Letztlich beendete der Leitindex der Euroregion, der EuroStoxx 50 , den Tag 0,57 Prozent tiefer auf 5.892,08 Punkten. Ausserhalb der Eurozone fiel der britische Leitindex FTSE 100 um 0,67 Prozent auf 10.126,78 Zähler und der schweizerische SMI um 0,81 Prozent auf 13.169,96 Punkte.
US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen Anlegern am Wochenende die Laune verhagelt. Wegen des Grönland-Streits kündigte er Strafzölle ab Februar an, die zum 1. Juni weiter steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf der dänischen Arktisinsel durch die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind die acht europäische Nato-Länder Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Niederlande, Finnland, Grossbritannien und Norwegen.
Die Verschärfung der transatlantischen Spannungen samt den wieder erwachten Zollsorgen nagten an der europäischen Anlagestory, schrieb Aktienmarktstrategin Beata Manthey von Citigroup. Über der erwarteten Gewinnbelebung europäischer Konzerne habe sich ein Schatten gelegt. Manthey strich daher ihre Präferenz für Aktien Kontinentaleuropas und schätzt sie im globalen Kontext nur noch neutral ein - erstmals seit mehr als einem Jahr, wie sie betonte.
Optimistischer äusserte sich dagegen Anlageexpertin Marina Zavolock von Morgan Stanley. Die erneute Zolleskalation erschwere die Lage zwar insgesamt, allerdings seien die Belastungen sehr individuell. Zudem werde Europa in seinem Kurs zu mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortung bestärkt, was nicht nur Rüstungsinvestitionen, sondern auch der Reformagenda insgesamt Schub verleihen dürfte.
Die Verluste an Europas Börsen werden allerdings auch als Gegenreaktion auf die vorherige Rally gewertet. So sprach Jörg Scherer, technischer Analyst bei der HSBC, von einer «gesunden Verschnaufpause».
Luxusaktien blieben unter Druck, denn neben den Zolldrohungen wegen Grönland belasteten weitere Äusserungen Trumps. Angesichts der zögerlichen Haltung Frankreichs, dem «Friedensrat» für den Gazastreifen beizutreten, will der US-Präsident Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner erheben. Die Aktie von LVMH verlor 2,2 Prozent. Zum Sortiment des Unternehmens gehört auch Champagner. Im Gefolge von LVMH gaben auch Kering , Hermes und Burberry nach.
Totalenergies stemmten sich mit plus 1,4 Prozent gegen den allgemein schwächeren Gesamttrend. Europas grösster Kraftstoffhersteller hatte zum Jahresende von einem besser laufenden Raffineriegeschäft profitiert. Angesichts weltweit knapper Verarbeitungskapazitäten hielten steigende Raffineriemargen trotz sinkender Ölpreise den Barmittelzufluss im vierten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, stabil. Damit trotze Totalenergies dem negativen Branchentrend mit sinkenden Gewinnerwartungen, hiess es von der kanadischen Bank RBC.
An der schweizerischen Börse brachen DocMorris um 8,6 Prozent ein. Die Online-Apotheke wuchs 2025 zwar kräftig und erreichte die eigenen Umsatzziele, wobei das elektronische Rezept in Deutschland ein wichtiger Treiber war. Dennoch habe sich der Markt hier mehr erhofft, schrieb Analyst Volker Bosse von der Baader Bank./ck/he
(AWP)

