Am Nachmittag legte der deutsche Leitindex um 0,9 Prozent auf 23.783 Punkte zu. Eine nachhaltige Erholung ist - zumindest charttechnisch gesehen - allerdings erst bei um die 24.200 Punkte zu erwarten. Der MDax der mittelgrossen Werte gewann 1,5 Prozent auf 29.395 Zähler. Europaweit sah es an den Börsen ähnlich aus und zudem starteten in den USA die wichtigsten Indizes mit Gewinnen.

Am zwölften Handelstag, seit die USA und Israel den Militärschlag gegen den Iran gestartet haben, scheinen die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Kriegs immer noch recht hoch zu sein. Ein länger andauernder Konflikt würde vor allem Europa und Asien wegen ihrer deutlich höheren Importabhängigkeit für Öl und Gas treffen. Die USA sind dagegen weitgehend autark.

Zunehmend in den Blick rücken zudem die grossen Zentralbanken, denn am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über ihren Leitzins und am Donnerstag die EZB. Spontane Zinsveränderungen werden zwar als unwahrscheinlich angesehen, doch erhoffe man sich «von den schriftlichen Statements oder zumindest von den Fragerunden mehr Einblicke, ob die Erwartung steigender Leitzinsen in der Eurozone und ausbleibender Zinssenkungen in den USA richtig ist», sagte Altmann.

Auch ohne den Iran-Krieg agiere die Fed bereits seit längerem im Spannungsfeld zwischen einer hartnäckigen Inflation und einem schwächelndem Arbeitsmarkt, gab DZ-Bank-Analyst Christian Lenk zu bedenken. Die Auswirkungen des Krieges dürften das Dilemma allerdings noch verschärfen.

Die steigenden Preise für Energie sorgten im Dax für Kursgewinne bei Eon , Siemens Energy und RWE . Eon nahmen die Index-Spitze ein mit plus 3,1 Prozent. Siemens Energy gewannen 2,7 Prozent und RWE 1,4 Prozent. Rheinmetall gaben dagegen nach der jüngsten Kurserholung der Rüstungsaktie am Dax-Ende um 1,3 Prozent nach.

Die Aufmerksamkeit der Anleger galt zudem Einzelwerten aus der zweiten und dritten Börsenreihe. So teilte der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius seine neuen Mittelfristziele ab 2027 mit. Die Aktie war mit plus 7,4 Prozent Favoriten im MDax. Nach den vorangegangenen überdurchschnittlichen Kursverlusten herrschte nun Erleichterung über die vom Management selbst als «realistisch, aber ambitioniert» bezeichneten Prognosen.

Die Fraport -Aktie sprang um 6,8 Prozent hoch. Zwar wird am Frankfurter Flughafen auch 2026 noch nicht wieder das Fluggast-Aufkommen erwartet, das es vor der Corona-Krise gegeben hatte, doch Analysten zeigten sich zufrieden mit den Zahlen und den Zielen des Flughafenbetreibers. Unter anderem wurde der freie Barmittelfluss positiv hervorgehoben, der im Vorjahr erstmals seit 2018 wieder positiv war. «Und damit ein Jahr früher», wie es bei JPMorgan hiess.

Thyssenkrupp profitierten mit plus 7,3 Prozent von einem Auftrag für die Tochter Nucera . Der Anlagenbauer für Elektrolysetechnologien hat einen Vertrag für ein Wasserstoffprojekt in Indien unterzeichnet. Nucera selbst stiegen um 2,2 Prozent.

Im SDax hatten Springer Nature die Nase vorn mit plus 8,1 Prozent. Der Wissenschaftsverlag steigerte im abgelaufenen Jahr den Umsatz und den operativen Gewinn und gab zudem laut Händlern einen überraschend starken Ausblick. Energiekontor sackten dagegen am Ende des Nebenwerte-Index nach einem Analystenkommentar um knapp 10 Prozent ab./ck/men

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

(AWP)