In einem Markt, der oft von Volatilität und Schlagzeilen geprägt ist, was treibt tatsächlich nachhaltiges Einkommen in Schwellenländern an?
Mit Blick auf die Entwicklung unserer EM-Ertragsaktienstrategie – die wir seit 2012 verwalten – und den jüngsten Meilenstein, dass das neueste Anlagevehikel, das 2024 aufgelegt wurde, ein Vermögen von über einer Milliarde US-Dollar aufweist, geht der leitende Portfoliomanager Matt Williams auf neun Schlüsselfragen ein: die Treiber der Ergebnisse, die beständigen Prinzipien hinter dem Ansatz und die Gründe, warum die Aussichten für Schwellenländer weiterhin überzeugend sind.
Was kennzeichnet Ihren Ansatz bei der Verwaltung einer EM-Ertragsaktienstrategie?
Unser Ausgangspunkt ist einfach: Märkte bewerten die Fundamentaldaten von Unternehmen regelmäßig falsch. Wir wollen diese Diskrepanzen aufdecken, indem wir unsere eigene langfristige Prognose für Cashflows, Gewinne und Renditen erstellen und diese mit den bereits in den Bewertungen enthaltenen Werten vergleichen.
Dieser disziplinierte Ansatz, der auf einer Bottom-up-Analyse und der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen basiert, hat sich als konsequent erwiesen.
Welche Momente oder Themen sind Ihnen im Rückblick am meisten in Erinnerung geblieben?
Die rasante Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz (KI) hat sich zu einem prägenden Thema entwickelt. Anstatt uns ausschließlich auf Unternehmen zu konzentrieren, die KI-Systeme entwickeln, haben wir uns zunehmend auf diejenigen fokussiert, die zur Monetarisierung der Technologie durch reale Anwendungen beitragen – wie beispielsweise Hersteller von Chips für drahtlose Verbindungen, Halbleiterdesigner und Speicherhersteller.
Generell hat sich der Schwellenländersektor als widerstandsfähig erwiesen. Die Anlageklasse legte bis 2025 um 34 % zu und verzeichnete seit Jahresbeginn (Stand Ende April) ein Plus von rund 15 %, selbst vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass die Bewertungen weiterhin attraktiv sind, da Schwellenländer mit einem Abschlag von 40 % gegenüber dem S&P 500 gehandelt werden [1].
Welche Aspekte der Anlagephilosophie sind seit dem Strategiestart unverändert geblieben und warum sind sie nach wie vor relevant?
Unsere Philosophie hat sich nicht geändert. Wir sind überzeugt, dass der Cashflow einer der deutlichsten und zuverlässigsten Indikatoren für die Qualität eines Unternehmens ist. Daher bezeichnen wir unseren Ansatz als „Folge dem Cashflow“. Er hilft uns, Managementargumente zu überprüfen und uns auf Unternehmen mit nachhaltigen Fundamentaldaten zu konzentrieren.
Wir betrachten Erträge zudem als einen entscheidenden und oft übersehenen Bestandteil der Gesamtrendite in Schwellenländern. Diese Anlageklasse hat sich deutlich weiterentwickelt: Mehr als die Hälfte der Schwellenländerunternehmen bieten mittlerweile eine Dividendenrendite von über 3 % [2], und seit 2010 zahlt ein größerer Anteil der Unternehmen in Schwellenländern (heute ca. 87 %) Dividenden als in entwickelten Märkten [3, 4]. Für Anleger bedeutet dies, dass Erträge und Wachstum keine konkurrierenden Ziele darstellen, sondern sich ergänzende Renditetreiber sind.
Wohin hat sich der Ansatz im Zuge der Reifung der Strategie entwickelt?
Die zugrundeliegende Philosophie ist zwar gleich geblieben, doch der Rahmen hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Vor fast zehn Jahren führten wir eine Pod-basierte Struktur ein, um die Verantwortlichkeit zu stärken und die Disziplin bei der Portfoliozusammenstellung zu verbessern.
Dadurch wurde eine formale Ebene der Risikoüberwachung eingeführt. Unterstützt vom Investmentrisiko- und Prozessteam überprüft der Pod regelmäßig Engagements, Korrelationen und makroökonomische Szenarien mithilfe der Erkenntnisse unseres proprietären Aktienrisiko-Tools. Dies gewährleistet einen kontinuierlichen Feedback-Kreislauf zwischen Aktienauswahl und Portfoliozusammenstellung und sorgt gleichzeitig für eine strenge Risikokontrolle.
Welche Schlüsselerkenntnisse lassen sich aus der Verwaltung einer Einkommensstrategie für Schwellenländer in unterschiedlichen Marktumfeldern gewinnen?
Eine zentrale Erkenntnis ist der Wert von Ausgewogenheit. Unser Ansatz kombiniert dividendenstarke Unternehmen mit solchen, die bereits hohe Dividenden ausschütten, anstatt sich auf einen einzigen Anlagestil zu beschränken. Dies trägt zu einem stabileren Renditeprofil über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg bei.
