Angesichts der politischen und militärischen Hängepartie zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran stieg der Preis für Öl der Nordseesorte Brent weiter und hält sich damit klar über der Marke von 100 US-Dollar. Inflationäre und konjunkturelle Risiken nehmen zu, Aktien werden in diesem Umfeld gemieden.

Die allgemeine Verunsicherung manifestiert sich nun auch in den Konjunkturdaten. So hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im April wegen der Folgen des Iran-Kriegs weiter verschlechtert. Vor allem hohe Öl- und Gaspreise sowie die Sorge vor möglichen Lieferengpässen lassen die Firmen pessimistischer in die Zukunft schauen. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten.

«Die Unternehmen haben Sorge vor einer schwindenden Kauflaune der Verbraucher und steigenden Kosten als Folge der höheren Energiepreise», schrieb Michael Herzum, Chefökonom von Union Investment. Mögliche Störungen der Lieferketten belasteten die Stimmung zunehmend, je länger die wichtige Strasse von Hormus geschlossen bleibt.

Der MDax mit den mittelgrossen Werten sank am Donnerstag um 1,3 Prozent auf 30.765 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx ging es um 0,4 Prozent nach unten.

In der allmählich Fahrt aufnehmenden Saison der Quartalsberichte veröffentlicht an diesem Donnerstagabend Europas grösster Software-Entwickler SAP Geschäftszahlen. Anleger sind vorsichtig, SAP-Aktien verloren am Dax-Ende 3,4 Prozent.

An der Spitze des Dax setzten Infineon ihre Rally fort mit Kursen erstmals seit 2000 wieder über der 50-Euro-Marke. Treiber sind starke Geschäftsprognosen der Halbleiterkonzerne STMicro und Texas Instruments . Infineon-Papiere stiegen um gut sechs Prozent.

Sartorius rutschten nach dem Quartalsbericht des Pharma- und Laborzulieferers um sieben Prozent ab. Die Zahlen lägen unter den Erwartungen und die Aktien seien zuletzt gut gelaufen, sagte ein Händler.

Für die Anteile des Online-Brokers Flatexdegiro ging es nach der Quartalsbilanz um fast neu Prozent nach unten. Positiv auffällig waren Stabilus mit plus 5,2 Prozent. Händler lobten die Umsatz- und Margenentwicklung des Herstellers von Gasdruckfedern im ersten Quartal.

RTL Group legten um 1,7 Prozent zu. Anleger freute es, dass der Medienkonzern Sky Deutschland übernehmen darf./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)