Angesichts der angelaufenen Berichtssaison der Unternehmen herrschte vorwiegend Zurückhaltung vor. «Mit den ersten Quartalszahlen der grossen US-Banken hat die Berichtssaison begonnen - und die Messlatte liegt extrem hoch», sagte Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. «Die Banken liefern teilweise geradezu absurde Gewinne und setzen die Erwartungen für die gesamte Berichtssaison auf ein neues Niveau.»
Geopolitisch bleiben die Spannungen in Nahost im Anlegerfokus, zumal die Ölpreise wieder stiegen, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Iran mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes gedroht hatte. Kommende Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, «es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch», sagte er dem US-Sender Fox News. Irans Streitkräfte feuerten als Vergeltung auf die nächtlichen US-Angriffe wieder Raketen und Drohnen auf Ziele in der Golfregion und Jordanien.
Europaweit stärkster Sektor waren die Automobilwerte, während die Telekom-Branche die deutlichsten Verluste verzeichnete. Unter den ebenfalls gut laufenden Luxuswerten lieferte Richemont die Vorgabe. Überraschend starke Umsatzzahlen gaben der Aktie des schweizerischen Schmuck- und Uhrenherstellers Auftrieb. Der Wert zog um 6,7 Prozent an. Analyst Adam Cochrane von der Deutschen Bank schrieb von einem soliden Quartalsbericht, der ein positives Signal für die gesamte Luxusbranche setze. So gewannen Kering 3,6 Prozent und LVMH 2,7 Prozent.
Unter den Einzelwerten standen die Aktien von ASML im Mittelpunkt des Interesses. Die Papiere des Ausrüsters der Halbleiterindustrie, der mit einem Börsenwert von aktuell knapp 640 Milliarden Euro das wertvollste Unternehmen Europas ist, stiegen zunächst um bis zu fast 8 Prozent, gaben im späteren Handel aber sämtliche Gewinne ab und drehten sogar ins Minus. Letztlich verloren sie 0,4 Prozent.
ASML rechnet dank des Booms von Künstlicher Intelligenz mit noch besseren Geschäften im laufenden Jahr. Nach einem überraschend guten Quartal hob Konzernchef Christophe Fouquet sein Umsatzziel für 2026 am Mittwoch an - zum zweiten Mal in diesem Jahr. Auch die Bruttomarge soll höher ausfallen als noch im April gedacht. Mit den neuen Zielen und den Zahlen des zweiten Quartals übertraf ASML die Erwartungen von Analysten.
Unter den kleineren Werten ragten Aktien von DocMorris mit plus 2,7 Prozent heraus. Die Aktie setzte damit ihren Höhenflug fort und erreichte ein Jahreshoch. Die Versand-Apotheke hatte mit einem starken Wachstum im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten die Erwartungen übertroffen. Analysten sehen das Unternehmen nun auf Kurs, operativ die Gewinnschwelle zu erreichen./edh/he
(AWP)