Es wird Phasen mit schwächerer Performance geben – insbesondere dann, wenn Märkte junge Unternehmen ohne Cashflow oder etablierte Unternehmen im strukturellen Niedergang (Value Traps) bevorzugen, die außerhalb unseres Anlageuniversums liegen. Diese Phasen waren jedoch in der Vergangenheit meist nur von kurzer Dauer. Langfristig konzentrieren sich die Märkte wieder stärker auf die Cashflow-Generierung und die Fundamentaldaten – genau hier liegt die Stärke unseres Ansatzes.
Welche Rolle haben die Erträge seit Einführung der Strategie bei der Gestaltung der Rendite und der Widerstandsfähigkeit gespielt?
Die Erträge tragen seit der Einführung der Strategie im Jahr 2012 zur Gesamtperformance bei. Wir streben eine Rendite an, die in der Regel über dem Vergleichsindex liegt. Wichtig ist auch, dass die Erträge zu einem gleichmäßigeren Renditeprofil beitragen. Sie können einen Teil der Gesamtrendite ausmachen, während sich längerfristige Anlagen entwickeln. Wir sind überzeugt, dass Unternehmen mit starken Cashflows und disziplinierter Kapitalallokation Erträge generieren, die nachhaltig und nicht zyklisch sind.
Wie setzen Anleger typischerweise EM-Einkommensstrategien in ihren Portfolios ein und hat sich dies im Laufe der Zeit verändert?
Anleger können Schwellenländer-Ertragsaktienstrategien als Kernanlage in Schwellenländerportfolios nutzen und diese durch thematischere oder wachstumsstärkere Satellitenanlagen ergänzen. Dies spiegelt die Nachfrage nach einem ausgewogeneren Renditeprofil in dieser potenziell volatilen Anlageklasse wider.
Es hat sich ein allmählicher Wandel von passiven zu aktiven Anlagen vollzogen. Wir sind überzeugt, dass die Kombination aus Erträgen und Aktienauswahl ein ausgewogeneres Gesamtrenditeprofil bietet, das bei Anlegern Anklang findet, die sowohl Stabilität als auch langfristiges Wachstum anstreben.
Welches Feedback der Investoren fand im Zuge der Weiterentwicklung der Strategie den größten Anklang?
Investoren heben immer wieder die Disziplin und Wiederholbarkeit unseres Ansatzes hervor. Sie schätzen zudem die Größe unserer Research-Plattform mit rund 50 Investmentexperten an sieben Standorten weltweit, die lokale Einblicke und Zugang zu Managementteams ermöglichen.
Die Portfoliostruktur erweist sich als entscheidender Vorteil. Durch die ausgewogene Mischung aus dividendenstarken Unternehmen – deren Dividenden in Schwellenländern seit Anfang der 2000er-Jahre jährlich um etwa 12 % gestiegen sind und damit die Dividenden in entwickelten Märkten übertroffen haben [5] – und Unternehmen mit hohen Dividenden bieten wir eine Diversifizierung, die in unterschiedlichen Marktlagen hilfreich ist. In Kombination mit einem kontrollierten aktiven Risikomanagement ergibt sich so ein Renditeprofil, das von unseren Kunden als beständig und robust wahrgenommen wird.
Mit Blick auf die Zukunft: Wo sehen Sie die vielversprechendsten Chancen und die größten Risiken?
Trotz der jüngsten geopolitischen Spannungen bleiben wir hinsichtlich der Schwellenländer optimistisch. Die strukturellen Triebkräfte des aktuellen Zyklus sind intakt: steigende globale Kapitalinvestitionen, der Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur, erhöhte Verteidigungsausgaben, Dekarbonisierung und die Diversifizierung der Lieferketten. Schwellenländer spielen in vielen dieser Bereiche eine zentrale Rolle.
Dies schafft unserer Ansicht nach ein attraktives Umfeld für aktive Investoren, insbesondere für diejenigen, die Unternehmen mit starkem Cashflow, stabilen Erträgen und nachhaltigen Renditen suchen.
Schlussgedanken
Die Stärke unseres Ansatzes liegt in seiner Konstanz, der Fokussierung auf den Cashflow und dem ausgewogenen Portfolioaufbau. Da sich die Schwellenländer stetig weiterentwickeln, bleibt die Beibehaltung dieser Disziplin zentral für unsere langfristige Strategie, Chancen und Risiken zu nutzen.
1 MSCI, Bloomberg, LPL Research, Aberdeen, Stand: April 2026.
2 Factset, Jefferies Equity Research, April 2026.
3 Factset, Jefferies Equity Research, 31. März 2026.
4 Factset, Jefferies Equity Research, 31. März 2026.
5 Factset, Jefferies Equity Research, 31. März 2026.
Nächste Schritte
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