Der Dax rutschte unter sein Vortagestief und fiel zuletzt um ein Prozent auf 23.835 Punkte. Tags zuvor war der Leitindex nach der vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg zwischenzeitlich bis auf 24.163 Punkte gesprungen. Hier jedoch lief er sich im Bereich mehrerer längerfristiger technischer Trendbarometer - der einfachen 200-Tage-Durchschnittslinie sowie der 100- und 50-Tage-Linien - fest.

Der MDax mit den mittelgrossen deutschen Werten verlor am Donnerstag 1,2 Prozent auf 29.935 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,9 Prozent abwärts.

«Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte vierzehntägige Waffenruhe zeigt sich als ein sehr wackeliges Konstrukt», schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets. Es sei zu erwarten gewesen, dass sich die Verhandlungen und die Aufrechterhaltung der Waffenruhe als sehr schwierig zeigen werden. Die Situation im Iran ist dem Experten zufolge weiterhin verworren und die vereinzelten Randkriegsschauplätze verkomplizierten die Situation zusätzlich.

Die Ölpreise bleiben der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt, und damit die Risikofreude der Anleger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni war tags zuvor mit fast 90 US-Dollar auf das tiefste Niveau seit Mitte März gesackt. Inzwischen kostet Brent-Öl wieder gut 98 Dollar. «Es zeichnet sich dadurch keine Entlastung für die energieabhängige deutsche Industrie und den europäischen Verbraucher ab», fuhr Lipkow fort.

Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades mahnte insgesamt zur Vorsicht: «Die Angst vor neuen geopolitischen Beben bleibt das dominierende Narrativ.» Anleger reagierten extrem nervös auf jeden Newsticker - sei es zur finalen Öffnung der Strasse von Hormus oder gar zu den brandgefährlichen Diskussionen über einen US-Austritt aus dem Militärbündnis Nato.

Im Dax zählten die Aktien von SAP mit einem Minus von 2,7 Prozent zu den grössten Verlierern. Damit erwies sich der Kurssprung am Vortag als Strohfeuer. Die Anteilsscheine des Software-Konzerns leiden seit längerem unter Sorgen rund um die Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz.

Die Papiere der Lufthansa büssten im MDax 4,3 Prozent ein. Die Flugbegleiter des Konzerns sind für Freitag zu einem Streik aufgerufen. In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei Lufthansa und nach Angaben der Gewerkschaft Ufo um eine fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Regionaltochter Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln./la/jha/

(AWP)