Steigen die Aktienkurse noch bis 2017?

Der cash Insider sagt, welcher Aktienstratege seine bisweilen pessimistische Haltung überdenkt hat und nennt die eigentlichen Gründe für die jüngste Rekordjagd am Schweizer Aktienmarkt.
14.01.2015 12:30
cash Insider
Steigen die Aktienkurse noch bis 2017?

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Dem Höhenflug des Schweizer Aktienmarktes ist auch im neuen Jahr nicht beizukommen. Schon seit Tagen hangelt sich unser Swiss Performance Index (SPI) wieder von einem Rekord zum nächsten, was die Baissiers immer mehr an den Rand der Verzweiflung bringt.

Statistiken belegen, dass diese gerade bei den Aktien grosskapitalisierter Unternehmen reihenweise das Handtuch werfen und ihre Wetten auf rückläufige Kurse panikartig schliessen. Insbesondere bei erklärten Börsenlieblingen wie Geberit, Givaudan oder Novartis ist der Leidensdruck mittlerweile gross. Doch selbst bei Unternehmen wie Roche wagen sich die Baissiers nicht so recht hinter dem Ofen hervor, obschon die produktseitigen Rückschläge der vergangenen zwei Wochen die Valoren des Basler Traditionsunternehmens durchaus verletzbar machen.

Nun beginnen auch noch die letzten pessimistischen Aktienstrategen zu kapitulieren. Jüngstes Beispiel ist der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Experte. Über die letzten Monate warnte er immer wieder eindringlich vor Rückschlägen an der amerikanischen Leitbörse sowie vor möglichen Folgen für die hiesigen Aktien.

In einer Spezialausgabe relativiert der Aktienstratege seine pessimistische Haltung. Noch schwenkt er zwar nicht völlig auf die Linie seiner zuversichtlichen Berufskollegen ein, warnt der Experte doch vor einem schwierigen ersten Quartal. Sei dieses erst einmal ausgestanden, stehe einer Fortsetzung der Aktienhausse bis ins Jahr 2017 nichts mehr im Wege.

Überraschenderweise sind die Argumente für diese geradezu euphorische Prognose dieselben wie jene für die bisweilen pessimistische Haltung bei Kepler Cheuvreux: Der Druck auf die Preisentwicklung und die in diesem Zusammenhang zu erwartenden zins- und geldpolitischen Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Anders als in den letzten Monaten hebt der für das Cross Asset Research tätige Aktienstratege in diesem Zusammenhang neu die auf Jahre hinaus tiefen Kapitalkosten sowie die fehlenden Alternativen zu Aktien hervor.

Für die Aktionäre europäischer Firmen hat er zwei weitere gute Nachrichten auf Lager. Der Experte rechnet mit einer Normalisierung bei den Unternehmensgewinnen sowie mit einer Aufholjagd auf die amerikanische Leitbörse.

Die Kombination aus ultralockerer Geldpolitik durch die EZB, schwächerem Euro und tieferen Energiekosten werde nicht nur die Wirtschaft sondern auch die Gewinnentwicklung europäischer Unternehmen beflügeln.

In einem Punkt sind die Argumente des Aktienstrategen jedoch inkonsequent: Er hält eine Ausdehnung des Rückkaufprogramms der EZB für Schuldtitel auf Staatsanleihen für weitestgehend eingepreist und stellt auch gleich noch die Wirksamkeit einer solchen Intervention in Frage.

Mir ist bewusst, dass die ultralockere Zins- und Geldpolitik führender Wirtschaftsnationen gewisse Marktmechanismen ausser Kraft setzt. Nur so ist erklärbar, weshalb sich in den letzten Jahren nicht nur mit Aktien sondern parallel dazu auch mit Anleihen sehr viel Geld verdienen liess. Auch der gleichzeitige Rückschlag an den Rohstoffmärkten will so gar nicht ins Bild passen. Dennoch werden die Marktmechanismen irgendwann wieder zu greifen beginnen.

Für mich gibt es eine einfache Erklärung für die jüngste Rekordjagd an den Aktienmärkten: Im Oktober kündigte die grösste staatliche Pensionskasse in Japan eine Verdoppelung des Anteils in- und ausländischer Aktien auf 50 Prozent an. Alleine schon das Anlagevermögen von umgerechnet 1100 Milliarden Franken macht deutlich, von welcher Tragweite dieser Entscheid für die Aktienmärkte sein dürfte.

Wer die japanische Mentalität kennt, weiss, dass auf diese Worte längst Taten gefolgt sein müssen. Diese Neuausrichtung der Vermögenswerte würde übrigens auch erklären, weshalb die Aktien vieler grosskapitalisierter Unternehmen in den letzten Wochen deutlich besser abgeschnitten haben als jene kleinerer und mittelgrosser Firmen.

Schon im Oktober berichtete ich von grossen ausserbörslichen Blocktransaktionen in defensiven Standardwerten wie Nestlé, Roche und Novartis. Dasselbe Phänomen war auch in den Rückschlag von Anfang Dezember hinein zu beobachten.

Damals vermutete ich die Käufer dieser gewaltigen Aktienpakete im angelsächsischen Raum. Mittlerweile habe ich allerdings eine neue Theorie: Die Japaner stecken dahinter.

Doch was, wenn diese Aktienkäufe schon bald einmal abgeschlossen sind? Wird die Hausse an den Märkten dann zum Selbstläufer – oder droht nicht doch ein substanzieller Rückschlag? Ich bleibe jedenfalls bei meiner Meinung, dass für Aktienanleger über die kommenden 12 Monate ganz klar der Kapitalerhalt im Vordergrund steht.