Richemont, Nestlé und Co. - Es werden riesige Aktienblöcke verschoben

Der cash Insider berichtet von auffälligen ausserbörslichen Blocktransaktionen und sagt, wer oder was sich dahinter verbergen könnte. - Und: Barclays ungebrochen optimistisch für die Aktienmärkte.
07.03.2019 12:30
cash Insider
Es werden riesige Aktienblöcke verschoben
Bild: fotolia.com

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Der Schweizer Aktienmarkt hat einen Traumstart hingelegt. Am breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) gemessen legten die Kurse alleine in den ersten zehn Wochen dieses Jahres um fast 12 Prozent zu. Das ist fast zweimal so viel wie das Börsenbarometer im langjährigen Durchschnitt das ganze Jahr über zulegt.

Und auch sonst unterscheiden sich die ersten Handelswochen dieses Jahres grundlegend von jenen früherer Jahre. Es kauften nämlich nicht die Fondsmanager und Vermögensverwalter kräftig Aktien zu, sondern neben den Unternehmen über ihre Aktienrückkaufprogramme vor allem die Leerverkäufer - indem sie sich im grossen Stil aus ihren Wetten gegen hiesige Unternehmen zurückzogen.

Doch nicht nur die Leerverkäufer, auch andere mächtige ausländische Grossinvestoren scheinen sich nach der Kurserholung der letzten Wochen neu zu sortieren. Das lassen zumindest die ausserbörslichen Blocktransaktionen der letzten Tage vermuten.

Alleine am gestrigen Mittwoch wechselten 4,1 Millionen Nestlé-Aktien im Gegenwert von knapp 380 Millionen Franken sowie 2,1 Millionen Richemont-Aktien mit einem Verkehrswert von 157 Millionen Franken ausserbörslich die Hand. Grössere Blöcke gingen auch bei den Valoren von Zurich Insurance Group, Credit Suisse oder Swiss Re um.

Die Nestlé-Aktien sind weiterhin in Rekordlaune. (Quelle: cash.ch)

Gerade um den Dividendenabgang herum sind ausserbörsliche Blocktransaktionen zwecks Steuervermeidung - im Fachjargon auch als "Dividendenstripping" bezeichnet - keine Seltenheit. Mit diesem Phänomen lassen sich denn auch die auffälligen Blocktransaktionen in den Genussscheinen von Roche von heute Donnerstag erklären. Alleine seit Handelsbeginn belaufen sich diese Transaktionen bereits auf 220 Millionen Franken.

Anders als bei Roche geht die Dividende bei Nestlé allerdings erst Mitte April, bei Richemont sogar erst kommenden September ab. Sogenanntes "Dividendenstripping" kommt damit als Erklärung nicht in Frage.

Vielmehr gehen die ausserbörslichen Blocktransaktionen wohl auf das Konto grosser Fondsgesellschaften aus dem angelsächsischen Raum. So verlautet zumindest aus Londoner Quellen, wobei es sich bei Richemont und Nestlé um Titelkäufe handeln soll.

Ob sich die Käufer der Schweizer Börse SIX gegenüber im Zuge der Offenlegungsvorschriften zu erkennen geben müssen, bleibt abzuwarten.

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Mitte November lehnten sich die für Barclays tätigen Aktienstrategen um Emmanuel Cau weit aus dem Fenster, als sie den europäischen Aktienmärkten für die darauffolgenden sechs Wochen prozentual zweistellige Kursgewinne vorhersagten.

Was sie damals noch nicht wussten: Es sollte alles ganz anders kommen. Die europäischen Aktienmärkte schmierten im Dezember regelrecht ab. Der viel beachtete Stoxx Europe 600 Index verlor zwischen Mitte November und Ende Dezember fast 7 Prozent, der Swiss Performance Index (SPI) büsste immerhin gut 5 Prozent ein.

Der SPI (rot) lässt den Stoxx Europe 600 Index (grün) über fünf Jahre weit hinter sich zurück. (Quelle: cash.ch)

Allerdings hielten Cau und seine Arbeitskollegen selbst dann noch an ihrer optimistischen Haltung für die europäischen Aktienmärkte fest, als diese in der Altjahreswoche auf ein Mehrjahrestief abtauchten.

Rückblickend wurden sie für diesen Mut fürstlich belohnt. Denn die prozentual zweistelligen Kursgewinne liessen zwar auf sich warten - stellten sich aber in den darauffolgenden Wochen doch noch ein. Der Stoxx Europe 600 Index notiert mittlerweile um 11 Prozent höher als Ende Dezember. Nach der Rekordjagd der letzten Tage errechnet sich beim SPI gar ein Plus von mehr als 12 Prozent.

Wer nun denkt, dass die Aktienstrategen der britischen Barclays zur Realisierung aufgelaufener Gewinne raten, der irrt. Stattdessen nennen sie gleich vier Gründe, die dafür sprechen, an Aktienbeständen festzuhalten.

Die Strategen erachten Aktien in den Kundenportfolios als untervertreten, sehen die amerikanische Notenbank bei einem Rückschlag an den Börsen intervenieren und halten sowohl die Wachstumsängste als auch die geopolitischen Unsicherheiten für übertrieben.

Ob diese Rechnung auch diesmal aufgeht, werden vermutlich schon die kommenden Wochen zeigen.
 

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