Ein positiv aufgenommener Bericht zu den Plänen des Iran für die Strasse von Hormus sorgte am Nachmittag dafür, dass sich das Minus unter dem Strich in Grenzen hielt. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA hatte berichtet, der Iran arbeite derzeit an einem Protokoll mit dem Land Oman zur Überwachung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus. Dabei gehe es unter anderem um eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge, hiess es unter Berufung auf den stellvertretenden iranischen Aussenminister. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete unter Berufung auf den Politiker, der Iran habe angekündigt, Mautgebühren für Schiffe festzulegen, die die Strasse von Hormus passieren.
Der Leitindex der Eurozone fiel am Ende um 0,70 Prozent auf 5.692,86 Punkte. Die wegen Karfreitag verkürzte Handelswoche endete damit mit einem Plus von 3,4 Prozent. Seit Beginn des Iran-Kriegs Anfang März hat das Börsenbarometer aber mehr als 7 Prozent eingebüsst.
Der schweizerische SMI sank am Donnerstag dank seiner defensiven Schwergewichte nur um 0,07 Prozent auf 12.981,97 Punkte. Der britischen FTSE 100 profitierte von der Stärke der Ölwerte und gewann 0,69 Prozent auf 10.436,29 Punkte.
«Während der US-Präsident einerseits das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen als greifbar nah skizzierte, jonglierte er im nächsten Satz mit Szenarien, die den Iran zurück in die 'Steinzeit' befördern könnten», hiess es in einem Kommentar der Chart-Experten von Index-Radar. «Solche rhetorischen Volten sorgen natürlich für Verunsicherung, zumal die Entsendung weiterer Truppen und Flugzeuge eine deutliche Sprache spricht, die eher nach Bodenoffensive als nach diplomatischem Ausklang klingt.»
Das Hin und Her der vergangenen Tage setzte sich bei den Einzelsektoren fort. Gestern noch am Ende der Branchen-Tabelle, waren die Ölwerte nun Spitzenreiter. Sie reagierten damit auf die Ölpreise, die nach Trumps Rede deutlich gestiegen waren. Aktien wie Eni , die an der EuroStoxx-Spitze um 4,3 Prozent anzogen, setzten so ihren Höhenflug fort. Vergleichsweise stark präsentierten sich auch defensive Branchen wie Nahrung und Getränke sowie die Versorger .
Gemieden wurden dagegen zum Beispiel die Technologiewerte . Hier standen Halbleitertitel unter Druck. Das Schwergewicht ASML verlor 2,2 Prozent. «Zum einen drückt die Zinssensitivität auf die Branche und wird von den hohen Energiepreisen beeinflusst», merkte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus CMC Markets, dazu an. «Wesentlicher ist jedoch, dass die Branche auf Produkte aus dem Petrobereich wie spezielle Gassorten angewiesen ist und diese sowohl im Preis steigen als auch aktuell nicht mehr oder nur bedingt zur Verfügung stehen.»
Abgaben erlitten auch die Aktien der Fluggesellschaften. Hier ging es mit Air France-KLM um fast vier Prozent nach unten. Das Unternehmen hatte ein unverbindliches Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an Tap Air Portugal eingereicht. Auch die Lufthansa ist an den Portugiesen interessiert./la/nas
(AWP)

