Für den MDax der mittelgrossen Unternehmen ging es am Montagvormittag um weitere 2,65 Prozent auf 27.058 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,5 Prozent. In Asien standen nach dem Ultimatum von Trump an den Iran noch deutlichere Kursabschläge zu Buche.
In der Nacht zu Sonntag hatte der US-Präsident der iranischen Führung mit der Zerstörung von Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Strasse von Hormus vollständig und «ohne Drohungen» öffnen. Teheran drohte seinerseits mit der vollständigen Schliessung der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge.
«Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm», kommentierte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management. Es gehe inzwischen weniger um Einzelereignisse als die schiere Länge des Konflikts. Die Instabilität baue sich langsam auf. Besorgniserregend sei der gemeinsame Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar des Goldpreises, so Innes weiter. Es finde also keine Rotation des Geldes statt, sondern es werde schlicht abgezogen. Zu allem Überfluss steige der Druck auf die Notenbanken, zu reagieren.
«Die Lage ist so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges», ergänzte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. «Niemand weiss, wie weit die USA und Israel wirklich zu gehen bereit sind. Und niemand kann absehen, wie verheerend Gegenschläge des Iran ausfallen können. Die Panik, die lange Zeit nicht vorhanden war, frisst sich jetzt in die Märkte und in die Kurse.»
Die Ölpreise reagierten ebenfalls sichtbar auf die drohende Eskalation im Nahen Osten. So legte der Preis für ein Fass (149 Liter) Rohöl der für Europa massgeblichen Nordsee-Sorte Brent weiter zu auf zuletzt rund 120 US-Dollar. Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die Ölpreise für einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau bleiben dürften. Laut einer aktuellen Studie erwartet sie für die Monate März und April einen durchschnittlichen Brent-Preis von 110 Dollar.
Vor diesem Hintergrund gerieten Unternehmensnachrichten ebenso wie die in Kraft getretenen Änderungen bei der Zusammensetzung der Indizes der Dax-Familie fast zur Nebensache. Europaweit zu den grössten Verlierern zählten die seit Beginn des Iran-Kriegs ohnehin schon gebeutelten Rohstoff- und Immobilientitel .
Die Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter büssten im schwachen Branchenumfeld als MDax-Schlusslicht 8,5 Prozent ein. Der MDax-Aufsteiger legte vollständige Jahreszahlen vor und blieb mit seinem Vorschlag einer unveränderten Dividende von 0,20 Euro je Aktie hinter den Erwartungen zurück. Beim Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp mussten die Anleger einen Kursabschlag von 4 Prozent verkraften. Im Dax führte der Immobilienkonzern Vonovia mit minus 4,8 Prozent die Verliererliste an.
Gemieden wurden zudem Rüstungstitel. Ungeachtet der Entwicklung in Nahost ging es für Rheinmetall im Dax um 3,1 Prozent sowie für die MDax-Branchenkollegen TKMS , Hensoldt und Renk um bis zu 6 Prozent nach unten.
Im Nebenwerte-Index SDax war Gerresheimer mit minus 10,8 Prozent grösster Verlierer. Am Freitag hatten die Aktien des Verpackungsherstellers dank Übernahmefantasie noch einen Kurssprung gemacht.
Es gab allerdings auch einige wenige Gewinner im schwachen Marktumfeld. So bescherte der Verkauf seines Essensliefergeschäfts Foodpanda in Taiwan Delivery Hero ein Plus von 0,8 Prozent. In der vergangenen Woche waren die Aktien noch auf ein Rekordtief abgesackt.
Die Papiere von Vincorion legten gegen den Markt- und Branchentrend um weitere 1,2 Prozent auf 18,93 Euro zu. Am vergangenen Freitag hatte die Rüstungsfirma trotz des schwierigen Umfelds ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt. Gegenüber dem Ausgabepreis von 17 Euro, zu dem sich der Private-Equity-Investor Star Capital von Teilen des Unternehmens getrennt hatte, steht aktuell immer noch ein Plus von mehr als 11 Prozent zu Buche./gl/nas
(AWP)

