Am Montag war der Dax zunächst klar unter die Marke von 22.000 Punkten gesackt auf ein Tief seit etwa elf Monaten, bevor eine Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump Hoffnung auf ein mögliches Abkommen mit dem Iran machte. Die Nachrichtenlage bleibt seitdem aber verworren und der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent verharrte knapp über der Marke von 100 US-Dollar. Geprägt vom Iran-Krieg hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im März denn auch verschlechtert.

In der zweiten deutschen Börsenliga sank der MDax zuletzt um 0,17 Prozent auf 28.181 Punkte, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx auch leicht mit 0,15 Prozent im Minus lag. Für die wichtigsten Indizes in New York zeichnete sich am Dienstag ein wenig bewegter Auftakt ab.

Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verschoben hatte, erwähnte der Börsenbrief-Autor Hans Bernecker am Morgen wieder einmal den sogenannten «TACO-Trade», der für «Trump Always Chickens Out» steht und die Erwartung ausdrückt, dass Trump bei seinen Ankündigungen Rückzieher macht. Offenbar habe der US-Präsident die Situation als so verfahren angesehen, dass er sich und den Märkten erst einmal etwas Luft verschaffen wollte. Wegen der Wankelmütigkeit Trumps stellt der Experte aber ein grosses Fragezeichen dahinter, ob ein baldiges Kriegsende realistisch ist.

Zu Belastung für den Dax wurden die fast drei Prozent tieferen SAP-Aktien. Nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher optimistisches Votum für das Index-Schwergewicht aufgegeben hat, erreichten die Aktien ein Tief seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg argumentierte, das Bild einer erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich bei den Walldorfern geändert.

Auch die Bayer-Aktien waren mit 2,4 Prozent Minus unter den grossen Dax-Verlierern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, will der 2023 eingestiegene Aktionär Inclusive Capital Partners ein Aktienpaket des Pharmakonzerns los werden. Der Agentur zufolge werden die Anteile zu einem Preis von 37,45 Euro je Aktie angeboten, der nahe am aktuellen Kurs liegt.

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit im Zuge des Nahost-Konflikts sorgte die Deutsche Bank im Chemiesektor für Gesprächsstoff mit einer Reihe an Umstufungen. Dazu zählt, dass Analystin Virginie Boucher-Ferte in BASF und Brenntag letztlich Profiteure sieht, die sie nun zum Kauf empfiehlt. Beide Aktien gehörten mit einer Erholung um bis zu 4,5 Prozent zu den Spitzenwerten im Dax.

Ohne eine Hochstufung der Deutschen Bank setzten aus dem Chemiesektor die Lanxess-Aktien ihre Erholung um fünf Prozent fort. Ein Börsianer verwies darauf, dass zuletzt vermehrt Anleger mit den Titeln auf fallende Kurse gesetzt hätten. Neuerdings wieder anziehende Kurse könnten auf die Schliessung solcher Leerverkaufspositionen hindeuten, hiess es.

Im Nebenwertebereich gab es am Dienstag Zahlen von Nagarro , Indus Holding und Drägerwerk auszuwerten. Nachhaltig auffällig waren davon eigentlich nur die Indus-Titel, die mit fast drei Prozent Plus von einer angehobenen Dividende profitierten.

Klare, etwa acht Prozent grosse Kursgewinne gab es beim Prothesenhersteller Ottobock . Die Titel setzten ihre Erholung nach einer Kaufempfehlung der UBS fort. Analyst Graham Doyle schrieb in seiner Studie, dass er nach dem massiven Kursrutsch inzwischen ein klares Chancen-Übergewicht sieht./tih/stk

(AWP)