«Der Aktienmarkt zeigt sich weiterhin erstaunlich robust gegenüber den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten», schrieb Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Der Dax bewege sich nach den zuletzt starken Ausschlägen in einem insgesamt freundlichen Umfeld.

Anleger setzen Emden zufolge darauf, dass im Nahost-Krieg die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zumindest vorerst Bestand hat oder sich im weiteren Verlauf sogar in eine verlängerte Phase politischer Entspannung entwickelt, die mittelfristig in ein tragfähiges Friedensabkommen münden könnte. Pakistan bereitet sich bereits auf weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten in der Hauptstadt Islamabad vor.

Damit steuert der Dax auf die dritte Gewinnwoche in Folge zu. Trotz der Erholung seit Ende März liegt er aber immer noch unter dem Niveau von Ende Februar, also vor dem Beginn des Iran-Kriegs.

Der MDax mit den mittelgrossen deutschen Werten gewann 1,4 Prozent auf 31.361 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx ging es um 0,7 Prozent nach oben.

Der Experte Emmanuel Cau von der Barclays Bank wies darauf hin, dass es nach wie vor keine Anzeichen gebe, dass die Anleger willig seien, Gewinne mitzunehmen. «Der Markt will steigen.» Der Waffenstillstand habe die Stimmung verbessert und die Angst, etwas zu verpassen, habe die Aktienkurse von US-Indizes mit starkem Fokus auf Technologiewerte auf Höchststände getrieben.

Die konjunktursensiblen US-Tech-Aktien werden derzeit von zunehmenden Anzeichen für eine Deeskalation im Iran-Krieg angetrieben. Als Antrieb hinzu kommen solide Unternehmensgewinne und die Hoffnung, dass Künstliche Intelligenz die etablierten Geschäftsmodelle der Unternehmen nicht so stark gefährdet wie zuletzt befürchtet.

Entsprechend waren am deutschen Markt insbesondere Aktien aus dem Software- und Internetbereich gefragt. So zogen SAP , Ionos , Teamviewer und Nemetschek um 3,7 bis 9,4 Prozent an.

Die Aktien der Deutschen Börse stiegen um 2,2 Prozent. Die Papiere profitierten von einer Kaufempfehlung von Bank of America. Experte Hubert Lam verwies auf die starke Marktstellung des Unternehmens.

Die Papiere von RWE litten unter Berichten über den Kampf Grossbritanniens gegen hohe Strompreise und fielen um 3,5 Prozent. Händler verwiesen als Belastung auf einen Bericht der «Financial Times», wonach die britische Finanzministerin Rachel Reeves und Energieminister Ed Miliband nach Lösungen suchen, um die direkte Kopplung zwischen Strom- und Gaspreisen aufzuheben.

Unter den grössten Gewinnern im MDax stiegen Delivery Hero um fast fünf Prozent. Der US-Fahrdienstleister Uber stockt seine Beteiligung an dem Essenlieferdienst auf./la/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

(AWP)