Zu Wochenbeginn war der Spielraum für den Dax mit der zeitweisen Rückkehr über die Marke von 25.000 Punkten aufgebraucht. Es fehlten schnell die Anschlusskäufe, nachdem die Märkte in der Aussicht auf einen Deal bereits am Freitag angezogen hatten. «Die Euphorie an den Aktienmärkten über die Einigung scheint bereits einer nüchternen Einschätzung gewichen zu sein», kommentierte am Morgen der LBBW-Experte Rolf Schäffer.
Innenpolitisch verschafft das Rahmenabkommen dem US-Präsidenten Donald Trump aus Sicht von Schäffer zwar Entlastung. Es bedeute aber «kein Ende der Risiken», denn in puncto iranisches Atomprogramm bestünden weiterhin erhebliche Differenzen und ausserdem hänge die Situation auch von der Lage im Libanon ab. «Die vorläufige Einigung ist daher weniger ein Schlussstrich als ein Zwischenstand: ein diplomatischer Erfolg auf Bewährung, dessen Bestand sich erst in den kommenden Wochen erweisen wird.»
Auch wegen des Zinsentscheids der US-Notenbank am Mittwoch und dem grossen Verfallstermin an den Terminbörsen am Freitag fällt eine weitere Trendprognose für die Aktienmärkte zunächst schwer. «Die Notenbanker rund um den neuen Fed-Chef (Kevin) Warsh werden sich wohl in Zurückhaltung üben und damit den Markterwartungen entsprechen», kommentierten am Morgen die Helaba-Experten. Die Erwartung zeitnah steigender Zinsen habe sich mit den sinkenden Ölpreisen der letzten Tage zurückgebildet.
Wichtig für die Marktstimmung bleibt wohl auch der weitere Erfolg der SpaceX -Aktien, die ihre Rally am Montag an den US-Börsen mit einem Anstieg in Richtung 200 US-Dollar fortgesetzt haben. Dabei litten andere Tech-Titel nicht unter Mittelabflüssen - im Gegenteil: So sprangen Marvell und Micron zweistellig an, letztere auf ein Rekordhoch. Der Nasdaq nähert sich wieder seinem jüngsten Höchststand.
Vor allem konjunkturabhängige Werte waren zuletzt wegen der Hoffnung auf eine Freigabe der Strasse von Hormus gefragt. Anlagewerte, die besonders stark unter dem Energieschock gelitten haben, müssen nun ihre Vortagserholung bestätigen.
Siltronic hat derweil den jüngsten Kursanstieg auf ein Hoch seit 2022 genutzt, um sich frisches Kapital zu besorgen. Durch die Ausgabe von drei Millionen neuen Aktien zu je 91 Euro nimmt der Waferhersteller brutto 273 Millionen Euro ein. Der Kurs, der vor einigen Tagen die 100-Euro-Marke erreicht hatte, fiel daraufhin am Morgen in Richtung dieses Preises. Auf der Plattform Tradegate wurden die Titel fünf Prozent niedriger zu 92,75 Euro gehandelt.
Ansonsten könnten einige Aktien noch von Analystenkommentaren bewegt werden. Für die Porsche AG gibt es nach den Kaufempfehlungen von UBS und Goldman Sachs aus der Vorwoche die nächste bessere Einschätzung: Von der britischen Barclays Bank gibt es immerhin eine Hochstufung auf «Equal weight». Henning Cosman unterstrich dabei zwar die zuletzt wieder deutlich gestiegene Bewertung des Sportwagenbauers, er sieht aber auch keine Belastungsfaktoren mehr.
Zum Kauf empfohlen wurde noch die Gea Group von der Deutschen Bank, und dies hievte den Kurs des Maschinenbauers im Dax vorbörslich mit 1,2 Prozent ins Plus. Mit einem Kursziel von 70 Euro sieht der Experte Lars vom-Cleff etwa ein Viertel Luft nach oben für die Aktien, die Anfang Juni ein Tief seit mehr als einem Jahr erreicht hatten./tih/jha/
(AWP)

