US-Präsident Donald Trump sagte, dass die Waffenruhe aus seiner Sicht beendet sei. Er werde seine Unterhändler aber weiter mit dem Iran reden lassen, wenn diese es wünschen, sagte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara. Trump war dort zunächst gefragt worden, ob die Waffenruhe beendet sei - und beim zweiten Nachhaken der Reporterin, ob die Waffenruhe und das Rahmenabkommen mit dem Iran nun Geschichte seien.
«Der Nahostkonflikt droht, wieder von der Neben- auf die Hauptbühne der Finanzmärkte zu wechseln», warnte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. «Damit könnte ein Risiko zurückkehren, das viele Anleger zuletzt ausgeblendet hatten.»
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab gegen Mittag um knapp zwei Prozent auf 6.195,05 Punkte nach. Ausserhalb des Euroraums verlor der Schweizer SMI 1,54 Prozent auf 14.138,63 Punkte. Der britische FTSE 100 sank um 1,56 Prozent auf 10.499,44 Punkte. Spanische Aktien litten zudem unter Drohungen des US-Präsidenten, jeglichen Handel mit Spanien einzustellen.
Die Entwicklung der Einzelsektoren erinnerte an den Höhepunkt des Iran-Konflikts im ersten Börsenhalbjahr. Zyklische und von der Energiepreisentwicklung abhängige Sektoren standen unter Druck, defensive Branchen und die Ölwerte präsentierten sich dagegen stabil oder lagen sogar im Plus.
Am Ende des Feldes rangierten die Bau- und die Autowerte und damit sowohl von den Ölpreisen als auch von funktionierenden Lieferketten abhängige Branchen. So verloren Renault knapp vier und Holcim über drei Prozent.
Technologiewerte hielten sich dagegen trotz schwacher Vorgaben der US-Halbleiterwerte und wachsender Zweifel am Boom der Künstlichen Intelligenz einigermassen. Grund dafür war die vergleichsweise solide Entwicklung des Halbleiterschwergewichts ASML . Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets sprach bei Halbleiterwerten von Käufen auf dem ermässigten Niveau nach dem jüngsten Rücksetzer.
Stärkster Sektor waren unterdessen die Ölwerte. Der Ölpreis hatte durch die Aussagen des US-Präsidenten zum Iran nochmals einen Schub erhalten. Aktien von Shell bauten das Vortagesplus aus und stiegen um zwei Prozent. Der Ölkonzern habe ein starkes Quartal hinter sich, stellte Analyst Mark Wilson von Jefferies fest und bestätigte seine Kaufempfehlung./mf/mis
(AWP)

