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Die Stimmung bei den Leerverkäufern sei unterkühlt, so wird mir aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen berichtet. Das erstaunt, sind die Kurse nicht weniger Aktien über die letzten Wochen doch weit unter ihre Höchststände gefallen.

Anders als in New York oder im umliegenden europäischen Ausland können sich die Leerverkäufer bei uns am Schweizer Aktienmarkt unter dem Deckmantel der Anonymität bewegen. Sie müssen sich nur dann zu erkennen gegeben, wenn sie die im hiesigen Börsengesetz definierten Beteiligungsschwellen - sprich die 3-Prozent-Hürde - überschreiten.

Ich fordere von der Schweizer Börse SIX deshalb schon seit einer gefühlten Ewigkeit eine Leerverkaufs-Statistik nach amerikanischem Vorbild (siehe "Hat wirklich ein Hedgefonds Schuld am SMI-Rückschlag" vom 21. Februar vom oder "Leerverkäufer im Stimmungstief" vom 12. Februar).

Einen interessanten Informationsfetzen entnehme ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank. Wie der Autor darin auf bankeigene Erhebungen abgestützt schreibt, sind die Aktien von Swisscom bei den Vertretern aus dem Swiss Market Index (SMI) das beliebteste Ziel der Leerverkäufer.

Mit konkreten Zahlen wartet er nicht auf. Eine Anfrage meinerseits wurde von der MainFirst Bank freundlich aber entschieden zurückgewiesen. Verständlich, wollen die Interessen der zahlenden Kundschaft doch gewahrt werden.

Kursentwicklung der Swisscom-Aktien (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Wie Händler bei anderen Banken mir gegenüber durchblicken lassen, wird zur Zeit mit jeder zehnten Aktie des Telekommunikationskonzerns aus Bern auf rückläufige Kurse spekuliert. Angesichts der Dominanz der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Aktionariat - sie hält gut 50 Prozent der Stimmen - hiesse das, dass sogar jede fünfte sich im Publikum befindliche Aktie leerverkauft ist.

Über die Beweggründe dieser Wetten lassen sich bestenfalls Mutmassungen anstellen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein Grossteil davon auf sogenannte "Pair-Trades" zurückzuführen ist. Dabei werden die Aktien eines Unternehmens leerverkauft. Der Verkaufserlös fliesst dann in jene eines ähnlich gelagerten Rivalen mit attraktiveren Aussichten oder einer höheren Dividendenrendite.

Das Beruhigende: Irgendwann müssen die "Pair-Trades" wieder rückgängig gemacht und die zuvor leerverkauften Aktien wieder zurückerworben werden.

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Geraten - wie in den letzten Wochen - die Kurse ins Rutschen, zieht dies die Aktien führender Vermögensverwalter für gewöhnlich besonders arg in Mitleidenschaft.

Selbst die Valoren der gut geölten Wachstumsmaschine Julius Bär trennen mittlerweile fast 10 Prozent von den Höchstkursen von Anfang Februar bei gut 65 Franken. Verständlich, dass die Kombination aus rückläufigen Aktien- und Anleihenkursen und dem schwachen Dollar Ergebnisängste weckt.

Klare Worte findet ausgerechnet der für die UBS tätige Daniele Brupbacher. Seinen Schätzungen zufolge dürften die verwalteten Vermögen bei Julius Bär seit Jahresbeginn in etwa um 2 Prozent geschmolzen sein.

Kursentwicklung der Aktien von Julius Bär über die letzten Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Von Extremjahren wie 2008 - damals brachen mehr als 20 Prozent der verwalteten Vermögen weg - sei die traditionsreiche Zürcher Bank weit entfernt, so lässt Brupbacher durchblicken.

In Erwartung, dass es sich bei den Kursverlusten um eine Korrektur und nicht um eine Trendwende an den Aktienmärkten handelt, sieht er die verwalteten Vermögen im Jahresvergleich um 9 Prozent steigen. Als stützend dürfte sich dabei ein anhaltend starker Neugeldzufluss erweisen.

Selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Trendwende an den Aktienmärkten geht Brupbacher höchstens von einem Rückgang bei den verwalteten Vermögen von 13 Prozent aus. Seine diesjährigen Gewinnschätzungen müsste er dann um gut 20 Prozent zusammenstreichen.

Bei der UBS werden die Aktien von Julius Bär zwar weiterhin nur mit "Neutral" eingestuft. Die Grossbank sieht sie über die kommenden 12 Monate allerdings auf 66 Franken steigen.

Dass Brupbacher das aktuelle Kursniveau als attraktiver als auch schon beurteilt, kommt einer unterschwelligen Kaufempfehlung nahe.

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