Die für den Welthandel wichtige Strasse von Hormus «wird für die verbleibende Dauer des Waffenstillstands für alle Handelsschiffe vollständig geöffnet», teilte der iranische Aussenminister Abbas Araghchi in einem Beitrag auf der Plattform X mit. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Aussagen. Dadurch wurden die jüngsten Konjunktur- und Inflationssorgen stark gedämpft. Die Ölpreise und die Renditen sackten ab. Dass Trump dennoch an seiner Seeblockade für Schiffe mit einem iranischen Hafen als Start oder Ziel festhalten will, bis die Verhandlungen mit Teheran abgeschlossen sind, liess die Märkte kalt.
Auch die Aktienkurse in Europa und den USA reagierten euphorisch auf diese Nachricht. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx verabschiedete sich gut zwei Prozent höher ins Wochenende. Auch in Zürich standen deutliche Kursgewinne zu Buche. Dagegen reichte es in London nur für vergleichsweise bescheidene Aufschläge. In New York erreichten der marktbreite S&P 500 sowie der Technologie-Index Nasdaq 100 Rekordstände, während dem Leitindex Dow Jones Industrial trotz der deutlichsten Gewinne noch ein gutes Stück zu einer Bestmarke fehlt.
Marktanalyst Timo Emden sprach von einer überraschenden Entspannung der geopolitischen Lage im Nahen Osten. «Mit der Öffnung der Strasse von Hormus ist sprichwörtlich Druck vom Kessel genommen worden.» Die Route gelte als «neuralgischer Punkt der Weltwirtschaft», weshalb die Nachricht ein starkes Signal der Stabilisierung sende.
Europaweit zählten Aktien der Reise- und Freizeitbranche zu den grössten Gewinnern. Im MDax reihten sich die Titel der Lufthansa und des Flughafenbetreibers Fraport mit Aufschlägen von jeweils fast 7 Prozent weit vorne ein. Ihnen half auch, dass kurzfristig keine weiteren Streiks bei der Fluggesellschaft drohen. Im Dax legten die Titel des Triebwerksbauers MTU um 5,1 Prozent zu.
Zudem gefragt waren die konjunktursensiblen Aktien aus dem Industrie- und Automobilsektor , am deutschen Markt namentlich Siemens und Continental , die um 3,4 beziehungsweise 5,4 Prozent zulegten.
Ebenfalls zu den Gewinnern zählten ähnlich konjunkturabhängige Titel aus der Tech-Branche . Die Softwaretitel Nemetschek und Teamviewer zogen um 9,8 beziehungsweise 6,5 Prozent an.
Unter den grössten MDax-Gewinnern stiegen Delivery Hero um 5,2 Prozent. Der US-Fahrdienstvermittler Uber stockt mit der Übernahme von Anteilen des Grossaktionärs Prosus seine Beteiligung an dem Essenlieferdienst auf.
Dagegen büssten die Titel von Dax-Schlusslicht RWE 3,8 Prozent ein. Sie litten unter Berichten über den Kampf Grossbritanniens gegen hohe Strompreise. Händler verwiesen auf einen Artikel der «Financial Times», wonach die britische Regierung nach Lösungen sucht, um die direkte Kopplung zwischen Strom- und Gaspreisen aufzuheben.
Bei K+S mussten die Anleger einen Kursrückgang von 4,9 Prozent verkraften, womit die Aktien die kurze Verliererliste im MDax anführten. Der Düngerhersteller hatte wegen sprunghaft gestiegener Preise für seine Produkte zeitweise deutlich vom Krieg im Nahen Osten profitiert und litt nun naturgemäss unter der Entspannung der Lage./gl/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
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