Dass der Iran Verhandlungen mit den USA dementierte, bremste die Euphorie am Markt allerdings etwas: Nach einem Kursplus von zunächst mehr als 3,5 Prozent bröckelte der Dax am Nachmittag ab und schloss 1,22 Prozent im Plus bei 22.653,86 Punkten. Bis zum Mittag hatte der deutsche Leitindex noch eine steile Talfahrt hingelegt. Die Schwankungsbreite von fast sechs Prozent im Handelsverlauf ist die grösste seit dem Zwischentief vom 7. April 2025 im Zuge von Trumps Zoll-Schock. Für den MDax der mittelgrossen Unternehmen ging es am Montag letztlich um 1,56 Prozent auf 28.229,36 Punkte bergauf.

Auch an Europas anderen wichtigen Aktienbörsen kam es überwiegend zu einer merklichen Erholung. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um rund 1,3 Prozent zu. Ausserhalb des Euroraums zeigte sich hingegen eine uneinheitlich Tendenz: Während die Börse in London leicht nachgab, drehte jene in Zürich moderat ins Plus. In New York legte der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss um rund 1,0 Prozent zu.

Positiv sei festzuhalten, dass die USA weiter an einem «Deal» interessiert zu sein scheinen, kommentierte Analyst Sören Hettler von der DZ Bank. Und die starke Marktreaktion verdeutliche, dass die Kapitalmärkte bereit seien, «wieder positiver in die Zukunft zu schauen, sofern greifbare Signale der Entspannung auftauchen». Dennoch blieben die Marktteilnehmer vorsichtig, da eine Lösung des Konflikts - vor allem nach dem iranischen Dementi - «bislang alles andere als in trockenen Tüchern» sei, so Hettler.

«Trumps Ankündigung wirkt wie Balsam für die Märkte und damit als klassische Beruhigungspille auf Zeit», schrieb Marktanalyst Timo Emden. Damit dominiere klar das Prinzip Hoffnung. Die Anleger setzten auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt. Doch sie «sollten sich vor Augen halten, dass aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet», warnte der Experte. «Die geopolitischen Risiken bleiben bestehen und damit auch die Gefahr, dass die Märkte ihre aktuelle Erholung schnell wieder abgeben.»

Die jähe Wende schlug sich auch in den Ölpreisen sowie der Kursentwicklung einiger der vorherigen Branchenverlierer nieder. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der für Europa massgeblichen Nordsee-Sorte Brent gab deutlich nach.

Die vor den Trump-Aussagen gebeutelten europäischen Rohstofftitel drehten deutlich ins Plus, während der Immobilienindex am Ende klar in der Verlustzone blieb.

Die Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter - zuvor MDax-Schlusslicht mit minus 10 Prozent - gewannen letztlich 1,4 Prozent. Der Index-Aufsteiger legte vollständige Jahreszahlen vor und blieb mit seinem Vorschlag einer unveränderten Dividende von 20 Cent je Aktie hinter den Erwartungen zurück. Die Titel des Industrie- und Stahlkonzerns Thyssenkrupp gewannen rund 3,1 Prozent.

Im Dax gehörte das Papier des Wohnimmobilienkonzerns Vonovia trotz eines auf 2,1 Prozent eingedämmten Minus zu den schwächsten Werten. Im MDax verloren LEG 1,4 Prozent, während TAG Immobilien um 0,6 Prozent zulegten.

Im Nebenwerte-Index SDax blieben Gerresheimer mit minus 12,7 Prozent grösster Verlierer. Am Freitag hatten die Aktien des Verpackungsherstellers dank Übernahmefantasie noch einen Kurssprung gemacht.

Der Verkauf seines Essensliefergeschäfts Foodpanda in Taiwan bescherte Delivery Hero im MDax ein Plus von 7,9 Prozent. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel sieht den Preis von 600 Millionen US-Dollar in bar, den Konkurrent Grab zahlen will, deutlich über den Markterwartungen. Vergangene Woche waren die Aktien von Delivery Hero auf ein Rekordtief abgesackt./edh/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

(AWP)