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Im Grossaktionariat von Alcon gibt sich das Wer-ist-Wer der Finanzindustrie die Klinke in die Hand. Der weltgrösste Vermögensverwalter BlackRock ist ebenso in einem bedeutenden Umfang an der einstigen Novartis-Tochter beteiligt wie die britische Chase Nominee.

Mit an Bord sind aber auch immer noch unzählige Aktionäre des früheren Mutterhauses aus Basel. Einige unter ihnen aus Überzeugung, andere hingegen, weil sie es bis heute verschlafen oder verpasst haben, die ihnen zugeteilten Aktien zu veräussern. Man könnte bei letzteren schon fast ein bisschen von Aktionären "contre coeur" sprechen.

Gestern Mittwoch lud Alcon zum diesjährigen Investorentag – wenn aufgrund der momentanen Infektionslage auch nur virtuell. Dennoch gelang es den Firmenvertretern offensichtlich, die Teilnehmenden aus aller Welt von der Erreichbarkeit der Mittelfristziele zu überzeugen.

Zur Erinnerung: Das schweizerisch-texanische Unternehmen strebt bis 2025 einen Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Dollar. Dabei sollten zwischen 1,8 und 2 Milliarden Dollar als freier Cash Flow hängenbleiben.

Bisher gingen Analysten für 2025 von einem Jahresumsatz von 9,4 Milliarden Dollar und einem freien Cash Flow in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar aus, was auf eine gehörige Portion Skepsis schliessen lässt.

Das wiederum ruft den für Mirabaud Securities tätigen Analysten Olav Zilian auf den Plan. Die Aktien seien zweifelsohne einen zweiten Blick wert, so schreibt er – und rechnet mittelfristig gar mit Kursen von 107 Franken. Gegenüber dem aktuellen Kurs bei gut 65 Franken entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von 65 Prozent.

Da der bekannte Pharmaanalyst die Papiere von Alcon offiziell eigentlich gar nicht abdeckt, kommen seine Aussagen etwas halbherzig daher. Aber wer weiss: Was nicht ist mit der offiziellen Abdeckung, kann ja noch werden?!

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Zumindest für Analysten steht fest: Die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr wann die Aktien von Richemont über das bisherige Rekordhoch hinaus auf über 100 Franken vorstossen können.

Am Montag stufte der viel beachtete Luxusgüteranalyst Luca Solca von Bernstein Research die Papiere des Unternehmens mit Sitz in Genf von "Market Perform" auf "Outperform" herauf. In Erwartung positiver Ergebnisüberraschungen erhöhte er das Kursziel gleich auf 116 (zuvor 90) Franken.

Nur wenige Stunden später meldete sich auch seine Gegenspielerin Ashley Wallace bei Merrill Lynch zu Wort. Sie bekräftigte ihre Kaufempfehlung. Damit sich letztere nach dem guten Lauf der Aktien überhaupt noch rechtfertigen lässt, veranschlagt sie neuerdings sogar ein Kursziel von 120 (zuvor 110) Franken.

Und dann ist da ja noch ein Bericht eines für gewöhnlich gut informierten Branchenkenners, wonach der Luxusgüterriese Kering im Januar mit einer nicht-bindenden Übernahmeofferte an Richemont herangetreten sei. Dieses sei allerdings zurückgewiesen worden, so heisst es.

Was Analysten wie Luca Solca oder Ashley Wallace freuen dürfte, bringt die paar wenigen negativ gestimmten Berufskollegen in arge Erklärungsnot. Unter ihnen der für die französische Investmentbank Oddo tätige Jean Danjou. In einer Stellungnahme an seine Anlagekundschaft lässt er durchblicken, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einem Zusammenschluss von Richemont mit Kering ausgeht. Seines Erachtens nehmen die Kursgewinne der letzten Wochen bei Richemont ein ungebremstes Wachstum im Schmuckgeschäft sowie deutlichen operativen Verbesserungen bei der Tochter Yoox-Net-a-Porter vorweg. Danjou hält deshalb sowohl an seiner "Underperform" lautenden Kaufempfehlung als auch am etwas gar pessimistischen Kursziel von 68 Franken fest.

Der Oddo-Analyst ist beileibe nicht der einzige seiner Berufsgruppe, der sich wegen einer Verkaufsempfehlung rechtfertigen muss. Ich schrieb kürzlich in diesem Zusammenhang:

Seither dürfte der Druck auf diese Analysten eher noch gestiegen sein.

 

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