Messaging-Dienst - Snapchat-Aktie legt an der Wall Street einen Traumstart hin

Die Aktie des Snapchat-Betreibers Snap ist am Donnerstag bei ihrer Premiere an der Wall Street durchgestartet.
02.03.2017 18:20
Snapchat ist die erfolgreiche Chat-App des Tech-Unternehmens Snap.
Snapchat ist die erfolgreiche Chat-App des Tech-Unternehmens Snap.
Bild: Bloomberg

Die Papiere des Messaging-Dienstes verteuerten sich gegenüber dem Ausgabepreis um fast die Hälfte. Erster Kurs war 24 Dollar. Zeitweise ging es dann bis auf 25,20 Dollar nach oben.

Es ist einer der grössten Börsengänge in der Technologiebranche überhaupt. Snap hatte am Mittwoch 200 Millionen Aktien zu jeweils 17 Dollar bei Investoren untergebracht - deutlich mehr als die eigentlich erwarteten 14 bis 16 Dollar.

Insgesamt fliessen dem WhatsApp-Rivalen so 3,4 Milliarden Dollar zu. Die Nachfrage hatte die angebotenen Papiere um mehr als den Faktor zehn überstiegen. Auf Basis des aktuellen Kurses ist das Unternehmen an der Börse rund 34 Milliarden Dollar wert, obwohl es weiterhin rote Zahlen schreibt, auch nicht mit Gewinnen rechnet und die Aktionäre kein Mitspracherecht bekommen.

Erst fünf Jahre alt

Zum Vergleich: Beim Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Umsatzwachstum zuletzt fast zum Erliegen gekommen ist, sind es nur etwas mehr elf Milliarden Dollar. Bis zu den Technologie-Riesen Facebook (fast 400 Milliarden Dollar) und vor allem Apple (733 Milliarden Dollar) ist es für Snap aber noch ein weiter Weg.

Snap aus Los Angeles ist erst fünf Jahre alt und es gibt noch Zweifel am Geschäftsmodell. Das war beim Facebook-Börsengang ähnlich, mittlerweile sind die Bedenken aber weg. Quartal für Quartal verdient das weltgrösste Internet-Netzwerk jetzt Milliarden.

Snapchat wird vor allem von jungen Menschen unter 30 Jahren genutzt, die es schätzen, dass ihre Nachrichten schnell wieder gelöscht werden. Ende 2016 kam der Dienst auf 158 Millionen aktive Nutzer, 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettoverlust summierte sich auf knapp 515 Millionen Dollar nach 373 Millionen im Jahr 2015. Das Unternehmen nimmt vor allem mit Werbung Geld ein und konkurriert insofern direkt mit Google und Facebook.

«Groteske Bewertung»

Der Zeitpunkt für den Börsengang ist günstig. Die wichtigsten Aktien-Indizes in New York sind zuletzt fast täglich auf ein neues Rekordhoch geklettert. Die Börse wird angeschoben von der Hoffnung, dass der neue US-Präsident Donald Trump für mehr Wachstum, Investitionen und Jobs sorgt. Jetzt wird mit weiteren Börsengängen gerechnet, nicht nur aus der Tech-Branche.

Analysten wie Neil Wilson vom Wertpapierhändler ETX Capital sprechen allerdings von einer "grotesken Bewertung". Denn diese entspreche bereits zum Ausgabekurs etwa dem 60-Fachen des Snap-Umsatzes. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren bei Facebook. Und dies galt damals schon als extrem. Das Snap-Management argumentiert gerne mit der vielen Zeit, die die User die App nutzen. Ausserdem gebe es ein grosses Umsatzpotenzial, weil die Jugend verstärkt Videos in der Kommunikation untereinander nutze.

(Reuters)