„Trump wird diese Rede, mit der er sich an ein riesiges Publikum wendet, nutzen, um die Wahlkampagne 2026 anzustossen“, sagt Matt Miller, Politikökonom bei Capital Group. „Er wird ein Narrativ formulieren und eine politische Agenda vorstellen, die aus seiner Sicht den Republikanern helfen wird, den für einen Präsidenten üblichen Rückschlag bei den Zwischenwahlen abzuwenden.“
Die wichtigste Frage für Anleger lautet: Wie könnten die Zwischenwahlen den Aktienmarkt beeinflussen?

Die Partei des Präsidenten verliert in der Regel Sitze im Kongress

Nettoveränderung der von der Partei des Präsidenten kontrollierten Sitze im Repräsentantenhaus nach den Midterm-Wahlen

Sitze im Kongress

Die Zwischenwahlen finden zur Halbzeit einer Amtszeit des Präsidenten im November statt und führen in der Regel dazu, dass dessen Partei im Kongress an Boden verliert. Bei den letzten 23 Zwischenwahlen hat die Partei des Präsidenten durchschnittlich 27 Sitze im Repräsentantenhaus und drei im Senat verloren. Nur zweimal hat die Partei des Präsidenten in beiden Kammern Sitze hinzugewonnen.
Dafür scheint es zwei Gründe zu geben. Erstens sind die Vertreter der Oppositionspartei – in diesem Fall die Demokraten – in der Regel besser darin, die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Zweitens sinken in der Regel die Zustimmungswerte des Präsidenten in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit, so auch bei Trump, was Wechselwähler und frustrierte Wähler beeinflussen kann.

Zurzeit haben die Republikaner sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die knappe Mehrheit. „Wenn Trump sie auch nur in einer der beiden Kammern verliert, könnte er in den nächsten zwei Jahren keine ehrgeizigen republikanischen Gesetze durchbringen und würde für den Rest seiner Amtszeit in die Defensive geraten“, so Miller weiter.

Da der Verlust von Sitzen so häufig vorkommt, spiegelt er sich in der Regel schon früh im Jahr in den Kursen wider. Das Ausmass einer Machtverschiebung – und die daraus resultierenden politischen Auswirkungen – bleibt jedoch bis zum Ende des Jahres ungewiss, was eine Erklärung für andere interessante Trends liefern könnte.

In der Vergangenheit waren die Erträge niedriger und die Volatilität höher

Capital Group hat die Daten der letzten über 90 Jahre analysiert und herausgefunden, dass sich die Märkte in der Regel in Jahren mit Zwischenwahlen anders verhalten als sonst. Nach unserer Analyse der Erträge des S&P 500 Index seit 1930 haben sich Aktien in Jahren mit Zwischenwahlen anders entwickelt als in allen anderen Jahren.

Da die Märkte in der Regel über lange Zeiträume hinweg steigen, sollten Aktien in einem durchschnittlichen Jahr insgesamt stabil zulegen. Wir haben jedoch festgestellt, dass Aktien in den ersten Monaten von Jahren mit Zwischenwahlen üblicherweise schwächere durchschnittliche Erträge erzielten und sich oft bis kurz vor der Wahl kaum von der Stelle bewegten.

In Jahren mit Zwischenwahlen waren die Markterträge schwach

Gesamterträge des S&P 500 Index

Gesamterträge des S&P 500 Index

Märkte mögen keine Unsicherheit – diese alte Weisheit scheint hier zuzutreffen. Zu Beginn des Jahres besteht weniger Gewissheit über den Ausgang und die Auswirkungen der Wahl. Die Märkte tendierten in den Wochen vor einer Wahl jedoch zu einer Erholung und stiegen nach Wahlschluss weiter an.
2025 hat der S&P 500 Index einen soliden Ertrag von fast 18% erzielt, war aber deutlich schwächer als die Aktienmärkte anderer Länder. Der MSCI Europe Index legte um über 35% zu, der MSCI Japan Index stieg um 24%, und der MSCI Emerging Markets Index lag um fast 34% im Plus.
Trotz der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Wahlen sollten Anleger bedenken, was ihnen verloren geht, wenn sie nicht investiert sind oder sich am Market Timing versuchen. Bislang war es immer am klügsten, investiert zu bleiben. Der Kursverlauf von Aktien ist in jedem Wahlzyklus sehr unterschiedlich, langfristig sind die Märkte aber insgesamt gestiegen.

