Dem 6. Februar 2026 ist ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Dafür spricht allein die an diesem Tag stattfindende Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand. Am Nachmittag vor der Zeremonie hätte die Welt Zeuge eines weiteren historischen Ereignisses werden können: Um 15.41 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) öffnet sich das erste Fenster für den Start von »Artemis II«. Doch kurz vor knapp hat die US-Weltraumagentur NASA den Flug in den März verschoben. Dann soll eine vierköpfige Crew vom Kennedy Space Center in Florida auf eine besondere Reise aufbrechen, die Mission sieht einen zehntägigen Trip um den Mond vor. Dabei soll das Orion-Raumschiff die Rückseite des Erdtrabanten bis zu rund 7.400 Kilometer hinter sich lassen. Beim Blick aus dem Fenster würden die vier Astronauten den Mond so klein wie einen Basketball und im Hintergrund die mehr als 400.000 Kilometer entfernte Erdkugel sehen. Niemals zuvor hat sich der Mensch so weit von seinem Heimatplaneten entfernt.
Wettlauf der Supermächte
Die erste bemannte Mondmission seit Apollo 17 im Jahr 1972 wäre nicht nur ein Meilenstein für die Raumfahrt; hinter »Artemis II« steckt auch ein gigantisches Industrieprojekt. Orion besteht aus mehr als 355.000 Einzelteilen und der anstehende Trip soll nur ein Zwischenschritt sein. Kurz vor Weihnachten 2025 hat US-Präsident Donald Trump ein Dekret unterzeichnet, in dem die Rückkehr der Amerikaner auf den Mond bis 2028 festgeschrieben ist. Auf diese Weise möchten die USA ihre Vormachtstellung im Weltall untermauern, die Grundlage für eine wirtschaftliche Erschliessung des Erdtrabanten schaffen und die Reise zum Mars vorbereiten. Dem Präsidenten dürfte es mit dieser »Executive Order« auch darum gehen, den Mond vor China zu erreichen – das Reich der Mitte arbeitet ebenfalls an einer bemannten Mission. Fest steht, dass die staatlichen Ambitionen ein wichtiger Bestandteil der globalen Weltraumwirtschaft sind. Laut Zahlen der Space Foundation brachte es dieser Markt 2024 auf ein Gesamtvolumen von 613 Milliarden US-Dollar. Etwas mehr als ein Fünftel davon gingen auf öffentliche Budgets zurück, allen voran der Geldtopf der NASA. Dominiert wird »Space Economy« allerdings von kommerziellen Akteuren (siehe Grafik 1).
Grafik 1: Weltraumwirtschaft 2024 nach Teilbereichen
In Milliarden US-Dollar

Stand: Juli 2025; Quelle: Space Foundation
Hier wiederum spielt die Satellitentechnik eine zentrale Rolle. Die Trabanten werden für die Kommunikation, den Ausbau des Breitbandinternets sowie zur Erdbeobachtung in den Orbit geschickt. Laut Daten von Space Stats gab es im vergangenen Jahr weltweit 324 Raketenstarts, damit hatte sich die Zahl der Flüge innerhalb von fünf Jahren annähernd vervierfacht (siehe Grafik 2). Einen bedeutenden Anteil an diesem Wachstum hat SpaceX. Von seiner Basis in Texas startet das Weltraumunternehmen von Elon Musk vor allem die »Falcon 9«. Die wiederverwendbare, zweistufige Trägerrakete hob im vergangenen Jahr 165 Mal ab. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Satellitennetzwerkes Starlink. Anfang des Jahres hat SpaceX von der US-Kommunikationsbehörde FCC die Erlaubnis erhalten, 7.500 weitere Satelliten ins All zu bringen. Damit steigt die Zahl der genehmigten Objekte auf insgesamt 15.000.
Grafik 2: Zahl der weltweiten Raketenstarts

Stand: Januar 2026; Quelle: Space Stats
Satelliten für die KI
Die Konkurrenz schläft nicht. Vor kurzem hat Blue Origin den Aufbau von »TeraWave« angekündigt. Das Weltraumunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos möchte im vierten Quartal 2027 damit beginnen, mehr als 5.400 Satelliten zu stationieren. Das neue Netzwerk zielt primär auf Regierungskunden, Rechenzentren und Unternehmen ab. Mit besonders hohen Übertragungsraten könnte es helfen, den mit dem Vorstoss der künstlichen Intelligenz (KI) einhergehenden wachsenden Bedarf an Rechenkapazitäten zu decken. In jedem Fall dürfte Blue Origin mit dieser Initiative die optimistischen Prognosen für das Wachstum der Weltraumwirtschaft untermauern. Die Space Foundation rechnete schon vor dieser Ankündigung damit, dass der Markt 2032 die Schallmauer von 1 Billion US-Dollar erreicht (siehe Grafik 3).
Grafik 3: Umsatz in der Weltraumwirtschaft pro Jahr

