Ausserhalb der Eurozone sank der britische Leitindex FTSE 100 um 0,39 Prozent auf 10.195,35 Zähler. Für den schweizerischen SMI ging es um 1,02 Prozent auf 13.277,04 Punkte nach unten.
Trump hatte am Wochenende wegen des Grönland-Streits angekündigt, dass für acht Länder aus Europa ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent gelten sollen, ab dem 1. Juni dann sogar Zölle von 25 Prozent. Dies solle gelten, bis ein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt werde. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische Nato-Länder, darunter auch Deutschland.
Ende der Woche solle es nun einen Sondergipfel geben, kündigte EU-Ratspräsident António Costa am Sonntagabend in Brüssel an. Schon jetzt wird fieberhaft über Handlungsoptionen beraten, denn es gilt eine gefährliche Gratwanderung zu bewältigen. Einerseits müssen die Europäer Trump zeigen, dass sie sich ein solches Vorgehen nicht gefallen lassen. Auf der anderen Seite gilt es, eine Eskalation zu vermeiden, denn die Europäer sind in Verteidigungs- und Technologiefragen extrem abhängig von den Vereinigten Staaten.
Der «Deal Maker» im Weissen Haus schwinge erneut die Zoll-Keule und treffe Europa damit an einem empfindlichen Nerv, kommentierte das Research-Team von Activtrades. «In einer Zeit, in der der Kontinent durch den anhaltenden Ukraine-Krieg ohnehin wirtschaftlich massiv unter Druck steht, sorgt die Ankündigung neuer US-Handelsbarrieren für Schockwellen.»
Etwas gelassener gaben sich die Experten vom Börsenmagazin Index Radar. Trump brauche vor Beginn der heissen Wahlkampfphase bis zu den Midterms im November einen stabilen Aktienmarkt, damit seine Wähler keine Verluste spürten, schrieben sie. Erfahrungen des vergangenen Jahres zeigten ausserdem, dass Trump Drohungen häufig zurückziehe.
Die Zollrisiken machten sich stark im Automobilsektor bemerkbar und dabei vor allem bei den deutschen Autowerten. Der europäische Sektorindex fiel auf seinen niedrigsten Stand seit Oktober gefallen und büsste zum Handelsschluss 2,2 Prozent ein. Für die Aktien von Stellantis und Renault ging es jeweils um die 2 Prozent bergab. Noch wesentlich schwächer als Autos waren Technologiewerte, deren Sektor um 3,1 Prozent zurückfiel.
Auch Luxusgüterwerte wurden überdurchschnittlich vom neuen Zollstreit belastet. So verbuchten die Aktien von Kering , Richemont , Hermes und LVMH Einbussen zwischen 2,3 und 4,3 Prozent. Bei LVMH kam als zusätzlicher negativer Einflussfaktor hinzu, dass Morgan Stanley die Aktien von «Overweight» auf «Equal-Weight» abgestuft hatte.
Mit einem Kursfeuerwerk und einem Rekordhoch reagierten die Aktien von Beazley auf ein Kaufgebot des schweizerischen Versicherungskonzerns Zurich . Die Papiere des britischen Spezialversicherers beendeten den Handel fast 43 Prozent höher auf 1.170 Pence. Die Zurich-Titel verloren 0,6 Prozent. Die Nachricht sorgte auch im europäischen Versicherungssektor für Bewegung: Der zuvor schwächere Branchenindex Stoxx Europe 600 Insurance drehte ins Plus und gewann am Ende 0,4 Prozent./ajx/he
(AWP)

