte sich der Weihnachtsmann bei der Jahresendrally in den Vorzeichen geirrt.

Nicht weniger als 7 Prozent hat der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) alleine seit Ende November verloren. Dabei gerieten selbst die Aktien bis anhin beliebter Unternehmen unter die Räder - egal ob Logitech, Vontobel oder Temenos. Selbst jene der Lonza Group - in den letzten Jahren stets weit oben auf der Gewinnerliste - büssten ohne ersichtlichen Grund einfach mal schnell 20 Prozent ein.

Wer nun denkt, dass sich die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder einiger dieser Firmen den Frust über den Kurszerfall mit viel Festtags-Champagner schöntrinken müssen, der könnte irren. Denn wie sich Statistiken der Schweizer Börsenbetreiberin SIX entnehmen lässt, machten nicht wenige rechtzeitig Kasse. Einige warfen gar nahe der Höchstkurse Aktien des eigenen Arbeit- oder Mandatgebers auf den Markt.

Schweizer Meister in dieser Disziplin waren in diesem Jahr die Firmenvertreter von Temenos. Für satte 166 Millionen Franken trennten sie sich zwischen Ende April und Ende August von Aktien der Genfer Softwareschmiede. Die letzten solchen Transaktionen gingen zu Kursen zwischen 158 und 180 Franken über die Bühne. Zum Vergleich: Am vergangenen Freitag kosteten die Aktien noch 113 Franken.

Die letzten Titelverkäufe gehen bei Temenos in den Hochsommer zurück, als die Aktien nahe der Höchstkurse standen (Quelle: www.cash.ch)

Ebenfalls eine gute Nase bewies Bracken Darrell, seines Zeichens Chef des Peripheriegeräteherstellers Logitech. Als sich Anfang August ein oder mehrere Geschäftsleitungsmitglieder von 100'000 Aktien mit einem Marktwert von gut 4,5 Millionen Franken trennten, war zunächst unklar, um wen es sich beim geheimnisvollen Verkäufer handelt. Ein von Logitech selbst bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eingereichtes Formular verriet dann allerdings, dass die Aktien aus dem Bestand Darrells stammten.

In den darauffolgenden Wochen stiessen die Papiere des Peripheriegeräteherstellers zwar noch auf fast 49 Franken vor. Mittlerweile sind sie aber wieder für etwas mehr als 30 Franken zu haben.

Auch bei Lindt & Sprüngli machten Geschäftsleitungsmitglieder im August im grossen Stil Kasse. Dabei wurden Aktien mit einem Verkehrswert von fast 16 Millionen Franken auf den Markt geworfen. Heute erhielte man für dieselben Aktien keine 14 Millionen Franken mehr.

Und darf man Börsenspekulationen Glauben schenken, dann ist die kursseitige Talsohle wohl noch immer nicht erreicht – wird dem traditionsreichen Schokoladeproduzenten doch nachgesagt, dass er an den diesjährigen Wachstumsvorgaben von mindestens 5 Prozent vorbeischrammen könnte.

Noch im Juli standen die Aktien von Vontobel ganz oben in der Gunst der Anleger. Zeitweise kosteten die Papiere der Zürcher Privatbankengruppe mehr als 75 Franken und damit soviel, wie letztmals unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08.

Auch die Geschäftsleitungsmitglieder der Bank Vontobel trennten sich rückblickend zu guten Kursen von Aktien (Quelle: www.cash.ch)

Das nutzten Mitglieder aus der Geschäftsleitung, um sich zwischen Ende Juli und Ende September von Aktien im Gegenwert von mehr als 19 Millionen Franken zu trennen. Ein unmissverständliches Verkaufssignal, wie der seither beobachtete Kurszerfall - wir sprechen hier von einem Minus von fast 30 Prozent - zeigt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Börse selbst für die Aktien erfolgreicher Unternehmen keine Einbahnstrasse ist und eine augenfällige Häufung von Titelverkäufen aus dem Verwaltungsrat oder der Geschäftsleitung eines solchen Unternehmens durchaus Signalwirkung haben kann.

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