Stand: Juli 2025, Quelle: Space Foundation; e = erwartet
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.
IPO-Fantasie um SpaceX
Freuen dürfte der Plan von Blue Origin auch die Kritiker der Vormachtstellung von SpaceX. In der Tat bedeutet Starlink für Elon Musk ein wuchtiges geopolitisches Werkzeug, da er mit dem Netzwerk die digitale Infrastruktur gezielt kontrollieren kann. Ungeachtet dessen ist es gut möglich, dass SpaceX den reichsten Mann der Welt schon bald noch reicher macht. Unbestätigten Meldungen zufolge plant das Unternehmen einen Börsengang, demnach könnte SpaceX im Juni 2026 auf dem Kurszettel erscheinen. Reuters hat von einem Insider erfahren, dass das Unternehmen mit einem IPO bei einer Bewertung von mehr als 1 Billion US-Dollar über 25 Milliarden US-Dollar einsammeln möchte.
»Ein möglicher Börsengang von SpaceX könnte als starker Katalysator wirken und Spacetech als etablierte Anlageklasse bestätigen«, kommentierte Lucas Bishop, Analyst bei Seraphim Space, die Gerüchte. Schon jetzt fliesst viel Kapital in diesen Wirtschaftszweig. Laut Seraphim Space sind die privaten Investments in die Raumfahrttechnologie 2025 um knapp die Hälfte auf rekordhohe 12,4 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Experten rechnen für das laufende Jahr mit einem weiteren Anstieg. Als Treiber erachten sie die steigenden Ausgaben für militärische Satellitensysteme sowie den Ausbau der Startkapazitäten. Analyst Bishop sieht eine wachsende Gruppe von Raumfahrtunternehmen, denen SpaceX den Weg in Richtung Börse ebnen könnte.
Boeing: Raketen, Satelliten, Kapseln
Sollte es tatsächlich zu dem Mega-IPO kommen, könnte die Wall Street einen echten »Pure Play« begrüssen. Bis dato sind Unternehmen, die ausschliesslich in der Raumfahrt tätig sind, an den Börsen eher dünn gesät. Anleger, die auf dieses Thema und das Wachstumspotenzial der Space Economy setzen möchten, kommen an diversifizierten Industriekonzernen schwer vorbei. Traditionell ist Boeing in die Programme der NASA involviert, das gilt auch für »Artemis II«. Vom Luft- und Raumfahrtkonzern kommt ein Kernstück des Space Launch Systems (SLS). Es sorgt dafür, dass die Astronauten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 39.430 km/h die Erde hinter sich lassen. Boeing baut darüber hinaus Satelliten, Raumschiffe und hat eine Transportkapsel für Flüge zur Internationalen Raumstation ISS entwickelt. Allerdings gab es bei der ersten bemannten Testmission mit der »Starlink« technische Probleme. Sie zwangen die beförderten Astronauten zu einem monatelangen Aufenthalt auf der ISS. Die Panne war einerseits peinlich für den US-Konzern, gleichzeitig zeigt sie, dass es in diesem Bereich stets zu Rückschlägen kommen kann.
Wie auch immer: An der Börse zeigte Boeing zuletzt viel Schubkraft. Die Aktie notiert auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2024 (siehe Grafik 4). Hier hilft, dass Boeing dabei ist, die Krise im Kerngeschäft Flugzeugbau zu meistern. Zudem floriert der Rüstungsbereich. Die Sparte, zu der auch die Space-Aktivitäten zählen, konnte den Auftragsbestand in den ersten drei Quartalen 2025 um knapp ein Viertel auf 79 Milliarden US-Dollar erhöhen.
Grafik 4: Wertentwicklung Boeing (fünf Jahre)

Stand: 23. Januar 2026, Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Airbus: gemeinsame Sache
Sowohl im Flugzeugbau als auch bei der Rüstung und der Weltraumtechnik konkurrierten die US-Amerikaner mit Airbus. Der Luft- und Raumfahrtkonzern steuert zur Artemis-Mission das Europäische Servicemodul (ESM) bei. Es wird von Airbus als das »Powerhouse« des Orion-Raumschiffs bezeichnet. Das in Bremen gebaute ESM ist 13 Tonnen schwer und versorgt die Astronauten mit Energie, Wasser und Sauerstoff. Hinzu kommen 33 Triebwerke, die für Schub sorgen und Flugmanöver im Weltall ermöglichen. In den ersten neun Monaten 2025 war der Geschäftsbereich »Defence und Space« mit knapp einem Fünftel am Konzernumsatz von Airbus beteiligt. Während die Umsätze um 17 Prozent gestiegen sind, hat die Sparte beim operativen Ergebnis (Stufe Ebit) den Turnaround geschafft. Allerdings ist das Auftragsbuch deutlich ausgedünnt.
Gerade arbeitet Airbus daran, SpaceX stärker die Stirn zu bieten. Zusammen mit den Rüstungskonzernen Thales aus Frankreich und Leonardo aus Italien plant das Branchenschwergewicht ein europäisches Satellitenunternehmen. Darin sollen die jeweiligen Aktivitäten des Trios gebündelt werden. 2027 möchte das Joint Venture mit rund 25.000 Mitarbeitern die Arbeit aufnehmen und einen Jahresumsatz von etwa 6,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Innerhalb von fünf Jahren peilen die Partner beim operativen Gewinn Synergien von einem mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag an.
Rheinmetall: wichtige Aufklärungsarbeit
Rheinmetall verstärkt seine Ambitionen im Space-Segment ebenfalls mit einem Gemeinschaftsunternehmen. Im vergangenen Herbst spannte der deutsche Rüstungskonzern mit dem finnischen Satellitenhersteller und -betreiber ICEYE zusammen. Mittlerweile hat sich das Joint Venture einen prestigeträchtigen Grossauftrag sichern können. Rheinmetall ICEYE soll der deutschen Bundeswehr weltraumgestützte Aufklärungsdaten zur Verfügung stellen. Der mehrjährige Kontrakt hat einen Bruttowert von 1,7 Milliarden Euro. Auch dieses Beispiel zeigt, wie wichtig und vor allem vielfältig die Weltraumwirtschaft ist.

