Die Einführung der Babyfenster in der Schweiz war eine Reaktion auf den Fund von zwei toten Säuglingen im Jahr 1999, wie die Stiftung SHMK am Jahrestag weiter mitteilte. Ein Baby wurde am Ufer des Sihlsees bei Einsiedeln entdeckt, ein weiteres im Margarethenpark in Basel.

Als erstes solches Angebot wurde am 9. Mai 2001 dann das Babyfenster in Einsiedeln eröffnet. Es handelte sich laut der Stiftung um eines der ersten zehn weltweit.

Babyfenster sollen Frauen in extremen Notlagen eine Möglichkeit bieten, ihr Kind anonym in medizinisch betreute Hände zu geben. Die Mutter legt das Neugeborene in ein Wärmebett, das über eine Klappe an der Aussenwand eines Spitals zugänglich ist. Ein stiller Alarm informiert das Spitalpersonal nach drei Minuten.

Eine Hebamme nimmt das Kind in Empfang. Das Baby wird versorgt und kommt nach einigen Tagen zu Pflegeeltern. Eine Adoption ist frühestens ein Jahr nach der Platzierung möglich. Die leiblichen Eltern haben bis zum Vollzug der Adoption das Recht, ihr Kind zurückzufordern.

Laut der SHMK stützt die Statistik die positive Bilanz: In den fünf Jahren vor der Eröffnung des ersten Babyfensters von 1997 bis 2001 wurden in der Schweiz 13 ausgesetzte oder getötete Neugeborene registriert. In den vergangenen fünf Jahren von 2021 bis 2026 gab es keinen einzigen solchen Fall mehr.

Die Hälfte der Mütter, die ihr Kind in ein Babyfenster legten, meldete sich im Nachhinein freiwillig, wie es weiter heisst. Sie forderten das Kind entweder zurück oder hinterliessen Informationen zu seiner Herkunft.

In der Schweiz gibt es derzeit acht Babyfenster an den Standorten Basel, Bellinzona, Bern, Davos GR, Olten SO, Sitten, Zollikerberg ZH sowie in Schwyz. Das Babyfenster in Schwyz löste 2025 dasjenige in Einsiedeln ab.

(AWP)