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Rezessionsängste liessen die Aktienkurse im Dezember auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt purzeln. Plötzlich war das "böse R-Wort" wieder in aller Munde.

Auch heute noch ist für die Aktienstrategen der französischen Société Générale die Frage nicht ob, sondern vielmehr wann die amerikanische Wirtschaft zumindest in eine milde Rezession einmündet. Ihres Erachtens könnte es schon im nächsten Frühjahr soweit sein und dann auch die europäischen Aktienmärkte in die Tiefe reissen - am breit gefassten Stoxx Europe 600 Index gemessen noch einmal um bis zu 20 Prozent.

Letzteres wiederum deckt sich mit den Ende November gemachten Aussagen. Damals schrieben die Strategen um Roland Kaloyan, dass der Swiss Market Index (SMI) in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf 8000 Punkte fallen werde. Dennoch zählt man den hiesigen Aktienmarkt bei Société Générale bis heute zu den attraktivsten Börsenplätzen in ganz Europa.

In einem Strategiepapier mit dem vielsagenden Titel "Überlebensausrüstung für eine Rezession" reichen die Strategen nun zwei Titellisten nach. Die eine Liste enthält Aktien, die sich in vergangenen Rezessionen vergleichsweise gut hielten. Die andere Liste setzt sich hingegen aus Aktien zusammen, die schmerzhafte Kursverluste zu beklagen hatten.

Eines haben diese Listen gemeinsam: Auf beiden finden sich zahlreiche Aktien aus der Schweiz.

Der dividendenbereinigte SMI (grün) lässt den Stoxx Europe 600 Index (rot) über 12 Monate hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Für widerstandsfähig werden bei der französischen Grossbank die Papiere des Sanitärtechnikkonzerns Geberit, des Aufzugherstellers Schindler, des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, des Rückversicherers Swiss Re sowie jene des Pharmaherstellers Novartis befunden.

Das Gegenteil gilt für die Aktien des Zementherstellers LafargeHolcim, des Versicherungskonzerns Zurich Insurance, des Uhrenherstellers Swatch Group sowie des Sensorenspezialisten AMS.

Auch auf die Frage, wieviel einer möglichen Rezession denn schon eingepreist sei, haben die Strategen eine Antwort: Während die zukünftigen Gewinnerwartungen über die letzten 12 Monate um 9 Prozent gestiegen seien, habe der breit gefasste Stoxx Europe 600 Index gut 12 Prozent eingebüsst. Im Zuge dessen sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,2 auf 12,4 gefallen, so schreiben sie. Im selben Atemzug warnen sie allerdings, dass die Aktienanleger noch immer nicht kapituliert hätten und sehen das Börsenbarometer gegebenenfalls um weitere 20 Prozent fallen.

Man kann sich darüber streiten, ob die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession einmünden wird oder nicht. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es ohne die schuldenfinanzierte Steuererleichterung der Regierung in Washington heute wirtschaftlich wohl anders um die Vereinigten Staaten stehen würde.

Wenn in den kommenden Wochen weitere führende Schweizer Publikumsgesellschaften ihre Jahresergebnisse vorlegen, dürften die harten Zahlenfakten die Aktienkurse nur am Rande bewegen. Vielmehr werden die Marktakteure penibel genau hinhören, was für Adjektive die Firmenlenker bei ihren zukunftsgerichteten Aussagen verwenden werden. Vielleicht lassen sich davon ja erste Erkenntnisse in Bezug auf das Wirtschaftsumfeld gewinnen.

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An Adecco scheiden sich die (Analysten-)Geister wie kaum an einer anderen Aktie aus dem Swiss Market Index (SMI). Denn der Stellenvermittler - am Umsatz gemessen übrigens nicht länger die weltweite Nummer eins vor Randstad - ist vor allem eines: Eine Wette auf ein möglichst freundliches Wirtschaftsumfeld.

Kosteten die Papiere von Adecco vor einem Jahr noch 80 Franken, sind sie mittlerweile für gut 50 Franken zu haben. Die Dividendenrendite liegt bei attraktiven 5 Prozent - sofern das Unternehmen diesbezüglich nicht zurückbuchstabiert.

Kurszerfall der Adecco-Aktien über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Das hält die für die Investmentbank Oddo tätige Analystin Emira Sagaama allerdings nicht von einer dramatischen Kehrtwende ab. In einer 22-seitigen Branchenstudie stuft sie die Aktien von Adecco von "Buy" auf "Reduce" herunter. In Erwartung eines umsatzseitigen Nullwachstums im laufenden Jahr stutzt Sagaama das Kursziel auf 47 (zuvor 60) Franken.

Sollte sich das Wirtschaftsumfeld kräftig eintrüben, hält die Analystin sogar einen Rückschlag auf 33 Franken für möglich. Damit liessen sich die Papiere ohne weiteres auf die Liste der Société Générale mit Aktien setzen, die bei früheren Rezessionen schmerzhafte Kursverluste zu beklagen hatten - und so schliesst sich der Kreis wieder.

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