Zwischen den USA und dem Iran drohen Bemühungen um ein Kriegsende erneut steckenzubleiben. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die jüngste Antwort des Irans auf seinen Vorschlag für eine diplomatische Lösung als «völlig inakzeptabel». Er stiess weitere Drohungen gegen die Islamische Republik aus. Diese zeigte sich davon unbeeindruckt und stellte ihrerseits Forderungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will den Krieg so lange fortführen, bis wichtige Fragen zum iranischen Atomprogramm geklärt sind. Der Ölpreis stieg angesichts dieser Äusserungen zu Wochenanfang wieder an.

Die Reaktion der Anleger auf die enttäuschenden Nachrichten aus Nahost sei «ausgesprochen moderat» ausgefallen, kommentierte Marcel Mussler, Herausgeber der gleichnamigen Börsen-Briefe. Es sei schon «sehr auffällig, dass die Aktienmärkte für positive Nachrichten derzeit wesentlich empfänglicher sind als für negative». Ausblenden könne man den Konflikt aber nicht, solange eine neue Eskalation nicht ausgeschlossen sei.

Andere Marktbeobachter verwiesen auch auf den im weiteren Wochenverlauf anstehenden Staatsbesuch von Trump in China. Die Anleger «suchen derzeit nach jedem Thema, das eine kurze Verschnaufpause vom Krisenherd Nahost ermöglichen kann, und hoffen auf neue Impulse im Verhältnis zwischen Washington und Peking sowie auf positive Signale für die Weltwirtschaft», schrieb Analyst Timo Emden.

Auch an den europäischen und amerikanischen Aktienmärkten zeigten sich die Anleger am Montag wenig beeindruckt vom Thema Iran. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss knapp 0,3 Prozent tiefer, während Zürich auf der Stelle trat und London Gewinne verzeichnete. In New York reichten moderate Kursanstiege für Bestmarken des marktbreiten S&P 500 sowie des Tech-Auswahlindex Nasdaq 100 .

Im Dax führte Gea mit einem Kursminus von 4,9 Prozent die Verliererliste an. Experten fanden an den Quartalszahlen des Anlagenbauers wenig auszusetzen, monierten aber die schwache Barmittelentwicklung. Die Aktien von Hannover Rück sanken nach ihrem Zwischenbericht um 2,6 Prozent. Sie litten vor allem unter einer schwachen Entwicklung des Rückversicherungsgeschäfts im Bereich Schaden und Unfall.

Zu den Spitzenwerten im Leitindex zählte dagegen Eon mit plus 1,9 Prozent. Die Privatbank Metzler sieht für Energienetzbetreiber Aufholpotenzial und rät deshalb nun zum Kauf der Aktie. Noch gefragter waren die Aktien der Chemieunternehmen BASF und Brenntag sowie der Branchenkollegen Lanxess , Evonik und Wacker Chemie aus dem MDax.

Bei MDax-Spitzenreiter Delivery Hero konnten sich die Aktionäre über einen Kurssprung von 18 Prozent freuen. Grossaktionär Prosus verkaufte einen fünfprozentigen Anteil an dem Essenlieferdienst an den Investmentfonds Aspex. Der Preis um zehn Prozent über dem Schlusskurs der Aktien vom Freitag. Der Anteilverkauf dürfte den Druck auf Delivery-Hero-Gründer und -Chef Niklas Ostberg erhöhen. Aspex hatte sich zuvor für einen Wechsel an der Konzernspitze stark gemacht, falls das Management die angekündigten Vermögensverkäufe nicht umsetze.

Für das Index-Schlusslicht TKMS hing es trotz überwiegend erfreulicher Quartalszahlen um 6,6 Prozent bergab. Die Anteile des Marineschiffbauers schlossen sich damit dem Negativtrend der Rüstungsbranche an diesem Tag an.

Bei Hochtief fielen die Gewinnmitnahmen mit einem Minus von letztlich noch 1,4 Prozent überschaubar aus. Der Baukonzern enttäuschte zwar mit seiner Umsatzentwicklung im ersten Quartal. Doch Graham Hunt vom Analysehaus Jefferies bescheinigte dem Baukonzern einen insgesamt guten Jahresstart und sieht den bestätigten Gewinnausblick als konservativ an. Vergangene Woche waren die Aktien erstmals über die 500-Euro-Marke geklettert. Das Plus seit Jahresbeginn beträgt immer noch 61 Prozent./gl/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)