Der deutsche Leitindex sank in den ersten Handelsminuten um 0,8 Prozent auf rund 24.750 Punkte. In der Vorwoche hatte er noch eine Bestmarke von 25.507 Punkten erreicht. Der MDax der mittelgrossen Börsenwerte sank am Dienstag um 1,2 Prozent auf 31.021 Punkte, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 moderatere 0,6 Prozent verlor. Er hatte in der Vorwoche ebenfalls Rekorde erzielt.
US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen Anlegern am Wochenende die Laune verhagelt. Wegen des Grönland-Streits hatte er Strafzölle ab Februar angekündigt, die zum 1. Juni Zölle noch steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische Nato-Länder, darunter auch Deutschland.
Die Verschärfung der transatlantischen Spannungen und die neue Zollunsicherheit nagten an der europäischen Anlagestory, schrieb Beata Manthey, Aktienmarktstrategin der Citigroup. Es liege nun ein Schatten über der erwarteten Gewinnbelebung europäischer Konzerne. Manthey strich daher ihre Präferenz für Aktien Kontinentaleuropas und schätzt sie im globalen Kontext nur noch neutral ein - erstmals seit mehr als einem Jahr, wie sie betonte. Mit Blick auf einzelne Branchen ist sie nun besonders skeptisch für Auto- und Chemiekonzerne. Hier hält sie eine Belebung der Gewinnentwicklung für besonders schwierig.
Optimistischer äusserte sich Marina Zavolock von Morgan Stanley. Die neue Zolleskalation erschwere die Lage insgesamt zwar, allerdings seien die Belastungen höchst individuell, so die Anlageexpertin. Und letztlich werde Europa in seinem Kurs zu mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortung bestärkt, was nicht nur Rüstungsinvestitionen, sondern auch der Reformagenda insgesamt Schub geben dürfte.
Zunächst besonders gelitten hatten am Montag europaweit Autowerte und Technologiewerte. Der Branchenindex war zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober abgesackt. BMW , Mercedes und VW schwächelten auch am Dienstag, blieben aber deutlich über ihren Vortagestiefs.
FMC fielen derweil wieder auf das tiefste Niveau seit Herbst 2024 zurück. Der Dialysekonzern bekomme 2026 aus einigen Richtungen Gegenwind, schrieb Richard Felton von Goldman Sachs und strich seine Kaufempfehlung.
Hypoport fielen im SDax um fast 11 Prozent zurück Richtung November-Zwischentief. Beim Finanzdienstleister ist die Nachfrage nach Immobilienkrediten im vierten Quartal nach einem bis dahin starken Jahr leicht zurückgegangen./ag/jha/
(AWP)

