Der deutsche Leitindex fiel am Freitagnachmittag um 0,3 Prozent auf 25.288,90 Punkte. Für den MDax , der Index der mittelgrossen Börsenwerte, ging es um 0,1 Prozent auf 31.900,65 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,4 Prozent auf 6.020,17 Punkte.
Wenngleich Investoren erst einmal Luft holen, bedeutet dies keinen Stimmungsumschwung. So trieb zuletzt vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft den heimischen Aktienmarkt an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Zugleich nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, spricht aktuell von einer Verschnaufpause. Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran müssten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen. «Alles zusammen liess die Aktienmärkte zunächst auf einen Konsolidierungspfad einschwenken.»
Insbesondere die weiterhin unklare Lage im Iran dürfte kurz vor dem Wochenende eher für eine gewisse Vorsicht unter Investoren sorgen. Die USA drohten dem Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. Eine Auseinandersetzung könnte die Ölpreise hochtreiben.
Auf der Unternehmensseite steht zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel bietet 11 Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Grossaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um 28 Prozent auf 11,02 Euro nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil nach oben gegangen.
Die Papiere von LEG Immobilien büssten nach einer Abstufung auf «Neutral» durch Oddo BHF knapp ein Prozent ein. Auch die Aktien der Norma Group litten unter einem skeptischen Analystenkommentar und gaben mit einem Minus von 6,7 Prozent einen Grossteil ihre Jahresgewinne wieder ab. Die Anlagestory des Verbindungstechnik-Herstellers stehe auf dem Prüfstand, schrieb Pal Skirta vom Bankhaus Metzler in einer Studie. Er strich seine Kaufempfehlung und stuft die Papiere nun mit «Hold» ein.
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Im Dax verloren Brenntag und BASF 3,7 respektive 2,9 Prozent, im MDax gerieten Evonik , Wacker Chemie und vor allem Lanxess unter Druck.
Gefragt waren auf der anderen Seite Aktien von Unternehmen, die von der Energiewende und dem KI-Ausbau profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy gewannen vorne im Dax drei Prozent, für das Versorgerpapier RWE ging es um rund eineinhalb Prozent nach oben. Ihnen kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.
Drägerwerk knüpften mit einem Anstieg um 6,6 Prozent an ihren starken Vortag an, an dem der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik mit Eckdaten und einem ersten Ausblick für 2026 überzeugt hatte. Am Freitag stufte Analyst Harald Hof von MWB Research die Papiere bei einem neuen Kursziel von 95 Euro auf «Buy» hoch. Die Prognose des Managements für 2026 deute auf eine stärkere Margendynamik hin als bisher angenommen, so der Experte./mis/stk
--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---
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