In Jahren mit Zwischenwahlen hat die politische Unsicherheit die Erträge belastet

Durchschnittliche Renditen des S&P 500 Index seit 1931

Durchschnittliche Renditen des S&P 500 Index seit 1931

Wahljahre können also die Nerven ziemlich beanspruchen. Die Kandidaten machen oft auf die Probleme des Landes aufmerksam, und die Kampagnen verstärken regelmässig negative Botschaften. Politische Vorschläge können unklar sein und sich oft auf bestimmte Branchen oder Unternehmen beziehen.

Es mag daher nicht überraschen, dass Märkte in Jahren mit Zwischenwahlen volatiler sind, insbesondere in den Wochen vor dem Wahltag. Seit 1970 beträgt die Standardabweichung der Renditen in Zwischenwahljahren im Median fast 16%, verglichen mit 13% in allen anderen Jahren.

In Jahren mit Zwischenwahlen ist die Volatilität höher

Volatilität

Man geht davon aus, dass es bei dieser Wahl nicht anders sein werde. Es könne zwar zu Turbulenzen kommen, und Anleger sollten sich auf kurzfristige Volatilität einstellen, doch insgesamt erwarte man nicht, dass die Wahlergebnisse die Anlageergebnisse deutlich in die eine oder andere Richtung beeinflussen würden.

Nach Zwischenwahlen sind die Aktienmärkte stark gestiegen

Die gute Nachricht für Investoren ist, dass die Märkte nach dem Wahltag in der Regel stark gestiegen sind. Üblicherweise waren die Erträge im gesamten Jahr nach dem Wahlzyklus überdurchschnittlich. Seit 1950 lag der durchschnittliche 1-Jahres-Ertrag nach einer Zwischenwahl bei 15,4%. Das ist fast doppelt so viel wie in allen anderen Jahren in einem ähnlichen Zeitraum.

Kursertrag des S&P 500 Index ein Jahr nach den Zwischenwahlen

Kursertrag des S&P 500 Index ein Jahr nach den Zwischenwahlen

Aber jeder Zyklus ist anders, und Wahlen sind nur einer von vielen Faktoren, die die Markterträge beeinflussen. Beispielsweise müssen Investoren die möglichen Auswirkungen von Zöllen, Inflation und Zinsen sowie das Weltwirtschaftswachstum und weltpolitische Konflikte berücksichtigen.

Fazit für Anleger

Es ist nichts Falsches daran, sich zu wünschen, dass der bevorzugte Kandidat gewinnt, aber Anleger können Probleme bekommen, wenn sie den Wahlergebnissen zu viel Bedeutung beimessen. Das liegt daran, dass Wahlen in der Vergangenheit nur geringe Auswirkungen auf die langfristigen Investmenterträge hatten. Seit 1933 haben die Märkte unabhängig von der Regierungspartei im Durchschnitt Erträge im zweistelligen Bereich erzielt, auch wenn eine Partei sowohl im Weissen Haus als auch in beiden Kammern die Mehrheit hielt, wenn der Kongress gespalten war und wenn der Präsident der Oppositionspartei angehörte.

Zwischenwahlen – und die Politik insgesamt – sorgen für viel Wirbel und Unsicherheit.

Selbst wenn Wahlen zu einer höheren Volatilität führen, besteht kein Grund, sie zu fürchten. Tatsächlich werden Aktienerträge langfristig von den Gewinnen der Unternehmen bestimmt und davon, wie die Marktteilnehmer deren Wert auf lange Sicht einschätzen. Investoren wären gut beraten, kurzfristige starke Schwankungen zu ignorieren und langfristig zu denken, unabhängig davon, wie sich die politische Lage in einem bestimmten Jahr entwickelt.

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