Denn nebst den Zahlen zum zweiten Quartal hat ABB am Donnerstag eine grössere Akquisition angekündigt. So will ABB den britischen Automatisierungsspezialisten Rotork übernehmen. Es wäre eine Milliardentransaktion.
Konkret bietet ABB 503 Pence je Aktie in bar, was einem Unternehmenswert von rund 5,5 Milliarden Dollar entspricht, wie der Technologiekonzern mitteilte. Rotork erzielte 2025 einen Umsatz von rund 1,0 Milliarden Dollar und eine Marge von 24,6 Prozent und würde damit die operative EBITA-Marge von ABB sofort verbessern.
Rotork ist spezialisiert auf betriebskritische Durchflusssteuerungs- und Messtechniklösungen und soll das bestehende Automatisierungsportfolio ergänzen, begründet ABB den Deal. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Rotork-Aktionäre sowie der üblichen behördlichen Genehmigungen.
Der Verwaltungsrat von Rotork unterstützt die Transaktion laut ABB einstimmig. Finanzieren will ABB die Übernahme unter anderem mit den Barmitteln aus der Veräusserung des Robotics-Geschäfts, ein Deal in ähnlicher Grössenordnung.
Akquisition zu teuer?
In Marktkreisen wird der Kaufpreis allerdings als stolz bezeichnet, die Aktie gibt in der Folge auf hohem Niveau nach. CEO Morten Wierod bezifferte an einer Telefonkonferenz das Verhältnis des Unternehmenswerts von Rotork im Verhältnis zum operativen Gewinn auf Stufe EBITDA auf rund 19,5x.
Die Frage, ob das nicht gar teuer sei, beantwortete er indirekt: «Das Timing für die Rotork-Übernahme ist gut, weil ABB gut in Form ist. Das Unternehmen passt strategisch sehr gut zu ABB.» Ausserdem sei die Philosophie von Rotork derjenigen von ABB ähnlich.
Er geht davon aus, dass die Transaktion langfristig für die ABB-Aktionäre Wert generieren wird. Mit den erwarteten Synergien dürfte zudem das Verhältnis des Kaufpreises zum operativen Gewinn noch um einige Punkte sinken.
Erneut zweistelliges Wachstum
Mit dem vorgelegten Quartalsergebnis hat ABB die meisten Erwartungen übertroffen. Der Auftragseingang kletterte auf vergleichbarer Basis um 28 Prozent auf gut 12 Milliarden US-Dollar und der Umsatz um 12 Prozent auf 9,48 Milliarden.
Die Nachfrage war zwar in den meisten Kundensegmenten gut, besonders stark hat aber erneut der Boom bei Rechenzentren geholfen. So hat der Geschäftsbereich Elektrifizierung, welcher die Rechenzentren hauptsächlich bedient, den Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresquartal auf vergleichbarer Basis um massive 58 Prozent erhöht.
Das starke Wachstum beeinträchtigt die Rentabilität von ABB keineswegs: Der operative Gewinn nahm im Vergleich zum Umsatz überproportional zu und die entsprechende Marge (EBITA) kletterte auf 20,2 Prozent. Sie liegt damit bereits in der oberen Hälfte der erst im November erhöhten Zielspanne von 18 bis 22 Prozent.
Die bisherigen Umsatzprognosen für das Gesamtjahr 2026 wurden leicht erhöht. Der Konzern peilt demnach neu ein Wachstum im niedrigen zweistelligen bis unteren «Teens»-Bereich an. Die operative EBITA-Marge soll höher ausfallen als im Vorjahr.
cf/ls
(AWP)
