Schweizer Aktienmarkt - Ist beim SMI das Schlimmste überstanden?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob der Swiss Market Index den Boden endlich gefunden hat - Und: Washington könnte LafargeHolcim als politisches Druckmittel missbrauchen.
02.07.2018 12:30
cash Insider
Ist beim SMI das Schlimmste überstanden?
Bild: fotolia.com

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Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Dem Kursfeuerwerk vom Freitag zum Trotz errechnet sich beim Swiss Market Index (SMI) seit Jahresbeginn ein sattes Minus von 8 Prozent.

Ein nicht zu unterschätzender Belastungsfaktor sind die in den Monaten März und April ausbezahlten Dividenden. Die Dividendenzahlungen aufgerechnet, liegt das Minus noch bei gut 5 Prozent.

Doch auch damit zählt der Schweizer Aktienmarkt zu den schwächsten europäischen Börsenplätzen in diesem Jahr. Seit drei Jahren hinken die Aktienkurse hierzulande nun schon hinter dem bei Vermögensverwaltern beliebten Weltaktienindex her (siehe «Der Vermögenserhalt rückt in den Vordergrund» vom 28. Juni).

Mitte letzter Woche fiel der SMI kurzum auf 8373 Punkte. Man muss bis Februar 2017 zurückgehen, um beim Börsenbarometer auf einen ähnlich tiefen Stand zu stossen.

Das Kursfeuerwerk vom Freitag - es erstreckte sich vor allem über die zuvor arg gebeutelten Indexschwergewichte Roche und Novartis sowie über die Aktien der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse - gibt allerdings Grund zur Hoffnung.

Mittlerweile trennen den SMI denn auch gut 150 Punkte von den Mehrjahrestiefstständen vom vergangenen Mittwoch.

Ob der Boden erreicht und die Talsohle in den letzten Tagen bereits durchschritten wurde, lässt sich vorerst nur schwer abschätzen.

Auffällig ist: Das Börsenbarometer schreibt seit Februar nicht nur laufend neue Mehrjahrestiefststände - auch den Erholungsbewegungen geht immer früher der Atem aus, wie ein Blick auf untenstehende Kursgrafik verrät.

Der SMI mit mehreren tieferen Erholungs- und tieferen Tiefstständen in Folge (Quelle: www.cash.ch)

Galt es am Schweizer Aktienmarkt noch bis vor wenigen Wochen möglichst satte Kursgewinne zu erzielen, rückt neuerdings der Vermögenserhalt in den Vordergrund.

Nicht länger "buy the dip" bestimmt das hiesige Handelsgeschehen, sondern vielmehr "sell the rebound". Mit anderen Worten: Nutzten mächtige Grossinvestoren bis vor wenigen Monaten gar die kleinste Kursschwäche zum Zukauf von Aktien, stossen sie seither an starken Tagen Aktien ab.

Wichtige Impulse erhoffe ich mir, sollte der SMI über das Zwischenhoch von Mitte Juni bei 8700 Punkten zurückfinden. Von einer nachhaltigeren Stimmungsaufhellung ist aber frühestens bei einer Rückkehr auf über 9060 Punkte auszugehen. Davon trennen das Börsenbarometer noch immer fast 500 Punkte.

Interessant ist, dass die Aktien der UBS - anders als jene der Credit Suisse - vergangene Woche keine neuen Jahrestiefstkurse mehr geschrieben haben. Zeichnen sich da etwa sogenannte positive Divergenzen ab? Nicht zum ersten Mal würden die Valoren der beiden Schweizer Grossbanken damit einen Boden beim SMI vorwegnehmen. So wenig ich von den Aktien von UBS und Credit Suisse auch zu Anlagezwecken halte, so gut eignen sie sich als zuverlässige Frühindikatoren für den Schweizer Aktienmarkt.

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Die Vergangenheit holt LafargeHolcim ein. Besser gesagt die Vergangenheit der Vorgängerfirma Lafarge. Ihr legen die französischen Behörden nichts Geringeres als die Mitfinanzierung terroristischer Aktivitäten in Syrien zur Last.

Das Verfahren in Frankreich dürfte dabei noch das geringste Übel sein. Denn angeblich ermittelt neben dem amerikanischen Justizministerium auch das FBI gegen den Weltmarktführer aus Jona. Und wer schon mit amerikanischen Behörden zu tun hatte, der weiss: Gerade beim Tatbestand der Terrorfinanzierung kennen sie kein Pardon, schon gar kein französisches.

Den Amerikanern scheint in diesen Tagen jedes Mittel probat, im Handelsstreit mit Europa eine Drohkulisse aufzubauen. Dass LafargeHolcim gerade jetzt über die wenig ruhmreiche Vergangenheit in Syrien strauchelt, ist für die Regierung in Washington eine willkommene Steilvorlage - um es mal im Fussballjargon zu sagen.

Die Angst vor einer Busse sitzt bei den Aktien von LafargeHolcim tief (Quelle: www.cash.ch)

Mit einem milliardenschweren Strafgeld gegen den Zementhersteller hätte Washington im Handelsstreit mit Europa ein zusätzliches Druckmittel gegen ein aufmüpfiges Brüssel in der Hand.

Geschätzte 14 Prozent des Jahresumsatzes erzielt LafargeHolcim in den Vereinigten Staaten. Das macht das Unternehmen für Erpressungsversuche aus Übersee verletzbar. Dass mir seit Tagen von aggressiven Leerverkäufen aus dem amerikanischen Raum gegen die Aktien des Weltmarktführers berichtet wird, fügt sich da beinahe wie das fehlende Puzzleteil ins Gesamtbild ein...

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